Deutschland, USA

Pharma-Branche wegen Trumps Zollankündigung alarmiert

26.09.2025 - 14:35:09 | dpa.de

Die Ankündigung enormer US-Zölle auf Medikamente schreckt die deutsche Pharmaindustrie auf. Aus Brüssel kommen vorerst gelassene Reaktionen.

Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump von Zöllen in Höhe von 100 Prozent auf Arzneimittel schreckt die Branche auf. (Symbolfoto) - Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump von Zöllen in Höhe von 100 Prozent auf Arzneimittel schreckt die Branche auf. (Symbolfoto) - Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Nach der Ankündigung enormer US-Zölle von 100 Prozent auf Arzneien zeigt sich die Branche in Deutschland alarmiert. Die Ankündigung stehe im Widerspruch zu den bisherigen Handelsabsprachen zwischen den USA und der EU, die eine Zollobergrenze von 15 Prozent vorsähen, erklärt etwa der Verband forschender Pharmaunternehmen (VFA). Auf diese Absprachen und eine Erklärung verweist auch die EU-Kommission – und macht deutlich, dass sie die Branche vor den 100-Prozent-Zöllen geschützt sieht.

Zölle von 100 Prozent - es sei denn, es wird gebaut

Trump hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass die USA ab dem 1. Oktober einen Zollsatz von 100 Prozent auf alle markenrechtlich geschützten oder patentierten Pharmazeutika erheben werden – es sei denn, ein Unternehmen baut seine Pharmaproduktionsstätte in den USA. «Baut» werde dabei definiert als «Baubeginn» und/oder «im Bau befindlich», ergänzte er. Nach dem Beginn von Bauarbeiten werde für diese Pharmazeutika kein Zoll mehr anfallen.

Kommission beruft sich auf Erklärung

Die EU-Kommission geht davon aus, dass Pharmaexporte aus Deutschland und anderen EU-Staaten von den angekündigten Zöllen in Höhe von 100 Prozent ausgenommen werden. In der im August veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der EU und der USA zu Handelsfragen sei klar festgehalten, dass auch für den Bereich der Pharmazeutika eine Zollobergrenze von 15 Prozent für EU-Exporte gelte, erklärte ein Sprecher in Brüssel. Diese stelle eine Absicherung dar, dass für europäische Wirtschaftsakteure keine höheren Zölle entstünden. 

Die Branche in Deutschland zeigte sich dennoch tief besorgt. Noch vor der Stellungnahme aus Brüssel hatten mehrere Verbände auf Trumps Ankündigungen reagiert. Der VFA erklärte: «Sollten die Pläne wie angekündigt ab dem 1. Oktober umgesetzt werden, wäre dies ein harter Rückschlag für den Pharmastandort Deutschland und Europa.» Der Verband Pharma Deutschland, der nach eigenen Angaben die Interessen von rund 400 Mitgliedsunternehmen mit rund 80.000 Mitarbeitenden in Deutschland vertritt, sprach von einem «massiven Angriff auf den internationalen Handel und die Versorgungssicherheit in Europa». Die USA schotteten sich ab und zwängen «die Wirtschaft zurück ins eigene Land», erklärte Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland. 

«Neuer Tiefpunkt» in Handelsbeziehungen

Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie, sprach von einem «neuen Tiefpunkt» für die Handelsbeziehungen mit den USA. «Wenn der 15-Prozent-Deal nicht auch für Pharmaprodukte gilt, ist er nichts wert. Die EU-Kommission muss jetzt mit breitem Kreuz darauf drängen, dass beide Seiten zu den getroffenen Vereinbarungen stehen. Sonst kann dieser Deal nur Geschichte sein.»

Schweizer Pharma-Branche enttäuscht

Von der Schweizer Pharmabranche kamen nach der US-Zollankündigung von 100 Prozent auf Medikamentenimporte in die USA enttäuschte Reaktionen. Man habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den «Paradigmenwechsel», auf Pharmaprodukte Zölle zu erheben, zu verhindern, sagte René Buholzer, der Geschäftsführer von Interpharma, dem Verband der 23 forschenden Pharmaunternehmen, im Schweizer Radio SRF. 

Der zweitgrößte Schweizer Pharmakonzern, Novartis, gab sich derweil zuversichtlich, dass er gar nicht betroffen sein wird. Trumps Ankündigung gilt nur für Produkte von Firmen, die nicht in den USA produzieren. Sowohl Novartis als auch der Schweizer Branchenprimus Roche hatten bereits im Frühjahr große Investitionen in den USA über die nächsten fünf Jahre angekündigt.

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