Hohe Spritpreise: Kanzler Merz kündigt schnelle Entlastung für Autofahrer an
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 17:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAngesichts rasant steigender Spritpreise hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kurzfristige finanzielle Entlastungen für Verbraucher angekündigt.
Merz stellt Vorschlag in kurzer Frist in Aussicht
Beim Unternehmertag des Handelsverbands BGA in Berlin sagte Merz, die Bundesregierung werde auf aus seiner Sicht bestehende Preistreiberei reagieren. Er betonte, er sei der Meinung, dass gehandelt werden müsse, das konkrete Instrumentarium sei jedoch noch nicht festgelegt. Die Bürgerinnen und Bürger könnten aber davon ausgehen, dass die Regierung sehr bald einen Vorschlag vorlegen werde.
Spritpreise erreichen Rekordniveau
Zuletzt stieg der Preis für einen Liter Super E10 auf durchschnittlich 2,286 Euro, Diesel kostete am Montag 2,412 Euro pro Liter und liegt damit nur wenige Cent unter einem Rekordpreis. Für viele Menschen, die täglich auf das Auto angewiesen sind, sei eine Belastungsgrenze erreicht, erklärte Merz. Er verwies darauf, dass das Bundeskartellamt mit einer Missbrauchsaufsicht ausgestattet worden sei, dies aus Sicht der Verbraucher jedoch nicht ausreiche.
Klingbeil drängt auf Übergewinnsteuer
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) begrüßte, dass auch CSU und CDU Handlungsbedarf sehen. Er sagte, es sei richtig, dass Markus Söder und der Kanzler nun Bewegung zeigten, nachdem seine Vorschläge seit Wochen vorlägen. Klingbeil warf Mineralölkonzernen vor, die Krise auszunutzen und die Abzocke voranzutreiben. Er fordert seit längerem eine Übergewinnsteuer auf zusätzliche Gewinne sowie einen Preisdeckel und bezeichnete es als unanständig, wenn sich Konzerne in der aktuellen Lage bereicherten.
Kritik aus der Opposition
Die Linke reagierte skeptisch auf die Ankündigung. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Janine Wissler erklärte, mit bloßen Ankündigungen sei es nicht getan, die Bundesregierung müsse handeln. Sie kritisierte, der Kanzler könne keine konkreten Maßnahmen benennen, obwohl verschiedene Vorschläge seit Monaten vorlägen. Auch die Linke fordert eine Übergewinnsteuer und spricht sich gegen eine Senkung der Energiesteuer aus.
Debatte um Tankrabatt und Steuersenkungen
Politiker von AfD und CDU hatten bereits vor der Ankündigung von Merz erneute Steuersenkungen im Energiebereich ins Gespräch gebracht. Eine solche Maßnahme hatte es von Anfang Mai bis Ende Juni 2026 bereits gegeben: Durch die staatliche Senkung der Energiesteuer sollten Autofahrer an der Zapfsäule rund 17 Cent pro Liter sparen. Den Bund kostete der Tankrabatt seinerzeit rund 1,6 Milliarden Euro.
Umweltverbände warnen vor pauschaler Entlastung
Umweltverbände wie Greenpeace, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) warnen vor erneuten pauschalen Steuersenkungen. Die Bundesregierung solle stattdessen direkte Pro-Kopf-Beihilfen auf den Weg bringen, um vor allem untere Einkommensschichten gezielt zu entlasten, schlug die BUND-Bundesgeschäftsführerin Verena Graichen vor.
Direktzahlungen und Probleme bei der Umsetzung
Mit diesem Vorschlag korrespondiert eine Idee von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), gezielte Direktzahlungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen zu leisten. Nach Angaben des Finanzministeriums gibt es dafür zwar einen Direktauszahlungsmechanismus, bislang liegen jedoch erst von etwa 19 Prozent der Steuerpflichtigen die notwendigen IBAN-Daten vor. Dies nährt Zweifel, ob eine schnelle Umsetzung möglich wäre.
Deutschlandticket und Mobilitätsgeld als Alternativen
Die Allianz pro Schiene brachte ein Mobilitätsgeld ins Gespräch, um Anreize zu setzen, in Zeiten hoher Spritpreise stärker den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. Greenpeace regte zudem an, den Preis des Deutschlandtickets erneut zu senken, ähnlich wie im Jahr 2022, als ein zeitweise geltendes Ticket für neun Euro verfügbar war.
Hohe Spritpreise als Belastung für Wirtschaft und Verbraucher
Die Ankündigung des Kanzlers kommt in einer Phase, in der die rasant gestiegenen Spritpreise für viele Haushalte und Unternehmen zu einem zentralen Kostenfaktor geworden sind. Pendler, Handwerksbetriebe und Logistikunternehmen spüren die Rekordpreise unmittelbar, weil sie kaum kurzfristige Alternativen zum Auto oder Lkw haben. Die Belastung trifft einkommensschwächere Haushalte besonders hart, da ein größerer Teil ihres Budgets für Mobilität und Energie aufgewendet werden muss.
Politischer Streit über Instrumente der Entlastung
Vor diesem Hintergrund verdichtet sich der politische Streit über den richtigen Weg zur Entlastung. Während Merz schnelle Vorschläge in Aussicht stellt, drängen vor allem sozialdemokrische und linke Politiker auf eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne sowie Preisdeckel, um aus ihrer Sicht überhöhte Gewinne abzuschöpfen. Konservative Stimmen hatten zuvor erneut Steuersenkungen im Energiebereich gefordert, knüpfen damit an den Tankrabatt von 2026 an. Umweltverbände warnen jedoch, pauschale Steuersenkungen wirkten kaum zielgenau und könnten klimapolitische Ziele konterkarieren.
Zielgenaue Hilfen und Verkehrswende im Fokus
Parallel dazu rücken Direktzahlungen an besonders belastete Gruppen und eine Stärkung des öffentlichen Verkehrs in den Fokus. Vorschläge für Pro-Kopf-Beihilfen oder ein Mobilitätsgeld sollen nicht nur finanzielle Entlastung schaffen, sondern zugleich Anreize bieten, auf Bus und Bahn umzusteigen. Auch eine erneute Senkung des Preises für das Deutschlandticket würde in diese Richtung weisen. Die Debatte berührt damit zwei zentrale Fragen: Wie lassen sich kurzfristige Entlastung und langfristige Klimaziele miteinander verbinden, und wie zielgenau können Hilfen ausgestaltet werden, ohne Mitnahmeeffekte zu fördern oder staatliche Haushalte übermäßig zu belasten.
