Schwesig verlangt Vorab-Gespräche zur Rentenreform
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 17:20 Uhr | dts-nachrichtenagentur.deGroße Reformen könne man nur gemeinsam machen. Es sei die Aufgabe der Länder, die Menschen und ihre Alltagssituation zu vertreten und darauf zu achten, dass gerade diejenigen, die sehr fleißig seien und das System mit am Laufen hielten, nicht schlechter dabei wegkämen. Es betreffe vor allem auch eine Generation, die gerade in Ostdeutschland viel hart aufgebaut habe, auch nach der Wende.
Bei allen Verweisen auf die mutmaßlich besondere Situation im Osten sieht Schwesig kein Aufflammen des "Ost-gegen-West"-Konflikts. Es stimme nicht, "dass es jetzt Ost gegen West geht". Es sei nur so, "dass bei dem Rententhema Ostdeutschland sensibler ist".
Auch SPD-Vize Anke Rehlinger aus dem Saarland unterstütze im Übrigen ihre Position, so Schwesig - und auch sie selbst habe in der Bundes-SPD "viel Unterstützung" bekommen. "Deshalb glaube ich, diese Debatte, die ist jetzt nicht nur Ost-West, SPD-CDU, sondern es muss um die Sache gehen. Es muss um die Menschen gehen."
Im Osten gebe es eine besondere Sensibilität, weil dort 75 Prozent der Menschen nur die gesetzliche Rente hätten. Sie hätten nichts anderes, um eventuelle Kürzungen auszugleichen. "Deshalb sieht man ja auch, dass parteiübergreifend sowohl die Kollegen der CDU als auch wir, Dietmar Woidke und ich der SPD, aber auch zum Beispiel Anke Rehlinger aus dem Saarland, diese Kritik äußern."
Dass mit dem Festhalten an der Rente mit 63 die gesamte Finanzierung der Rentenreform in Frage steht, glaubt Schwesig nicht. "Das halte ich für total übertrieben, und das ist auch kein sachliches Argument."
Sie setze vielmehr auf den Leistungsanreiz: Wer früh anfange zu arbeiten, einzuzahlen und lange arbeite und einzahle, solle nicht benachteiligt werden. Es sei nicht in Ordnung, wenn "jetzt mit der Keule gedroht wird nach dem Motto: wenn man einen Punkt kritisiert, dann fällt gleich alles zusammen".
Eine Härtefallregelung, etwa für jahrelange Schichtarbeiter in der Stahl- und Metallindustrie, würde Schwesig nicht als Kompromisslösung akzeptieren. "Das reicht mir nicht aus. Ich bin ganz klar dafür, dass wir für Versicherte, die viele Jahre gearbeitet haben, mindestens diese 45 Jahre eine Lösung finden." Sie plädiere dafür, in der Rente viel stärker darauf zu achten, wie lange jemand gearbeitet und eingezahlt habe und nicht nur nach der Lebenserwartung zu gehen.
