Forsa: SPD verringert in Mecklenburg-Vorpommern Abstand zur AfD
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSIn Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich gut zweieinhalb Wochen vor der Landtagswahl am 20. September eine schwierige Regierungsbildung ab. Die AfD bleibt laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Ostsee-Zeitung stärkste Kraft, wäre aber ebenso wie die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig auf Koalitionspartner angewiesen.
Für die Prognose befragte Forsa 1.047 wahlberechtigte Bürger des Landes. Die Erhebung fand vom 21. bis 27. August 2026 statt und zeigt einen deutlichen Zuwachs für die Sozialdemokraten.
AfD bleibt vorn, SPD legt zu
Demnach käme die AfD um Spitzenkandidat Leif-Erik Holm unverändert auf 37 Prozent, wenn schon am kommenden Sonntag gewählt würde. Die SPD um Manuela Schwesig kann im Vergleich zur Umfrage im Februar fünf Prozentpunkte zulegen und käme nunmehr auf 28 Prozent.
Drittstärkste Kraft im neuen Schweriner Landtag würde die Linkspartei um Spitzenkandidatin Simone Oldenburg mit elf Prozent werden. Die CDU mit Spitzenkandidat Daniel Peters verliert drei Prozentpunkte und käme auf zehn Prozent.
Weitere Parteien und mögliche Mehrheiten
Den Grünen um Claudia Müller würde mit fünf Prozent erneut der Einzug in den Landtag gelingen. Das BSW scheitert mit vier Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Die FDP wird von Forsa unter Sonstige Parteien zusammengefasst.
Der Politikwissenschaftler Jan Müller von der Universität Rostock erwartet eine schwierige Regierungsbildung. Rechnerisch könnte es für ein Bündnis aus AfD und CDU reichen, das die CDU bisher jedoch ausgeschlossen hat. Auch eine Amsterdam-Koalition aus SPD, Linken und CDU hätte eine Mehrheit. Doch auch für die Linke gilt bei der CDU ein Unvereinbarkeitsbeschluss.
Müller hält daher eine Minderheitsregierung in Schwerin für denkbar. In Sachsen regiert seit 2024 eine Regierung ohne parlamentarische Mehrheit, dafür seien klare Absprachen unter den Beteiligten nötig.
Die Umfrage zeigt eine politische Lage, in der sich die Mehrheitsbildung in Mecklenburg-Vorpommern weiter verengt. Die AfD bleibt zwar vorn, doch der Abstand zur SPD schrumpft deutlich, während die übrigen Parteien um eine tragfähige Koalitionsoption ringen. Für die SPD ist der Zuwachs politisch wichtig, weil er die Rolle von Manuela Schwesigs Partei als zentrale Regierungsalternative stärkt. Zugleich bleibt die Ausgangslage schwierig: Eine einfache Mehrheit ist für keine der führenden Kräfte in Sicht, und potenzielle Bündnisse werden durch politische Ausschlüsse und widersprüchliche Mehrheiten belastet.Koalitionsarithmetik
Die Zahlen unterstreichen, dass Landespolitik in Schwerin nicht nur von Prozentwerten, sondern von Koalitionsgrenzen geprägt wird. Wenn die CDU an ihren bisherigen Abgrenzungen festhält, bleiben rechnerisch zwar verschiedene Mehrheiten denkbar, politisch aber nur wenige realistische Optionen. Eine Minderheitsregierung würde deshalb zu einem ernsthaften Szenario, falls sich keine belastbare Koalition bildet.Politische Bedeutung
Für die Landtagswahl am 20. September ist das Signal klar: Der Wahlkampf bleibt offen, und die Regierungsbildung könnte deutlich komplizierter werden als in klassischen Zwei- oder Dreierkonstellationen. Für Wählerinnen und Wähler erhöht das die Bedeutung strategischer Überlegungen, weil selbst starke Zugewinne nicht automatisch zu stabilen Mehrheiten führen.
