Friedrich Merz räumt in Union Mitschuld an Wahlschlappen ein
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 16:58 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat in der Unionsfraktion eine Mitschuld an den schlechten Ergebnissen der Union bei den vergangenen Landtagswahlen eingeräumt. „Ich habe meinen Anteil an diesen Wahlergebnissen“, sagte Merz nach Angaben mehrerer Teilnehmer in der Sitzung am Dienstag.
Merz verteidigt Reformkurs
Der CDU-Vorsitzende verteidigte zugleich den Kurs der Bundesregierung. Dieser müsse „weitergehen“, sagte Merz demnach und fügte hinzu: „Die Richtung stimmt.“
Weitere Belastungen für die junge Generation dürfe es nicht geben, erklärte der Kanzler laut Teilnehmern. Die Vorschläge der Rentenkommission müssten nun umgesetzt werden.
Warnung an die SPD
In der Sitzung sprach Merz demnach auch eine Warnung an die SPD aus. Sie müsse „jeden Zweifel“ ausräumen, mit der Linken in Berlin zusammenzuarbeiten, soll der Kanzler gesagt haben.
Die Äußerungen fielen nach den jüngsten Landtagswahlen, bei denen die Union in mehreren Ländern deutliche Verluste verzeichnete. Damit verbindet sich die innerparteiliche Debatte über die Verantwortung des Kanzlers mit der Frage, ob die Bundesregierung ihren Reformkurs trotz des Wahldrucks fortsetzen kann.
Die Union steht nach den jüngsten Landtagswahlen unter erheblichem politischen Druck. In Mecklenburg-Vorpommern verfehlte die CDU erstmals bei einer Landtagswahl die Fünf-Prozent-Hürde; in Berlin lag sie mit 18,8 Prozent deutlich hinter der Linken, die 25,7 Prozent erreichte. Damit verbinden sich bundespolitische Fragen mit regionalen Ursachen und unterschiedlichen Kräfteverhältnissen.
Für Friedrich Merz ist die Lage besonders relevant, weil die CDU als Kanzlerpartei an Zustimmung verliert, während die Bundesregierung ihren Reformkurs fortsetzen will. Die Wahlergebnisse erhöhen den innerparteilichen Druck, politische Erfolge bei Renten, Haushalt und anderen Reformvorhaben sichtbarer zu machen. Zugleich muss die Union klären, wie sie sich gegenüber der AfD und der Linkspartei positioniert, ohne ihr eigenes Wählerprofil weiter zu schwächen.
Koalitionsfragen erhöhen den Druck
In Berlin wird die Regierungsbildung zusätzlich dadurch erschwert, dass die Linke stärkste Kraft wurde und Gespräche mit SPD und Grünen anstrebt. Merz’ Warnung an die SPD zielt deshalb auf die bundespolitische Zusammenarbeit innerhalb der Koalition und auf die Abgrenzung zu einer möglichen Landeskooperation. Für die Bundespolitik bleibt entscheidend, ob die Wahlniederlagen zu personellen Auseinandersetzungen führen oder ob die Fraktion den Reformkurs trotz der Verluste geschlossen unterstützt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Merz in der Unionsfraktion: Ein weiterer ungemütlicher Arbeitstag“ (22.09.2026)
Der Beitrag beschreibt die Beratung der Unionsfraktion nach den Wahlniederlagen und Merz’ Absicht, Kanzler, CDU-Chef und Reformpolitiker zu bleiben. Anders als die vorliegende Meldung konzentriert sich der Artikel auf die innerfraktionäre Belastungsprobe und die Frage, ob „Weitermachen“ ohne ein „Weiter so“ möglich ist.
Deutschlandfunk: „Kanzler will trotz Wahl-„Desaster“ Kanzler bleiben: Auch von seinen „Reformen“ rückt Merz nicht ab“ (21.09.2026)
Der Deutschlandfunk ordnet die Verluste der CDU in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern als schwere Niederlage der Kanzlerpartei ein und hebt Merz’ Festhalten am Reformkurs hervor. Der Schwerpunkt liegt damit auf der bundespolitischen Konsequenz, während die dts-Meldung zusätzlich die Mitschuld des Kanzlers und seine Warnung an die SPD herausstellt.
Übereinstimmend steht der Reformkurs trotz der Wahlergebnisse im Zentrum. Offen bleibt, wie geschlossen die Unionsfraktion bleibt und welche Folgen der Streit über mögliche Kooperationen der SPD mit der Linken für die Bundesregierung hat.
