Grüne fordern Entsiegelungsoffensive nach niederländischem Vorbild
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 06:29 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Bundestagsfraktion der Grünen will bei ihrer Fraktionsklausur an diesem Freitag einen Beschluss zur Klimaanpassung fassen, der eine „Entsiegelungsoffensive“ vorsieht. Dafür verweisen die Grünen auf das niederländische Modell des „Tegelwippens“.
Vorbild aus den Niederlanden
Nach dem Antrag, über den die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland berichten, funktioniert das Konzept über einen Wettbewerb zwischen Städten und Gemeinden. Bürger entfernen dabei Pflastersteine und andere versiegelte Flächen aus Gärten, Höfen oder an Gebäuden und ersetzen sie durch Grün.
Die entfernten Steine werden online gemeldet und der jeweiligen Kommune gutgeschrieben. Um unterschiedlich große Kommunen vergleichbar zu machen, wird unter anderem die Zahl der entfernten Steine pro 1.000 Einwohner betrachtet.
Grünes Ziel für Deutschland
Inzwischen seien in den Niederlanden mehr als 22,6 Millionen Pflastersteine entfernt worden. Nach niederländischem Vorbild sei in Deutschland außerdem der Wettbewerb „Abpflastern“ entwickelt worden, bei dem Bürger, Kommunen und Organisationen entsiegelte Flächen melden können.
Die Grünen verbinden damit Klimaanpassung mit einer klaren praktischen Maßnahme: Weniger versiegelte Flächen sollen Regenwasser besser versickern lassen, Städte kühler halten und mehr Raum für Pflanzen schaffen.
Druck auf die Bundesregierung
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Julia Verlinden sagte dem RND, Deutschland brauche angesichts der eskalierenden Klimakrise und brütend heißer Städte eine Offensive zum Entsiegeln. Sie verwies darauf, dass die Nachbarn in den Niederlanden das mit „Tegelwippen“ bereits vorgemacht hätten.
Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge sprach mit Blick auf die Klimapolitik von einer Zäsur und forderte von Friedrich Merz und Lars Klingbeil Kurskorrekturen. Der Antrag zielt damit nicht nur auf kommunale Projekte, sondern auch auf eine stärkere Unterstützung durch Bund und Gesetzgeber.
Die Grünen greifen mit ihrem Antrag ein Thema auf, das in der Klimaanpassung an Bedeutung gewinnt: weniger versiegelte Flächen sollen Städte gegen Starkregen, Hitze und Trockenheit widerstandsfähiger machen.
Der Bezug auf das niederländische „Tegelwippen“ zeigt, dass es dabei nicht nur um städtebauliche Symbolik geht, sondern um einen niedrigschwelligen Anreizmechanismus. Das Modell setzt auf Wettbewerb, lokale Beteiligung und sichtbare Ergebnisse im Alltag. Für Deutschland ist das deshalb relevant, weil kommunale Klimaanpassung oft an Geld, Personal und Zuständigkeiten scheitert.
Bedeutung für Städte und Kommunen
Entsiegelung ist in dicht bebauten Räumen ein direkter Hebel: Wasser kann besser versickern, Hitzeinseln werden abgeschwächt und Grünflächen lassen sich leichter ausweiten. Der politische Impuls der Grünen zielt damit auf einen Bereich, in dem Klimaschutz und praktische Vorsorge zusammenlaufen. Dass die Fraktion die Bundesregierung zugleich zu Förderung und rechtlichem Rahmen auffordert, verweist auf ein zentrales Problem: Freiwilligkeit reicht für eine flächige Umsetzung meist nicht aus.
Politischer Kontext
Die Verbindung mit der jüngsten Hitzeentwicklung macht den Antrag anschlussfähig an die Debatte über Klimafolgenanpassung. Für die Bundesregierung erhöht das den Druck, Maßnahmen nicht nur als kommunale Einzelprojekte zu behandeln, sondern als Teil einer breiteren Strategie gegen Extremwetterfolgen.
