Deutschland, Gesundheit

Apotheken sollen mehr Leistungen anbieten können

16.09.2025 - 16:11:42 | dpa.de

Das Netz der Apotheken wird kleiner. Doch die Ministerin will ihre Rolle in der Versorgung stärken. Eine erhoffte Honorarerhöhung kommt nicht so schnell.

  • Apotheken sollen mehr Leistungen anbieten können. (Symbolbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa
    Apotheken sollen mehr Leistungen anbieten können. (Symbolbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Ministerin will Angebot der Apotheken ausweiten. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
    Ministerin will Angebot der Apotheken ausweiten. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
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Apotheken sollen Patientinnen und Patienten nach Plänen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken künftig mehr Leistungen wie Impfungen und Vorsorge anbieten können und so auch Arztpraxen entlasten. «Bei ihnen können die Bürger ohne Termin Gesundheitsinformationen erhalten, persönlich vor Ort und fachkundig», sagte die CDU-Politikerin beim Deutschen Apothekertag in Düsseldorf. Eine im Koalitionsvertrag von Union und SPD angekündigte höhere Apotheken-Vergütung kommt nicht mehr in diesem Jahr.

Warken sagte, das Potenzial der Apotheken solle gestärkt und noch besser für die Versorgung genutzt werden. Geplant ist dafür ein Paket mit Neuregelungen. So sollen Apotheken Früherkennungstests zu Herzkreislauferkrankungen anbieten können. Neben Impfungen gegen Grippe und Corona sollen künftig alle Schutzimpfungen mit «Totimpfstoffen» in Apotheken angeboten werden können - also zum Beispiel auch gegen Tetanus, Diphterie oder Keuchhusten.

Bestimmte Medikamente auch ohne ärztliches Rezept? 

Apothekerinnen und Apotheker sollen auch bestimmte verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne ärztliche Verordnung abgeben können, wie das Ministerium erläuterte - etwa an chronisch Kranke bei dringendem Bedarf und einer bekannten Langzeitanwendung. Auch bei unkomplizierten Erkrankungen wie einem einfachen Harnwegsinfekt sollen Apotheken eigenverantwortlich bestimmte verschreibungspflichtige Arzneimittel abgeben können.

Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband warnte vor einem «Dammbruch» und einer Gefahr für die Patientensicherheit und forderte einen Stopp der Pläne. «Wie soll denn eine Apothekerin oder ein Apotheker am Tresen feststellen, ob es sich um eine unkomplizierte Erkrankung handelt und nicht beispielsweise um eine Lungenentzündung?» Das sei ohne ärztliche Untersuchung nicht möglich. 

Kritik an vertagter Honorar-Anhebung

Eine von der Koalition angekündigte Anhebung der Apothekenvergütung wird nicht kurzfristig umgesetzt, wie Warken mitteilte. Sie betonte, sie stehe zu dieser Vereinbarung. Erstes Ziel sei aber, die Beiträge zum Jahreswechsel stabil zu halten. Daher könne man momentan keine weiteren Belastungen für die gesetzliche Krankenversicherung vornehmen. Sie werde es im neuen Jahr aber auf Wiedervorlage nehmen und prüfen, wann es umgesetzt werden kann. 

Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Thomas Preis, kritisierte die Vertagung. Es gehe um eine Soforthilfe, die nachholen solle, was über zwei Jahrzehnte verpasst worden sei. Steigende Kosten könnten von vielen Apotheken kaum noch gestemmt werden. Konkret geht es darum, einen Fix-Bestandteil der Vergütung von derzeit 8,35 Euro pro Packung einmalig auf 9,50 Euro anzuheben. Laut Warken macht dies rund 900 Millionen Euro aus. Einen näheren Termin, wann die Anhebung kommen könnte, nannte sie nicht.

Vertretung für Apothekenleitung

Die Reformpläne zielen auch auf mehr Flexibilität für Apotheken. So sollen sie - zunächst befristet - Präparate mit gleichem Wirkstoff abgeben können, wenn ein verordnetes Arzneimittel bei ihnen nicht vorrätig ist. Das soll auch Wartezeiten für Patienten vermeiden. Bisher vorgegebene Öffnungszeiten für Apotheken sollen freigegeben werden. So könnten vor allem Apotheken auf dem Land ihre Geschäftszeiten besser an den Bedarf vor Ort anpassen. 

Vorgesehen ist auch, dass pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten in den Apotheken mehr Verantwortung übernehmen können. Ihnen soll nach einer mindestens zweijährigen Weiterbildung ermöglicht werden, in begrenzten Zeiten auch die Apothekenleitung zu vertreten. Das bringe neue Entwicklungsmöglichkeiten für den Beruf, den fast nur Frauen ausübten, sagte Warken. Zudem gebe kleineren Apotheken in der Fläche mehr Flexibilität.

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