Spritpreise: Koalition ringt weiter um Entlastung
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 11:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Bundesregierung ringt weiter um Maßnahmen gegen die hohen Spritpreise.
Keine Einigung in der Koalition
Auch eine hochrangig besetzte Runde am Donnerstagabend brachte keine endgültige Einigung. Vor allem die CDU steht vor den anstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin unter Druck, rasch Ergebnisse zu liefern.
Klingbeil drängt auf schnelle Entlastung
Finanzminister Lars Klingbeil sagte in Dublin, man suche nach Lösungen. Er wolle ein klares, schnelles Signal an den Zapfsäulen und sei zuversichtlich, dass dies zügig gelinge.
Unterschiedliche Wege in der Koalition
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte am Dienstag schnelle Entlastungen in Aussicht gestellt, ohne konkrete Maßnahmen zu benennen. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann nannte später erstmals eine Spanne von 21 bis 25 Cent pro Liter und stellte eine Umsetzung zu Beginn Oktober in Aussicht.
Preisdeckel, Steuer und Mehrwertsteuer
Klingbeil wirbt seit Monaten für einen Preisdeckel an der Zapfsäule und zusätzlich für eine europäische Übergewinnsteuer auf besonders hohe Gewinne der Mineralölkonzerne. In der Union werden diese Vorschläge kritisch gesehen; Wirtschaftsministerin Katherina Reiche brachte zunächst Direktzahlungen für Menschen mit wenig Einkommen und danach eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel ins Spiel.
Offene Fragen für Bund, Länder und EU
Eine Mehrwertsteuersenkung würde zwar den Preis rechnerisch senken, aber auch die Einnahmen von Bund und Ländern mindern. Zudem setzen EU-Vorgaben derartigen Steuersätzen enge Grenzen. Damit bleibt offen, welcher Weg politisch durchsetzbar und technisch umsetzbar ist.
Politischer Druck vor den Landtagswahlen
Die Diskussion um niedrigere Spritpreise trifft die Bundesregierung in einer politisch heiklen Phase. Vor allem für die CDU erhöht der Wahlkalender den Handlungsdruck, weil spürbare Entlastungen rasch sichtbar werden sollen und das Thema an Tankstellen unmittelbar bei vielen Menschen ankommt.
Inhaltlich stehen sich zwei grundverschiedene Wege gegenüber: ein marktnaher Eingriff über Preisdeckel oder Übergewinnsteuer auf der einen Seite und eine steuerliche Entlastung auf der anderen. Beide Ansätze hätten unterschiedliche Wirkungen auf Haushalte, Unternehmen und öffentliche Finanzen. Während ein Preisdeckel direkt an der Zapfsäule ansetzt, würde eine Steuersenkung breiter wirken, aber Bund und Länder Einnahmen kosten.
Grenzen durch EU-Recht und Haushaltsfolgen
Gerade die Debatte über die Mehrwertsteuer zeigt, dass vermeintlich einfache Lösungen schnell an rechtliche und finanzielle Grenzen stoßen. Die Bundesregierung muss nicht nur eine politische Einigung finden, sondern auch die Zustimmung relevanter Ebenen und die Vorgaben des EU-Rechts berücksichtigen.
Für Verbraucher ist deshalb vor allem entscheidend, ob die Koalition aus der Grundsatzdebatte eine praktikable Maßnahme macht, die kurzfristig spürbar ist. Für die Regierung steht zugleich die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, weil Ankündigungen ohne Umsetzung an den Zapfsäulen rasch an Wirkung verlieren.
