Berliner Wahl: Grüne wollen rot-grün-rote Koalition mit Linken und SPD
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 18:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Berliner Grünen wollen nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus eine rot-grün-rote Koalition mit Linken und SPD bilden.
Grünen-Spitze reklamiert Verantwortung
Die beiden Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai erklärten, ihre Partei wolle nun Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit SPD und Linken ein progressives Bündnis für Berlin schmieden. Ziel sei eine neue Regierungskonstellation, die andere politische Schwerpunkte setzt als bisher.
Nach ihrer Darstellung haben sich die Berlinerinnen und Berliner für einen Politikwechsel entschieden. Die bisherige schwarz geführte Regierung sei klar abgewählt worden, hieß es aus der Grünen-Spitze.
Linke liegt vor CDU, Grüne auf Platz drei
Nach ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF liegt die Linke bei der Berlin-Wahl mit 24,8 bis 25,8 Prozent klar vor der CDU, die demnach auf 20,0 Prozent kommt. Die Grünen erreichen laut diesen Zahlen 15,0 bis 15,4 Prozent und bleiben damit etwas hinter ihrem Ergebnis der Wahl 2023 zurück.
Mit diesen Kräfteverhältnissen eröffnet sich ein neuer Spielraum für mögliche Koalitionen. Neben einem rot-grün-roten Bündnis wären theoretisch auch andere Mehrheiten denkbar, über die in den kommenden Tagen intensiv diskutiert werden dürfte.
Beginn von Sondierungen und Koalitionspoker
Formelle Gespräche über die Bildung einer neuen Landesregierung stehen noch aus. Üblicherweise folgen auf die Hochrechnungen zunächst Sondierungsgespräche zwischen den Parteien, in denen geprüft wird, ob tragfähige Gemeinsamkeiten für eine Koalitionsvereinbarung bestehen.
Die Grünen haben mit ihrer Festlegung auf ein Bündnis mit Linken und SPD den Auftakt in diesem Koalitionspoker gemacht. Nun kommt es darauf an, wie sich insbesondere Linke und SPD zu den von den Grünen skizzierten Plänen für ein „progressives Bündnis“ verhalten.
Neue Mehrheitsverhältnisse im Berliner Abgeordnetenhaus
Die Ankündigung der Berliner Grünen, eine rot-grün-rote Koalition mit Linken und SPD anzustreben, steht in einem veränderten politischen Umfeld der Hauptstadt. Mit der Linken als stärkster Kraft und deutlichem Vorsprung vor der CDU verschieben sich die Gewichte im Abgeordnetenhaus. Für die Regierungsbildung ist entscheidend, ob Linke, SPD und Grüne gemeinsam eine stabile Mehrheit der Sitze erreichen; nur dann kann ein solches Bündnis tatsächlich die Regierungsverantwortung übernehmen.
Strategische Lage der Parteien nach der Wahl
Für die Grünen bedeutet das Streben nach einem „progressiven Bündnis“ eine klare Festlegung auf die Seite der linken Parteien. Sie positionieren sich damit als Partnerin für sozialen Ausgleich, Klimaschutz und eine eher regulierende Wohnungspolitik, statt einer Fortsetzung der bisherigen schwarz geführten Regierung. Die Linke wiederum steht als Wahlsieger im Zentrum möglicher Koalitionsgespräche, muss aber zeigen, dass sie eine regierungsfähige Agenda vorlegen und moderieren kann. Die SPD steht vor der Aufgabe, ihre Rolle neu zu definieren: Sie könnte trotz eines schwächeren Ergebnisses als Vermittlerin zwischen Linken und Grünen auftreten und zentrale Ressorts beanspruchen.
Mögliche Folgen für Berlinerinnen und Berliner
Für die Bevölkerung könnte eine rot-grün-rote Koalition spürbare politische Veränderungen bringen. Erwartbar wären stärkere Akzente bei sozialpolitischen Maßnahmen, etwa im Bereich Mieten, Armutsbekämpfung und öffentlicher Daseinsvorsorge, sowie ambitionierte klimapolitische Projekte im Verkehr und bei der Stadtentwicklung. Zugleich müssten die drei Parteien Kompromisse bei Themen wie innere Sicherheit, Verkehrsführung und Wirtschaftsstandort finden. Die jetzt beginnenden Sondierungen entscheiden darüber, ob die angekündigte „progressive“ Ausrichtung in konkrete Regierungsprogramme und Gesetzesvorhaben umgesetzt wird.
