Grüne in Sachsen-Anhalt unterstützen Idee eines unabhängigen Ministerpräsidenten
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 14:54 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Grünen in Sachsen-Anhalt zeigen sich offen für den vom Bündnis Sahra Wagenknecht vorgeschlagenen Weg, einen überparteilichen Kandidaten zum Ministerpräsidenten zu wählen. Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz betonte, ein unabhängiger Regierungschef dürfe an ihrer Partei nicht scheitern.
Grüne prüfen ungewöhnliches Modell der Regierungsbildung
Sziborra-Seidlitz verwies darauf, dass in der aktuellen Situation die Idee eines Ministerpräsidenten ohne Parteibindung und ohne feste Koalition diskutiert werde. Ein solcher Ansatz sei zwar sehr ungewöhnlich, die Grünen seien jedoch gesprächsbereit, wenn er dazu beitrage, eine handlungsfähige Regierung zu ermöglichen.
Als Alternativen nannte sie eine AfD-geführte Landesregierung oder eine Pattsituation im Landtag, in der kein neuer Regierungschef gewählt wird. Ein unabhängiger Kandidat könne aus ihrer Sicht der „letzte Strohhalm" sein, um sowohl eine von ihr als faschistisch bezeichnete Regierung als auch eine politische Blockade zu verhindern.
Abgrenzung von AfD und Ablehnung einer Blockade
Die Grünen betonen, für die Verhinderung einer AfD-geführten Regierung gewählt worden zu sein. Zugleich warnte Sziborra-Seidlitz davor, dass ein anhaltender Stillstand ohne Wahl eines Ministerpräsidenten dem Land ebenfalls schade.
Vor diesem Hintergrund signalisiert die Partei Bereitschaft, ein überparteiliches Modell der Regierungsführung zu unterstützen, wenn sich im Landtag dafür ausreichend Stimmen finden.
CDU und BSW sollen Personalvorschläge liefern
Einen eigenen Namen für die mögliche Spitzenposition will die Partei nach den Worten der Spitzenkandidatin derzeit nicht ins Spiel bringen. Die Frage der konkreten Person liege nicht bei den Grünen.
Sziborra-Seidlitz sieht vielmehr CDU und BSW in der Verantwortung, einen Vorschlag für einen unabhängigen Ministerpräsidenten zu unterbreiten. Sie betonte, dass es ausschließlich um Verabredungen zur Person des Regierungschefs gehe und die Grünen keine Koalitionsgespräche mit anderen Parteien führen wollen.
Distanz zu möglicher Zusammenarbeit mit dem BSW
Zugleich äußerte die Spitzenkandidatin Vorbehalte gegenüber dem Bündnis Sahra Wagenknecht. An dieser Stelle halte sie das BSW „nicht für verlässlich genug" und machte deutlich, dass über die Unterstützung eines unabhängigen Kandidaten hinaus keine weitergehende Bindung angestrebt werde.
Die Grünen verbinden ihre Gesprächsbereitschaft damit klar mit der Zielsetzung, eine AfD-geführte Regierung zu verhindern, ohne sich auf ein breiteres Bündnis mit anderen Parteien festzulegen.
Die Öffnung der Grünen in Sachsen-Anhalt für einen unabhängigen Ministerpräsidenten spiegelt die besondere Lage nach der Landtagswahl wider. Mehrere Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD aus, zugleich gelten klassische Koalitionsmodelle angesichts der Kräfteverhältnisse als schwer durchsetzbar. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Idee eines parteilosen Regierungschefs als Notlösung an Bedeutung.
Hintergrund der Debatte
Der Vorschlag geht auf das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zurück, das die Einsetzung eines überparteilichen Kandidaten ins Spiel gebracht hat. Die Grünen knüpfen ihre Zustimmung klar an das Ziel, eine von ihnen als „faschistisch" bezeichnete AfD-Regierung ebenso zu verhindern wie eine Blockade, in der kein Ministerpräsident gewählt wird. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob sich CDU, BSW und weitere Parteien auf eine Person verständigen können, ohne eine klassische Koalition zu bilden.
Politische Bedeutung und Konfliktlinien
Bemerkenswert ist, dass die Grünen selbst keinen Personalvorschlag vorlegen wollen und den Ball ausdrücklich bei CDU und BSW sehen. Zugleich äußert Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz deutliche Zweifel an der Verlässlichkeit des BSW. Die Partei markiert damit eine rote Linie: Sie ist bereit, einen unabhängigen Kandidaten mitzutragen, will aber weder Koalitionsverhandlungen führen noch eine weitergehende Zusammenarbeit zusagen. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass in Sachsen-Anhalt eine Regierungsbildung denkbar ist, die sich auf eine minimale gemeinsame Basis stützt – die Verhinderung einer AfD-Regierung und die Sicherung der Regierungsfähigkeit –, während klassische Bündnisse vorerst offenbleiben.
Ausblick
Ob die Idee eines unabhängigen Ministerpräsidenten tatsächlich umgesetzt wird, hängt von der Bereitschaft anderer Parteien ab, über übliche Parteigrenzen hinweg zu agieren. Zugleich bleibt offen, ob eine solche Konstruktion auf Dauer stabil wäre, da sie auf Unterstützung im Landtag angewiesen ist, ohne auf einem Koalitionsvertrag zu beruhen.
