AfD liegt vor SPD: Polarisierter Wahlkampf setzt CDU und kleinere Parteien in Mecklenburg-Vorpommern unter Druck
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 13:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSGut eine Woche vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich ein zugespitzter Zweikampf zwischen AfD und SPD ab, bei dem kleinere Parteien deutlich unter Druck geraten.
AfD vor SPD, CDU droht historischer Tiefstand
Nach dem ZDF-„Politbarometer Extra“ liegt die AfD in Mecklenburg-Vorpommern aktuell bei 37 Prozent und damit drei Punkte vor der SPD. Die CDU kommt in dieser Erhebung auf lediglich 7 Prozent und würde damit ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl seit Gründung der Bundesrepublik verzeichnen. Der Partei von Bundeskanzler Friedrich Merz droht nach der schmerzhaften Niederlage bei der jüngsten Wahl in Sachsen-Anhalt eine weitere schwere Schlappe.
Der Abstand zwischen AfD und SPD fällt geringer aus als in Umfragen anderer Institute vor einigen Monaten. Mehrere Meinungsforschungen sehen die Sozialdemokraten zuletzt im Aufwind. Zugleich meldet eine am Donnerstagabend veröffentlichte Infratest-dimap-Umfrage für die ARD, dass die AfD ihren Vorsprung erneut ausbauen konnte und dort nun fünf Punkte vor der SPD liegt.
Kleinere Parteien verlieren in polarisiertem Feld
In der ZDF-Erhebung liegt die Linke mit zehn Prozent auf Platz drei. Die Grünen erreichen fünf Prozent und bewegen sich damit genau auf der Fünf-Prozent-Hürde. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) kommt auf vier Prozent. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gilt die Fünf-Prozent-Sperrklausel für den Einzug in den Landtag.
Die SPD sammelt trotz des bundesweiten Tiefs ihrer Partei im Land weitere Stimmen. Die stark polarisierende Kampagne von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig trägt allerdings dazu bei, dass potenzielle Koalitionspartner schwächer werden. Während Schwesigs SPD deutlich über die 30-Prozent-Marke klettert, bleiben die AfD-Werte stabil hoch und werden in einigen Umfragen sogar weiter ausgebaut.
Schwesigs Strategie und Reaktionen der Partner
Schwesig setzt im Wahlkampf bewusst auf Mobilisierung gegen die AfD und präsentiert sich als „Die Frau gegen Blau“. In der Frage, wen die Menschen lieber als Ministerpräsidentin oder Ministerpräsidenten hätten, schneidet sie deutlich besser ab als AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm: 61 Prozent sprechen sich für sie aus, 28 Prozent für den Herausforderer.
Ihr Koalitionspartner, die Linke, reagiert dennoch zunehmend reserviert. Landeschef Hennis Herbst bezeichnete die Auseinandersetzung als Scheinzweikampf und mahnte, es seien Mehrheiten für soziale Gerechtigkeit nötig, die es nur mit der Linken gebe. Für Schwesig ist ein Wiedereinzug der Grünen in den Landtag von Bedeutung, da sie auf zusätzliche Partner angewiesen sein könnte. Die Grünen balancieren in mehreren Umfragen exakt auf der Fünf-Prozent-Marke.
FDP und CDU geraten massiv unter Druck
Der FDP droht der Verlust der parlamentarischen Präsenz. Statt der 5,8 Prozent bei der Landtagswahl 2021 sehen Demoskopen sie nur noch bei zwei bis drei Prozent, in den jüngsten Umfragen wird sie teilweise nicht einmal mehr gesondert ausgewiesen. Größter Verlierer ist jedoch nach den aktuellen Daten die CDU.
Die Christdemokraten werden im polarisierten Feld zwischen AfD und SPD zerrieben. Spitzenkandidat Daniel Peters beklagte bereits im Zusammenhang mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, dass die starke Polarisierung vor allem die AfD wachsen lasse und ein Ende haben müsse. Auch der frühere CDU-Landeschef Eckhardt Rehberg nannte diese Polarisierung als Ursache für das drohende historische Tief und räumte zugleich ein, dass die Bundesregierung unter Kanzler Merz kein gutes Bild abgebe.
Umfragen als Momentaufnahme
Die CDU ist in den Erhebungen für Mecklenburg-Vorpommern im Sommer von etwa 10 Prozent auf nun nur noch 7 Prozent gesunken. In der jüngsten ARD-Umfrage liegt sie ebenfalls bei 7 Prozent, was dort noch einmal einen Punkt weniger ist als in einer Anfang September veröffentlichten Messung. Die SPD klettert in dieser Befragung auf 33 Prozent, die AfD von 35 auf 38 Prozent.
Infratest dimap befragte für die ARD-Umfrage die Menschen von Montag bis Mittwoch nach der Wahl in Sachsen-Anhalt. Das ZDF hatte zuvor längere Zeit keine speziellen Daten für Mecklenburg-Vorpommern erhoben, sodass nur ein aktueller Stand vorliegt. Eine weitere am Donnerstag veröffentlichte Befragung des Insa-Instituts für den „Nordkurier“ zeigt die CDU ebenfalls bei 7 Prozent, die Erhebung lief dort vom 1. bis 8. September.
Die Institute betonen, dass Wahlumfragen stets mit Unsicherheiten behaftet sind. Nachlassende Parteibindungen und kurzfristige Wahlentscheidungen erschweren die Gewichtung der Daten. Umfragen bilden jeweils nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung ab und stellen keine Prognose des tatsächlichen Wahlergebnisses dar.
Spannung vor der Landtagswahl
Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern deutet vieles auf eine hoch polarisierte Abstimmung hin. Die dpa-Meldung zeigt, dass sich der Wettbewerb im Kern zu einem Zweikampf zwischen AfD und SPD verdichtet, während kleinere Parteien unter Druck geraten. Für Wählerinnen und Wähler bedeutet dies, dass strategische Überlegungen – etwa die Frage, welche Parteien überhaupt sicher in den Landtag einziehen – stärker in den Fokus rücken.
Besondere Rolle der SPD und ihrer Spitzenkandidatin
Die SPD um Ministerpräsidentin Manuela Schwesig setzt im Wahlkampf gezielt auf Abgrenzung von der AfD und personelle Zuspitzung. Ihre Kampagne, sich als „Die Frau gegen Blau“ zu präsentieren, stabilisiert die SPD klar über 30 Prozent und verbessert ihre persönliche Bewertung deutlich gegenüber AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm. Zugleich zeigt sich, dass diese Strategie nicht automatisch zu klaren Mehrheiten führt: Potenzielle Partner wie Linke und Grüne verharren im unteren zweistelligen oder gar im fünfprozentigen Bereich, was die Bildung stabiler Koalitionen erschweren könnte.
Druck auf CDU und kleinere Parteien
Für die CDU deutet sich ein historisch schlechtes Abschneiden an, mit Umfragewerten klar unter zehn Prozent. Die Partei sieht sich zwischen SPD und AfD eingeklemmt und kritisiert die starke Polarisierung, die ihrer Sicht nach vor allem die AfD stärkt. Kleinere Parteien wie Grüne, BSW und FDP kämpfen zugleich um Sichtbarkeit und den Einzug in den Landtag. Für die politische Landschaft des Landes könnte dies bedeuten, dass nach der Wahl komplexe Koalitionsverhandlungen anstehen, bei denen wenige Prozentpunkte über Regierungsbildung oder Oppositionsrolle entscheiden.
