Parteien, Arbeitsmarkt

Offenbar tiefe Gräben bei Reformgipfel im Kanzleramt

13.06.2026 - 10:42:39 | dts-nachrichtenagentur.de

Arbeitgeber und Gewerkschaften sind offenbar mit diametralen Positionen in den Reformgipfel am vergangenen Mittwoch im Bundeskanzleramt gegangen.

Offenbar tiefe Gräben bei Reformgipfel im Kanzleramt
Parteien - Spitzengespräch mit Koalition und Sozialpartnern am 10.06.2026 13.06.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Das zeigen interne Dokumente, die die Teilnehmer dem Kanzleramt vor Beginn des Treffens übermittelten und aus denen das "Handelsblatt" in seiner Montagausgabe zitiert.

So sehen die Gewerkschaften vor allem drei Gründe für die Wirtschaftsschwäche Deutschlands: Hohe Energie- und Rohstoffkosten, zu geringe öffentliche Investitionen und starke Konkurrenz aus China. Laut den Arbeitgebern kämpfe Deutschland dagegen mit strukturellen Schwächen, die unabhängig von den außenwirtschaftlichen Schocks bestünden, heißt es im 23-seitigen Papier der Arbeitgeberverbände. Deutschland erlebe seit mehreren Jahren eine anhaltende Erosion von Produktion und insbesondere industrieller Beschäftigung. Die Gründe dafür seien zu hohe Arbeitskosten, zu schwache private Investitionen, zu hohe Bürokratiekosten und Fachkräftemangel.

Auch bei den Reformvorschlägen gingen die Meinungen auseinander. Die Gewerkschaften wollen Arbeitnehmerrechte stärken, fordern ein Recht auf Vollzeit, die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung und eine Verbesserung der betrieblichen Mitbestimmung. Die Arbeitgeber dagegen fordern eine Reform des Krankengeldes sowie eine moderate Anpassung des Kündigungsschutzes.

Auch bei der Rente gibt es keinen Konsens. Eine Erhöhung des Rentenzugangsalters eigne sich nicht, um Wachstum oder Beschäftigungsquote zu erhöhen, schreiben die Gewerkschaften. Die Arbeitgeberverbände dagegen wollen Frühverrentungsprogramme zeitnah abschaffen, das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung koppeln, Rentenabschläge bei vorzeitigem Ruhestand erhöhen und den Nachhaltigkeitsfaktor nachschärfen.

Und auch in der Steuerpolitik gehen die Vorstellungen auseinander. Der DGB will hohe Einkommen stärker besteuern, die Arbeitgeber fordern, Personengesellschaften in der Einkommensteuer durch eine Abschaffung des Soli zu entlasten.

Nach dem Treffen hatten sich die Teilnehmer bedeckt gehalten. "Dieses lange Gespräch hat in ausgesprochen guter, sehr konstruktiver Atmosphäre stattgefunden", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag im Bundestag. "Wir werden es zu einzelnen Themen auch fortsetzen."

de | politik | 69532756 |

Weitere Meldungen

Warken will private Pflegevorsorge steuerlich fördern Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) spricht sich für eine stärkere Förderung der privaten Pflegevorsorge aus. (Politik, 13.06.2026 - 09:55) weiterlesen...

Warken will Sozialbeiträge langfristig senken Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) setzt langfristig auf sinkende Beiträge in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. (Politik, 13.06.2026 - 07:03) weiterlesen...

Beamtenbund-Chef wirft Bas und Linnemann Populismus vor Beamtenbund-Chef Volker Geyer wirft Spitzenpolitikern der schwarz-roten Regierung Populismus vor. (Politik, 13.06.2026 - 06:36) weiterlesen...

CSU-Landesgruppenchef will höheren Spitzensteuersatz CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann regt an, die Einkommensgrenze für den Spitzensteuersatz nach oben zu verschieben.Hoffmann sagte dem Fernsehsender "Welt": "Ich habe eine große Sympathie dafür, dass wir uns vor allem nochmal die Frage vornehmen, wann setzt bei uns der Spitzensteuersatz ein? Das ist ab 69.000 Euro Einkommen. (Politik, 12.06.2026 - 11:55) weiterlesen...

Verdi warnt nach Spitzentreffen vor sozialem Kahlschlag Nach dem Treffen von Koalition und Sozialpartnern hat der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Werneke, seine Forderungen bekräftigt und vor Kürzungen in den Sozialsystemen gewarnt."An den Dingen, die uns wichtig sind, hat sich nichts geändert", sagte Werneke dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Freitagausgaben). (Politik, 11.06.2026 - 15:33) weiterlesen...

Schwesig und Wegner drängen auf Verlängerung des Tankrabatts Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und der Regierende Bürgermeister von Berlin haben sich gegen das Auslaufen des Tankrabatts Ende des Monats ausgesprochen, auf das sich die Koalition geeinigt hat."Ich habe kein Verständnis für diese Entscheidung", sagte Manuela Schwesig (SPD), Regierungschefin von Mecklenburg-Vorpommern, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgabe). (Politik, 11.06.2026 - 14:55) weiterlesen...