Berliner Linke, Antisemitismus

Berliner Linke: Schaft fordert Konsequenzen bei Antisemitismus

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 12:50 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Christian Schaft verlangt einen konsequenten Umgang mit antisemitischen Positionen, warnt aber vor einer pauschalen Verurteilung der Berliner Linken. Zugleich sorgt der vorläufige Rückzug von Ferat Koçak wegen umstrittener Kontakte für zusätzlichen politischen Druck.

Thüringer Linke fordert Konsequenzen bei Antisemitismus in Partei
Christian Schaft (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Fraktionschef der Thüringer Linken, Christian Schaft, fordert im Streit über Antisemitismus in der Berliner Linken Konsequenzen für entsprechende Fälle. Zugleich spricht er sich dafür aus, Elif Eralp und die Berliner Bevölkerung nicht pauschal für problematische Positionen in der Partei verantwortlich zu machen.

Schaft befürwortet Eralp als Bürgermeisterin

In der Debatte verwies Schaft auf die klare Haltung von Elif Eralp und der Berliner Parteispitze gegen jede Form des Antisemitismus. Auch der Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Tobias Schulze, habe deutlich gemacht, dass die Partei in solchen Fällen Konsequenzen ziehen müsse.

Nach Schaft sollte die notwendige Auseinandersetzung mit antisemitischen Positionen jedoch nicht dazu führen, Eralp oder die Menschen in Berlin in Sippenhaft zu nehmen. Die Berliner wünschten sich Veränderung, sagte er, und diese werde es nur mit Eralp als Bürgermeisterin geben.

Mieten als zentrales Berliner Thema

Als größtes Problem der Hauptstadt bezeichnete Schaft die Mieten. Damit verband er die innerparteiliche Debatte mit der sozialen Schwerpunktsetzung der Berliner Linken und dem Anspruch, nach dem Wahlerfolg politische Veränderungen herbeizuführen.

Koçak zieht sich vorerst zurück

Der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak, der als Direktkandidat der Linken in Berlin-Neukölln in den Bundestag eingezogen war, kündigte unterdessen an, sich vorerst aus der Öffentlichkeit und aus dem Innenausschuss zurückzuziehen.

Hintergrund sind umstrittene Kontakte zu einem Berliner Clan. Koçak will nach eigenen Angaben Zeit für eine Aufarbeitung nehmen und zur Transparenz beitragen.

Die Berliner Linke steht nach ihrem Wahlerfolg vor einem doppelten politischen Belastungstest. Einerseits muss die Partei den Anspruch untermauern, Berlin regieren zu können; andererseits muss sie innerparteiliche Positionen und Kontakte klar abgrenzen, die außerhalb der Partei als antisemitisch oder als problematisch im Umgang mit organisierter Kriminalität wahrgenommen werden.

Elif Eralp hat nach der Wahl den Schutz jüdischen Lebens ausdrücklich als politische Verpflichtung bezeichnet. Zugleich verweisen aktuelle Debatten auf einen Konflikt, der die Berliner Linke bereits vor der Wahl beschäftigt hat: die Abgrenzung zwischen zulässiger Kritik an der israelischen Regierung und antisemitischen Deutungen oder Aufrufen. Für die Partei geht es damit nicht nur um programmatische Erklärungen, sondern um den Umgang mit konkreten Fällen.

Regierungsfähigkeit und politische Konsequenzen

Die Forderung nach Konsequenzen betrifft deshalb die Glaubwürdigkeit der künftigen Berliner Führung. Wenn die Linke Regierungsverantwortung übernimmt, werden Aussagen und Verbindungen einzelner Mitglieder nicht mehr nur als innerparteiliche Auseinandersetzung bewertet, sondern als Frage politischer Verantwortungsfähigkeit.

Der Fall Ferat Koçak verschärft diese Prüfung zusätzlich. Sein vorläufiger Rückzug aus der Öffentlichkeit und dem Innenausschuss soll Transparenz schaffen; zugleich bleibt entscheidend, welche konkreten Ergebnisse die angekündigte Aufarbeitung hervorbringt. Für Berliner Bürger sind neben der Antisemitismusdebatte vor allem die von Christian Schaft angesprochenen sozialen Themen relevant, insbesondere die hohen Mieten. Die Partei muss daher ihre Abgrenzung glaubhaft machen und zugleich zeigen, dass sie ihre zentralen politischen Vorhaben umsetzen kann.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Antisemitismus-Debatte bei der Linkspartei in Berlin“ (22.09.2026)

Der Beitrag bestätigt die Zusagen der Berliner Linken gegen Antisemitismus und stellt sie in den Zusammenhang mit der möglichen Übernahme der Regierungsverantwortung. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob programmatische Abgrenzungen durch konkrete Konsequenzen ergänzt werden.

rbb24: „Neuköllner Linken-Politiker Kocak lässt Parlamentsfunktionen ruhen“ (22.09.2026)

Der rbb24-Beitrag konzentriert sich auf Koçaks Kontakte zur Remmo-Familie, seinen Fehlerhinweis und den vorläufigen Rückzug aus dem Innenausschuss. Anders als die übergreifende Antisemitismusdebatte steht hier die politische Transparenz im Umgang mit Kontakten ins Milieu der organisierten Kriminalität im Vordergrund.

Beide Beiträge ordnen die Vorgänge als Belastungsprobe für die Berliner Linke ein. Unterschiedlich gewichtet werden die ideologische Abgrenzung gegen Antisemitismus und die persönliche Aufarbeitung des Falls Koçak; offen bleibt, welche konkreten innerparteilichen Konsequenzen folgen.

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