Berlin-Wahl, Antisemitismus

Volker Beck drängt SPD und Grüne in Berlin zur Absage an Linke-Koalition

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 05:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, verlangt von SPD und Grünen in Berlin eine klare Absage an ein mögliches rot-grün-rotes Bündnis mit der Linken. Anlass sind aus seiner Sicht antisemitische Tendenzen im Umfeld der Berliner Linkspartei.

Beck fordert Absage an rot-grün-rotes Bündnis in Berlin
Wahlplakate mit Steffen Krach, SPD, und Elif Eralp, Linke (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und ehemaliger Grünen-Bundestagsabgeordneter, fordert von den Berliner Landesverbänden von SPD und Grünen eine öffentliche Absage an ein mögliches rot-grün-rotes Bündnis mit der Linkspartei. In einem Schreiben an die Spitzenkandidaten Steffen Krach (SPD) und Werner Graf (Grüne) verlangt Beck eine verbindliche Erklärung, dass es nach der Abgeordnetenhauswahl keine Koalition mit der Partei Die Linke Berlin geben wird.

Becks Vorwürfe gegen die Berliner Linke

Zur Begründung wirft Beck der Berliner Linken vor, Antisemitismus in ihren Reihen zu dulden und im Wahlkampf gezielt Stimmen aus antisemitischen Milieus zu sammeln. Als Beispiel nennt er den Auftritt des Rappers Dahabflex bei einem Wahlkampfauftritt in Neukölln, bei dem Parolen wie "Yalla Yalla Intifada" und "Death to the IDF" (Tod der israelischen Armee) skandiert worden sein sollen. Der Kreisverband Neukölln der Linken habe sich nach Becks Darstellung mit dem Künstler solidarisiert, anstatt sich von den Äußerungen zu distanzieren.

Warnung vor politischer Verantwortung

Beck warnt in seinem Brief davor, dass in der deutschen Hauptstadt erneut eine Partei mitregieren könnte, in deren Anhänger- und Mitgliederschaft der Judenmord wieder gefeiert werde. Dann habe man aus der Geschichte nichts gelernt, heißt es in dem Schreiben. Er betont zugleich, die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp sei persönlich über jeden Zweifel erhaben und wolle niemandem schaden, sehe aber in ihrer Partei nicht in ausreichendem Maß die Fähigkeit, Antisemiten sowie militante und terrorismusaffine Antizionisten konsequent zu stoppen.

Forderung nach Brandmauer gegen Antisemitismus

Aus Becks Sicht braucht es eine klare Brandmauer gegen Antisemiten von rechts wie von links. Er lehnt Sondierungs- und Koalitionsbedingungen mit der Berliner Linken grundsätzlich ab und bezeichnet die Partei als "antisemitismusoffenes Projekt", das durch Nichtklärung der Vorfälle alles erklärt habe. Die Berliner Bevölkerung habe seiner Ansicht nach einen Anspruch darauf, schon vor der Wahl zu erfahren, ob SPD und Grüne für eine Zusammenarbeit mit der Linken offen seien oder nicht.

Unterstützung durch Kerstin Müller

Unterstützt wird Becks Brief von Kerstin Müller, früherer Grünen-Bundestagsabgeordneter und Staatsministerin a.D. im Auswärtigen Amt. Müller fordert von SPD und Grünen, unmissverständlich deutlich zu machen, dass sie mit keiner Partei kooperieren werden, die keine klare Kante gegen Antisemiten und Israelhass zeigt. Sie sieht bei der Linken einen Widerspruch zwischen Distanzierungen in der Parteispitze und einem Wahlkampf an der Basis, der nach ihrer Einschätzung auch im Milieu von Antisemiten um Stimmen wirbt.

Koalitionsoptionen nach der Wahl

Nach den aktuellen Wahlumfragen erscheint es am wahrscheinlichsten, dass SPD und Grüne nach der Wahl vor der Entscheidung stehen, entweder mit der CDU oder mit der Linken ein Regierungsbündnis einzugehen. Becks Vorstoß erhöht damit den Druck auf beide Parteien, sich vorab auf eine Linie festzulegen, die ihre Haltung zu Antisemitismus und zu möglichen Koalitionen für die Wähler klar erkennbar macht.

Die Intervention von Volker Beck fällt in eine Phase, in der Antisemitismus-Debatten die Berliner Politik besonders prägen. Seit den Terrorangriffen der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der anschließenden Eskalation im Nahen Osten stehen vor allem Kundgebungen, Kulturveranstaltungen und Wahlkämpfe in Stadtteilen wie Neukölln unter genauer Beobachtung. In diesem Umfeld gewinnen Aussagen von Wahlkämpfern und Unterstützern, wie im Fall des Rappers Dahabflex, eine erhöhte politische und gesellschaftliche Brisanz.

Koalitionsfrage und Antisemitismus-Debatte

Die von Beck geforderte Absage an eine rot-grün-rote Koalition zielt unmittelbar auf die strategische Lage von SPD und Grünen vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl. Angesichts der Umfragen, die ein mögliches Regierungsbündnis mit entweder CDU oder Linken nahelegen, adressiert der Brief eine zentrale Richtungsentscheidung: Soll die Koalitionsfrage vor allem nach sozial- und innenpolitischen Übereinstimmungen beantwortet werden oder rückt der Umgang mit Antisemitismus zum entscheidenden Kriterium für Bündnisse auf Landesebene auf.

Becks Argumentation folgt der Linie, Antisemitismus nicht als Randphänomen, sondern als koalitionsentscheidende Grundfrage zu behandeln. Die Kritik an der Berliner Linken bezieht sich dabei ausdrücklich auf konkrete Wahlkampfereignisse und das Verhältnis zwischen offiziellen Distanzierungen und praktischer Unterstützung von Akteuren, denen antizionistische oder antisemitische Positionen vorgeworfen werden.

Bedeutung für Parteien und Wähler

Für SPD und Grüne bedeutet der Vorstoß, dass sie sich vor der Wahl öffentlich zur Frage eines möglichen Bündnisses mit der Linken positionieren sollen. Beck und seine Mitunterstützerin Kerstin Müller machen deutlich, dass aus ihrer Sicht nur eine klare Abgrenzung Vertrauen schaffen könne – insbesondere bei jüdischen Gemeinden und bei Wählern, die sensibel auf jede Relativierung antisemitischer Vorfälle reagieren. Für die Berlinerinnen und Berliner wird die Koalitionsdebatte damit nicht nur zu einer Frage von Mehrheiten, sondern auch zu einem Test dafür, wie Parteien den Anspruch eines konsequenten Kampfes gegen Antisemitismus in konkrete Koalitionsentscheidungen übersetzen.

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