IGBCE, Friedrich Merz

IGBCE-Chef Vassiliadis rügt Kanzler Merz für sein Menschenbild

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 09:18 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

IGBCE-Chef Michael Vassiliadis stellt Bundeskanzler Friedrich Merz ein hartes Urteil aus und fordert ein anderes Menschenbild in der Sozialpolitik. Zugleich warnt er vor politischer Verzweiflung unter Facharbeitern und weist auch der SPD Verantwortung für AfD-Erfolge zu.

IGBCE-Chef: Merz muss sein Menschenbild korrigieren
Michael Vassiliadis (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

IGBCE-Chef Michael Vassiliadis hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dessen Bundesregierung scharf kritisiert und ein anderes Menschenbild eingefordert. Vor den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sagte der Gewerkschafter dem „Manager Magazin“, Merz müsse sein Menschenbild korrigieren.

Vassiliadis fordert Fokus auf Fähigkeiten statt Misstrauen

Wenn Kanzler und Regierung an ihrer Kommunikation arbeiten wollten, dürfe nicht langer der Verdacht von Missbrauch, Betrug und Faulheit im Zentrum stehen, so Vassiliadis. Stattdessen müssten die Fähigkeiten, Potenziale, die Leistung und die Mühen der Menschen und ihres Alltags in den Vordergrund rücken.

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie vertritt vor allem Beschäftigte in energie- und rohstoffintensiven Branchen, die derzeit von Transformation und Strukturwandel besonders betroffen sind. Vassiliadis knüpft seine Kritik unmittelbar an diese Lebensrealität vieler Facharbeiter.

Gewerkschafter sieht Facharbeiter politisch verzweifelt

In dem Interview spricht der IGBCE-Chef auch über die Verantwortung der Parteien für den Aufstieg der AfD. Auch die SPD trage für deren Erfolge eine Mitverantwortung, sagte Vassiliadis.

„Unsere Facharbeiter waren für rechte Parteien lange nicht erreichbar“, so der Gewerkschafter. Das habe sich inzwischen geändert. Die Menschen seien jedoch nach seiner Darstellung nicht rechtsextrem, sondern politisch verzweifelt.

Vor den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern

Vassiliadis äußerte sich ausdrücklich mit Blick auf die anstehenden Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Die Entwicklung unter Facharbeitern und ihre Hinwendung zu rechten Parteien sieht der Gewerkschafter als Warnsignal für die demokratischen Parteien.

Seine Kritik an Merz verbindet er mit der Forderung, den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch respektvolle Kommunikation und Anerkennung von Leistung zu stärken.

Die Kritik von IGBCE-Chef Michael Vassiliadis an Bundeskanzler Friedrich Merz zielt auf den Kern der aktuellen sozialpolitischen Debatte in Deutschland. Wenn der Gewerkschafter dem Kanzler ein zu stark auf Missbrauch und Betrug fixiertes Menschenbild vorhält, berührt das die Frage, wie Regierungspolitik über Arbeit, soziale Sicherung und Bürgerrechte spricht – und welche Stimmung sie damit in der Gesellschaft erzeugt.

Sozialpolitik, Sprache und politische Lager

In der Auseinandersetzung um Sozialleistungen, Bürgergeld und arbeitsmarktpolitische Reformen spielt die Sprache eine zentrale Rolle. Wird vor allem über Kontrollverlust, „Faulheit“ oder Missbrauch geredet, fühlen sich viele Beschäftigte und Arbeitsuchende pauschal verdächtigt. Gewerkschaften warnen seit Längerem, dass ein solcher Diskurs die Bereitschaft beschädigen kann, politische Mehrheiten für sozialstaatliche Reformen zu organisieren und Vertrauen in demokratische Institutionen schwächt.

Vassiliadis schließt in seiner Kritik ausdrücklich auch die SPD ein, wenn er von der Verantwortung für AfD-Erfolge spricht. Das verweist auf eine breitere Krise der Volksparteien, die lange als natürliche politische Heimat von Facharbeitern galten. Aus Sicht von Gewerkschaften gilt: Wer sich nicht mehr ernst genommen fühlt, ist eher bereit, Protestparteien zu wählen, selbst wenn er ihre radikalsten Positionen nicht teilt.

Bedeutung für Facharbeiter und Demokratie

Gerade Facharbeiter in Industriebranchen erleben tiefgreifende Veränderungen: Dekarbonisierung, Digitalisierung und Verlagerung von Produktion stellen berufliche Biografien infrage. Wenn Betroffene zugleich das Gefühl haben, politische Akteure redeten über sie als potenzielle Problemfälle statt als Träger von Fähigkeiten und Leistung, erhöht das die Gefahr politischer Entfremdung.

Die Aussagen des IGBCE-Chefs machen deutlich, dass es im Vorfeld der Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern nicht nur um einzelne politische Maßnahmen geht, sondern um die Grundfrage, mit welchem Bild vom Menschen Regierungspolitik betrieben wird. Für Leser bedeutet das: Die Auseinandersetzung über Begriffe wie Leistung, Respekt und soziale Sicherheit ist unmittelbar mit der Stabilität der demokratischen Kultur verbunden.

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