Arbeitsmarkt, Gesellschaft

Ökonom Werding rät Koalition zu tiefgreifenderen Rentenreformen

17.11.2025 - 12:02:35 | dts-nachrichtenagentur.de

Im unionsinternen Streit um das von der Bundesregierung geplante Rentenpaket rät der Wirtschaftsweise Martin Werding der Koalition, direkt in tiefgreifendere Rentenreformen einzusteigen.

Martin Werding am 12.11.2025 - Foto: über dts Nachrichtenagentur
Martin Werding am 12.11.2025 - Foto: über dts Nachrichtenagentur
Sowohl die befristete Haltelinie als auch die Ausweitung der Mütterrente seien mit Blick auf die demografische Alterung rentenpolitische Schritte in die falsche Richtung, sagte Werding den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagausgaben). "Wegen der geplanten Steuerfinanzierung und der Lücken in der Finanzplanung der Bundesregierung sind sie auch finanzpolitisch eigentlich nicht machbar. So gesehen sollte die Koalition am besten beide Vorschläge vom Tisch nehmen und direkt in die Diskussionen zu längerfristig orientierten Reformen der Sozialversicherungen einsteigen, die sie zwischenzeitlich angekündigt hat", so Werding, der Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum lehrt.

Politisch erscheine ihm das im aktuellen Diskussionsklima zwar "äußerst schwierig", so der Ökonom weiter. "Aber im Grunde wäre es mutig und klug." Das Rentenpaket steht im Bundestag derzeit wegen eines unionsinternen Streits auf der Kippe. Hintergrund ist die Drohung der 18 Abgeordneten der sogenannten Jungen Gruppe der Unionsfraktion im Bundestag, die Verabschiedung des Gesetzes zu verhindern. Sollten ihre Stimmen bei dem Votum im Bundestag fehlen, hätte die Koalition alleine keine Mehrheit. Die jungen Unionsmitglieder stören sich vor allem an der geplanten Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent über das Jahr 2031 hinaus. Dieses gehe zulasten der jungen Menschen. Die SPD pocht auf die Verabschiedung der vom Kabinett beschlossenen Rentenpläne zur Stabilisierung des Rentenniveaus. Ökonom Hans-Werner Sinn warnt unterdessen eindringlich vor den sozialen und finanziellen Lasten, die auf der jungen Generation in Deutschland lasten. "Die Situation der Jungen ist fatal", sagt Sinn dem Nachrichtenportal T-Online. Während die Babyboomer-Generation zu wenige Kinder bekommen habe, um das Rentensystem zu tragen, mache sie nun hohe Schulden, "um für sich die Konsequenzen zu vermeiden - während die Jungen die Schulden an der Backe haben". So fasst es Sinn zusammen. Sinn erwartet, dass die demografischen Folgen bald deutlich sichtbar werden: "Wir werden bei den Babyboomern eine schlimme Altersarmut und Pflegebedürftigkeit beobachten." Das werde voraussichtlich zu einem gesellschaftlichen Umdenken führen. "Der liebe Gott wird unser demografisches Problem nicht lösen", mahnt Sinn. "Das müssen wir schon selbst tun."

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