Bundesrat, Andreas Bovenschulte

Bovenschulte: AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt stoppt Bundesrat nicht

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 06:53 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte hält eine mögliche AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt nicht für eine Gefahr für die Handlungsfähigkeit der Länderkammer. Zugleich warnt der SPD-Politiker vor falschen Reaktionen auf eine solche Regierung und fordert Änderungen am Reformkurs der Bundesregierung.

Bovenschulte: AfD kann Bundesrat nicht lahmlegen
Sitzung des Bundesrates (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte sieht in einer möglichen Übernahme der Landesregierung in Sachsen-Anhalt durch die AfD keine Gefahr für die Arbeitsfähigkeit des Bundesrates. Die Länderkammer könne von einer AfD-Regierung nicht lahmgelegt werden, sagte der SPD-Politiker dem "Handelsblatt".

Bovenschulte verweist auf Verfassung und Geschäftsordnung

"Wir haben 16 Länder und eine Verfassung, die mit dieser Situation umgehen kann", betonte der Bremer Bürgermeister. Zudem sei die Geschäftsordnung des Bundesrates in den vergangenen Jahren robuster ausgestaltet worden. Gleichwohl sprach Bovenschulte von einer neuen Lage, sollte es zu einem AfD-Regierungschef kommen: Mit einem AfD-Ministerpräsidenten gäbe es erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik einen Regierungschef im Bundesrat, der die freiheitlich-demokratische Grundordnung ablehne.

Warnung vor finanziellen Sanktionen gegen Sachsen-Anhalt

Bovenschulte wandte sich gegen Überlegungen, Sachsen-Anhalt Finanzhilfen zu entziehen, falls eine AfD-Regierung dort eine repressive Politik verfolgen sollte. "Die Feinde der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekämpfen wir nicht, indem wir den Rechtsstaat abschaffen", sagte der Bundesratspräsident. Zur AfD sagte er weiter, diese würde "nicht eine einzige Sekunde davor zurückschrecken, mit ihren Gegnern kurzen Prozess zu machen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätte".

Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz umstritten

Der SPD-Politiker sprach sich zudem dafür aus, dass Sachsen-Anhalt nicht wie vorgesehen zum 1. Oktober den Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz übernimmt. "Eine so wichtige Funktion in dieser Lage zu übernehmen, das funktioniert schon praktisch nicht", sagte Bovenschulte. Die Ministerpräsidentenkonferenz sei als Koordinationsgremium der Länder zu wichtig, um sich dort Instabilität zu erlauben.

Kritik am Reformprogramm der Bundesregierung

Darüber hinaus forderte Bovenschulte Korrekturen am Reformprogramm der Bundesregierung. Es müsse darüber gestritten werden, wer die Lasten der Zeitenwende trägt. Er stellte infrage, ob es richtig sei, den Haushalt vor allem über Kürzungen bei Elterngeld, Wohngeld und Rente zu sanieren. Stattdessen regte er an, hohe Einkommen und Vermögen stärker heranzuziehen.

Die Äußerungen von Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte fallen in eine Phase intensiver Debatten über den Umgang mit möglichen AfD-Regierungen in ostdeutschen Bundesländern. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Folgen ein AfD-geführtes Kabinett in Sachsen-Anhalt für die Arbeitsfähigkeit der bundesstaatlichen Institutionen hätte und wie Bund und Länder darauf politisch reagieren sollten.

Institutionelle Stabilität und politische Brüche

Mit dem Hinweis auf die Verfassung und die Geschäftsordnung des Bundesrates betont Bovenschulte die institutionelle Stabilität der Länderkammer. Das Bundesratsstimmrecht ist an Länderregierungen gebunden, nicht an einzelne Parteien. Selbst ein AfD-Ministerpräsident könnte Beschlüsse nicht im Alleingang blockieren, sondern wäre an Koalitionsabsprachen und Mehrheiten im Bundesrat gebunden. Zugleich markiert Bovenschulte eine politische Zäsur: Er spricht offen von einem Regierungschef, der die freiheitlich-demokratische Grundordnung ablehnt, und stellt damit die Frage nach der Integration eines solchen Akteurs in die bisherigen Kooperationsmuster der Länder.

Konfliktlinien um Sanktionen und Rollen in der Bund-Länder-Koordination

Besonders konfliktträchtig ist die Debatte um mögliche finanzielle Sanktionen gegen ein AfD-regiertes Sachsen-Anhalt und um die Rolle des Landes in der Ministerpräsidentenkonferenz. Bovenschulte warnt vor der Idee, Bundes- oder Landesfinanzhilfen als politisches Druckmittel zu entziehen und stellt den Schutz des Rechtsstaats über reaktive Strafmaßnahmen. Gleichzeitig plädiert er dafür, den turnusgemäßen Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz nicht an Sachsen-Anhalt zu übertragen, um das zentrale Koordinationsgremium der Länder vor Instabilität zu schützen. Für Bürgerinnen und Bürger verdeutlichen diese Positionen, dass die Auseinandersetzung mit der AfD nicht nur auf Wahlkämpfen und Parlamenten, sondern zunehmend auch auf der Ebene föderaler Macht- und Verfahrensfragen geführt wird.

Soziale Verteilungskonflikte als weiterer Spannungsbogen

Indem Bovenschulte das Reformprogramm der Bundesregierung und die Verteilung der „Zeitenwende“-Lasten anspricht, verknüpft er die institutionelle Debatte mit sozialen Fragen. Kürzungen bei Elterngeld, Wohngeld und Rente gegenüber einer stärkeren Belastung hoher Einkommen und Vermögen sind eine klassische Konfliktlinie zwischen unterschiedlichen wirtschafts- und sozialpolitischen Lagern. Seine Kritik deutet darauf hin, dass die politische Auseinandersetzung mit der AfD und die Diskussion um soziale Gerechtigkeit parallel verlaufen und sich gegenseitig beeinflussen können.

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