Bas Aktionsplan gegen Sozialmissbrauch erhält Rückendeckung der Landkreise
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 05:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Deutsche Landkreistag unterstützt den von Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) vorgelegten Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch und Ausbeutung. Hauptgeschäftsführer Kay Ruge lobt das Konzept als wichtigen und überfälligen Schritt.
Landkreistag sieht zentrale Probleme adressiert
„Der Aktionsplan setzt an den richtigen Stellen an“, sagte Ruge dem „Tagesspiegel“ und verwies auf die Schäden, die organisierter Sozialleistungsmissbrauch, Scheinbeschäftigung und ausbeuterische Geschäftsmodelle für Betroffene und Kommunen verursachen. Diese Strukturen untergrüben nach seiner Darstellung zudem das Vertrauen in den Sozialstaat.
Ruge begrüßt insbesondere, dass der Datenaustausch zwischen den beteiligten Behörden verbessert, bestehende Schlupflöcher geschlossen und Kommunen mit wirksameren Instrumenten gegen Schrottimmobilien und missbräuchliche Vermietungspraktiken ausgestattet werden sollen.
Fokus auf organisierte Elendszuwanderung
Bei den Maßnahmen der Bundesregierung steht vor allem die organisierte Elendszuwanderung aus Südosteuropa im Mittelpunkt, die nicht nur, aber besonders im Ruhrgebiet als großes Problem beschrieben wird. Menschen vor allem aus Rumänien und Bulgarien leben demnach in Schrottimmobilien und erhalten Jobs mit nur wenigen Wochenstunden.
Ergänzend werden legal Sozialleistungen für große Familien mit vielen Kindern bezogen, doch das Geld fließt laut der Darstellung zum größten Teil an Hintermänner. Teilweise sollen die angegebenen Jobs sogar vollständig fingiert sein.
Elemente des Aktionsplans
Der von Ministerin Bas erarbeitete Aktionsplan ist am Mittwoch in die Ressortabstimmung gegangen. Er sieht präzisere gesetzliche Regelungen vor, um diese Formen des Sozialleistungsbezugs zu unterbinden, sowie einen verbesserten Datenaustausch zwischen den Behörden.
Zudem sollen Kommunen mehr Möglichkeiten erhalten, gegen Schrottimmobilien vorzugehen. Opfer des Systems sollen besser geschützt werden, insbesondere wenn sie bereit sind, gegen Hintermänner auszusagen.
Ruge mahnt praxistaugliche Umsetzung an
Kay Ruge hält das Vorgehen grundsätzlich für sinnvoll, betont aber die Bedeutung der praktischen Umsetzung. „Wie immer kommt es nicht auf beschriebenes Papier, sondern auf eine praxistaugliche Umsetzung an“, sagte er mit Blick auf die angekündigten Maßnahmen.
Der Plan sei schon seit längerer Zeit angekündigt gewesen. Wichtig sei, dass kommunale Jobcenter technisch gleichberechtigt in den Datenaustausch eingebunden werden und auf alle erforderlichen Informationen zugreifen können.
Abgrenzung von Tätern und Opfern
Zugleich hebt Ruge hervor, wie wichtig eine klare Unterscheidung zwischen organisiertem Missbrauch und den Menschen ist, die selbst Opfer von Ausbeutung und kriminellen Strukturen geworden sind. Der Aktionsplan soll nach seiner Einschätzung sowohl die Kommunen als auch die Betroffenen stärken.
Insgesamt bewertet der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Landkreistages den Aktionsplan von Bärbel Bas als wichtigen und überfälligen Schritt im Kampf gegen systematischen Sozialleistungsmissbrauch.
Der von Sozialministerin Bärbel Bas vorgelegte Aktionsplan richtet sich gegen Formen des Sozialleistungsmissbrauchs, bei denen insbesondere marginalisierte Zuwanderer systematisch ausgebeutet werden. Im Zentrum stehen Konstellationen, in denen Menschen aus Südosteuropa in heruntergekommenen Wohnungen untergebracht und über Mini-Jobs oder Scheinbeschäftigungen in ein Geflecht aus Abhängigkeiten gezogen werden. Die dts-Meldung macht deutlich, dass nicht die betroffenen Familien, sondern skrupellose Hintermänner im Fokus des Konzepts stehen.
Strukturelles Problem für Kommunen
Für Städte und Landkreise ist organisierter Sozialleistungsmissbrauch doppelt belastend: Einerseits geraten Sozialkassen und kommunale Haushalte unter Druck, andererseits entstehen Quartiere mit hoher Armutskonzentration, maroder Bausubstanz und fehlender sozialer Infrastruktur. Schrottimmobilien und überbelegte Wohnungen verschärfen Probleme wie Verwahrlosung, Gesundheitsrisiken und Konflikte im Umfeld. Der Aktionsplan setzt daher auf verbesserte Instrumente für Kommunen, um gegen solche Immobilien und Vermietungspraktiken vorzugehen.
Bedeutung für Betroffene und Verwaltung
Für die betroffenen Menschen eröffnet der Plan die Chance auf besseren Schutz, etwa wenn sie gegen Hintermänner aussagen und sich aus ausbeuterischen Strukturen lösen wollen. Zugleich soll ein intensiverer Datenaustausch zwischen Jobcentern, Ausländerbehörden, Sozialämtern und Strafverfolgungsbehörden ermöglichen, Missbrauch schneller zu erkennen und koordinierter zu bekämpfen. Entscheidend wird sein, dass technische Hürden und Zuständigkeitsgrenzen überwunden werden, damit die kommunalen Jobcenter tatsächlich gleichberechtigt eingebunden sind.
Ausblick
Mit der Ressortabstimmung beginnt nun die politische Feinarbeit: Fachministerien, Länder und Kommunen werden den Entwurf prüfen und Stellung nehmen. Erst wenn die geplanten Gesetzesänderungen und Verwaltungsvereinbarungen umgesetzt sind, lässt sich absehen, ob die Maßnahmen die beschriebenen ausbeuterischen Geschäftsmodelle wirksam eindämmen. Klar ist bereits jetzt, dass die Kommunen den Ansatz grundsätzlich unterstützen – zugleich wird an einer praxisnahen Ausgestaltung gemessen werden, ob der Aktionsplan mehr ist als ein Papierkonzept.
