Bundeswehr-General Sollfrank warnt vor Angriff auf NATO-Gebiet
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 05:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDeutschlands Rolle im Bündnisfall
- Generalleutnant Alexander Sollfrank warnt vor einem möglichen russischen Angriff auf NATO-Gebiet.
- Die Bundeswehr bereitet für einen Angriff auf das Baltikum die Verlegung von mindestens 20.000 Soldaten vor.
- Deutschland erhöht den Schutz militärischer Einrichtungen und verstärkt seine Drohnenabwehr.
Bundeswehr-General warnt vor russischem Angriff
Generalleutnant Alexander Sollfrank sieht Deutschland zunehmend im Fadenkreuz Russlands und warnt vor einem möglichen Angriff auf NATO-Gebiet. Der Befehlshaber des Operativen Führungskommandos sagte dem Magazin Politico, Russland greife Deutschland und Europa bereits durch Spionage, Sabotage und Desinformation an.
Angriff auf NATO-Gebiet möglich
„Vielmehr ist ein Angriff möglich“, sagte Sollfrank mit Blick auf einen möglichen russischen Angriff auf NATO-Gebiet. Auch wenn derzeit keine unmittelbaren Angriffsvorbereitungen erkennbar seien, halte er einen Angriff für „sehr, sehr realistisch“.
Eine klare Grenze sieht der Generalleutnant bei einem konventionellen Angriff auf NATO-Territorium. Als Beispiel nannte er einen russischen Angriff auf die baltischen Staaten, bei dem Territorium eingenommen werde.
Verlegung von mindestens 20.000 Soldaten
Für diesen Fall seien die Verteidigungspläne vorbereitet. „Das sind rund mindestens 20.000 Soldaten“, die sich auf dem Land-, Luft- und Seeweg ins Baltikum verlegen würden, sagte Sollfrank.
Die Vorbereitungen liefen bereits „noch vor dem ersten Schuss“ an. Deutschland solle dabei als NATO-Drehscheibe für die Verlegung verbündeter Truppen an die Ostflanke dienen.
Bundeswehr verstärkt Schutzmaßnahmen
Nach Sabotagefällen und Drohnenvorfällen verschärft die Bundeswehr nach Angaben Sollfranks ihre Schutzmaßnahmen. Der Schutz militärischer Liegenschaften und Einrichtungen werde angehoben, zugleich würden die Drohnenabwehrmöglichkeiten intensiviert.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Operationsplan Deutschland. Er soll nach Sollfranks Worten den Krieg verhindern und Russland signalisieren, dass Deutschland vorbereitet ist.
Sollfrank kritisiert Russlands Kriegsführung
Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine sprach Sollfrank von einem „verbrecherischen Angriffskrieg gegen einen Nachbarn“. Russland versuche weiterhin, die Ukraine mit aller Macht niederzuringen.
Der Generalleutnant nannte drei strategische Fehler des russischen Präsidenten Wladimir Putin: Moskau habe die eigene militärische Stärke überschätzt, die ukrainischen Streitkräfte unterschätzt und die Geschlossenheit Europas und der NATO falsch eingeschätzt.
Die Warnung von Generalleutnant Alexander Sollfrank steht im Zusammenhang mit der sicherheitspolitischen Neubewertung Europas seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Dabei geht es nicht nur um einen möglichen offenen Angriff auf NATO-Gebiet, sondern auch um Aktivitäten unterhalb der Schwelle eines Krieges. Spionage, Sabotage, Desinformation und Drohnenvorfälle gehören zu den Gefahren, auf die sich staatliche Stellen und militärische Einrichtungen einstellen.
Deutschland nimmt in den Planungen eine besondere Rolle ein, weil es als logistisches Zentrum für die Verlegung alliierter Kräfte an die NATO-Ostflanke gilt. Der Operationsplan Deutschland soll deshalb nicht nur die Landes- und Bündnisverteidigung vorbereiten, sondern auch Verkehrswege, Kasernen, Häfen, Flughäfen und Kommunikationsstrukturen schützen. Für die Bevölkerung bedeutet das, dass Sicherheitsmaßnahmen an militärischen Standorten und bei kritischer Infrastruktur sichtbarer werden können.
Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit
Die von Sollfrank genannte Zahl von mindestens 20.000 Soldaten beschreibt die deutsche Reaktion für den Fall eines konventionellen Angriffs auf NATO-Gebiet, insbesondere im Baltikum. Entscheidend ist dabei die zeitliche Vorbereitung: Verteidigungspläne sollen bereits vor einem Angriff greifen. Das soll einen möglichen Gegner abschrecken und zugleich sicherstellen, dass Bündnispartner schnell unterstützt werden können.
Die aktuelle Debatte verbindet damit zwei Ebenen: die unmittelbare Abwehr von Sabotage und Drohnen sowie die langfristige Fähigkeit zur Bündnisverteidigung. Für Deutschland steigen dadurch die Anforderungen an Personal, Material, Luftverteidigung, Schutz kritischer Einrichtungen und die Zusammenarbeit mit zivilen Behörden.
BR: „Bundeswehr bereitet sich auf Großübungen in Litauen vor“ (31.10.2026)
Der Beitrag berichtet über geplante Bundeswehrübungen in Litauen und setzt damit einen Schwerpunkt auf die praktische Vorbereitung an der NATO-Ostflanke. Das ergänzt Sollfranks Aussagen zur Bündnisverteidigung, behandelt aber vor allem Übungen und nicht die Warnung vor einem möglichen Angriff.
Frankfurter Rundschau: „An dieser Front verlieren wir gerade“ (30.10.2026)
Der Artikel ordnet Europas militärische Fähigkeiten und russische Aktivitäten in der sogenannten Grauzone ein. Damit liegt sein Schwerpunkt stärker auf Europas strategischer Reaktionsfähigkeit, während Sollfrank die deutschen Schutzmaßnahmen und konkreten Verteidigungspläne hervorhebt.
Gemeinsam ist den Beiträgen der Fokus auf die wachsende Bedeutung der NATO-Ostflanke. Unterschiede bestehen vor allem darin, ob die militärische Vorbereitung, Europas strukturelle Fähigkeiten oder die Bedrohung durch hybride Aktivitäten im Mittelpunkt steht.
