CDU, Friedrich Merz

CDU-Ministerpräsidenten stellen sich vor Landtagswahlen geschlossen hinter Kanzler Merz

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 12:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Vier Tage vor zwei heiklen Landtagswahlen stellen sich die acht CDU-Ministerpräsidenten mit einer gemeinsamen Erklärung demonstrativ hinter Bundeskanzler Friedrich Merz. Zugleich wächst der Druck, denn die Abstimmungen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin könnten seine politische Zukunft maßgeblich beeinflussen.

Entlastung für Merz nach wochenlangem Druck durch eine Erklärung der Ministerpräsidenten - Bild: Christoph Soeder/dpa
Entlastung für Merz nach wochenlangem Druck durch eine Erklärung der Ministerpräsidenten - Bild: Christoph Soeder/dpa

Vier Tage vor zwei wichtigen Landtagswahlen haben die acht CDU-Ministerpräsidenten Bundeskanzler Friedrich Merz in der Debatte über seine politische Zukunft demonstrativ den Rücken gestärkt.

Gemeinsame Erklärung für Stabilität und Geschlossenheit

In einer gemeinsamen Erklärung betonen die Regierungschefs der Länder, die Menschen könnten darauf vertrauen, dass ihre Probleme angegangen würden. Als Ministerpräsidenten wollten und würden sie gemeinsam mit dem Bundeskanzler ihren Beitrag dazu leisten. Der Weg zu neuem Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Christdemokratie führe demnach über Zuhören und politisches Handeln, nicht über Personaldiskussionen.

Das Wahldebakel der CDU in Sachsen-Anhalt hatte Merz innerparteilich massiv unter Druck gebracht, seit Tagen wird über seine Zukunft im Kanzleramt spekuliert. Die Ministerpräsidenten, die in der Partei als besonders mächtig gelten, hatten sich bislang zurückgehalten. Mit ihrer klaren Absage an Personaldebatten stellen sie sich nun zunächst eindeutig hinter Merz.

Spannung vor Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern

Am kommenden Sonntag stehen Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin an, die der Diskussion über Merz eine neue Dynamik geben könnten. In Mecklenburg-Vorpommern droht der CDU ein Abrutschen unter die Fünf-Prozent-Hürde. In Berlin könnte die Partei Platz eins an die Linke verlieren und im Extremfall den Posten des Regierenden Bürgermeisters einbüßen.

Für Sonntagabend hat Merz eine Sondersitzung des Parteipräsidiums im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin einberufen. Am Montag sollen weitere Sitzungen der Spitzengremien der CDU folgen. Dort dürfte sich entscheiden, ob und wie es für Friedrich Merz als Kanzler und CDU-Vorsitzender weitergeht.

Drei Grundüberzeugungen der Ministerpräsidenten

In ihrer Erklärung benennen die CDU-Ministerpräsidenten drei zentrale Grundüberzeugungen. Erstens erteilen sie einer Minderheitsregierung eine klare Absage und betonen, Deutschland brauche eine stabile und handlungsfähige Bundesregierung mit eigener Mehrheit im Bundestag. Die CDU stehe seit ihrer Gründung wie keine andere Partei für das Erfolgsmodell der deutschen Koalitionsdemokratie, heißt es.

Zweitens bekräftigen sie, dass die CDU zur Zusammenarbeit mit allen demokratischen Kräften bereit sei – mit der klaren Ausnahme von Linke und AfD. Damit verweisen sie auf den Parteitagsbeschluss von 2018, der eine Kooperation mit diesen beiden Parteien ausschließt.

Drittens stellen die Regierungschefs heraus, dass Deutschland Verlässlichkeit und entschlossenes Handeln brauche. Vertrauen der Menschen entstehe dann, wenn Politik die Probleme löse, die sie im Alltag beschäftigten. Dies sei die feste Überzeugung der CDU-Ministerpräsidenten und die gemeinsame Verantwortung aller Christdemokraten für das Land.

Initiative aus Rheinland-Pfalz, auch Wüst unterschreibt

Initiiert wurde die Erklärung nach Angaben aus Parteikreisen vom rheinland-pfälzischen Regierungschef Gordon Schnieder. Im Sommer war er im Zuge einer Personalrochade mit Merz aneinandergeraten, nachdem dieser Schnieders Bruder, Verkehrsminister Patrick Schnieder, aus dem Kabinett entlassen hatte.

Zu den Unterzeichnern gehört auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst, der selbst als möglicher Nachfolger von Merz gehandelt wird. Dass er die Erklärung mitträgt, unterstreicht den Anspruch der Union, nach außen Geschlossenheit zu zeigen.

Merz setzt auf Reformkurs der Koalition

Merz hatte bereits eine Grundsatzdebatte über ein neues "Narrativ" der Partei nach den Wahlen angekündigt. Zugleich machte er deutlich, dass er um sein Amt kämpfen und das von der schwarz-roten Koalition vereinbarte Reformpaket gegen Widerstände in der SPD durchsetzen wolle.

Bei einer Wirtschaftstagung in Berlin sprach Merz am Dienstag von einer "Bewährungsprobe für die Koalition". Nach seiner Darstellung ist der SPD ebenso wie der Union klar, dass die gemeinsame Regierung nun ihre Reformbereitschaft unter Beweis stellen müsse. Merz äußerte die Hoffnung auf eine einsichtige Debatte und anschließende entschlossene Taten.

CDU ringt um Geschlossenheit vor entscheidenden Wahlen

Die gemeinsame Erklärung der acht CDU-Ministerpräsidenten ist ein Signal geschlossener Unterstützung für Friedrich Merz in einer Phase, in der seine politische Zukunft in Frage gestellt wird. Nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt steht der Kanzler parteiintern erheblich unter Druck, weil die Niederlage als Misstrauensvotum gegen seinen Kurs gewertet wird. In dieser Lage betonen die Landesregierungschefs Stabilität, Handlungsfähigkeit und Geschlossenheit – Werte, die angesichts verunsicherter Wählerinnen und Wähler und schwankender Umfragewerte für die Union zentral sind.

Landtagswahlen als möglicher Wendepunkt für Merz

Die anstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin können die innerparteiliche Lage weiter zuspitzen. In Mecklenburg-Vorpommern droht der CDU ein historischer Absturz unter die Fünf-Prozent-Hürde, während in Berlin sogar der Verlust des Rathauses und des ersten Platzes im Parteiensystem möglich ist. Solche Ergebnisse würden nicht nur die Autorität von Merz als Kanzler und Parteichef berühren, sondern auch die strategische Debatte über Kurs und Personal in der Christdemokratie neu eröffnen. Dass Merz für Sonntagabend eine Sondersitzung des Präsidiums und für Montag weitere Spitzentreffen ansetzt, zeigt die Bedeutung dieser Wahlen für seine persönliche Machtbasis.

Strategische Weichenstellung für Koalition und Partei

Inhaltlich unterstreicht die Erklärung der Ministerpräsidenten zentrale Linien der CDU-Politik: klare Absage an eine Minderheitsregierung, Festhalten am Kooperationsverbot mit Linke und AfD und der Anspruch, Probleme pragmatisch zu lösen. Zugleich will Merz ein neues Narrativ für die Partei entwickeln und das jüngst beschlossene Reformpaket der schwarz-roten Koalition gegen Widerstände in der SPD durchsetzen. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass sich in den kommenden Tagen entscheidet, ob die Union ihren Kurs mit Merz an der Spitze fortsetzt oder ob Wahlergebnisse und Koalitionskonflikte eine Neuaufstellung in Regierung und Partei erzwingen.

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