Mecklenburg-Vorpommern, AfD

AfD holt 38,2 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und beansprucht Regierung

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 10:41 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern beansprucht AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm trotz fehlender Koalitionsoptionen den Regierungsauftrag. Zugleich kündigt er einen Corona-Untersuchungsausschuss und den Anspruch auf das Amt des Landtagspräsidenten an.

AfD bekräftigt Regierungsanspruch in Mecklenburg-Vorpommern
AfD-Wahlnachlese am 21.09.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat die AfD ihren Anspruch bekräftigt, im Nordosten die Regierung zu führen. Trotz fehlender Koalitionspartner sieht Spitzenkandidat Leif-Erik Holm seine Partei mit Blick auf das Wahlergebnis im Besitz eines Regierungsauftrags.

Holm: AfD beansprucht Regierungsauftrag

Holm erklärte am Montag in Berlin, er gehe zwar von einer rot-rot-grünen Landesregierung aus, sehe den Regierungsauftrag aber bei der AfD. Seine Partei sei deutlich stärkste Kraft geworden und wolle die Dinge für die Bürger verändern, die sich Änderungen wünschten, sagte er. Die AfD werde die anderen Parteien zu Gesprächen über eine Regierungsbildung einladen, auch wenn Holm nach eigenen Worten kaum Hoffnung auf positive Antworten hat.

Anspruch auf Schlüsselrolle im Landtag

Zugleich forderte Holm, der AfD im neuen Landtag alle Rechte einzuräumen, die einer starken Partei zustehen. Er gehe davon aus, dass die AfD diesmal auch den Landtagspräsidenten stellen werde. Dies bezeichnete er als wichtige Botschaft in die Bevölkerung. Mit dem Anspruch auf das Parlamentsamt unterstreicht die Partei ihren Anspruch auf eine zentrale Rolle in der Landespolitik.

Corona-Untersuchungsausschuss geplant

Darüber hinaus kündigte Holm die Einsetzung eines Corona-Untersuchungsausschusses an. Die AfD will damit Entscheidungen und Maßnahmen in der Pandemiezeit politisch und organisatorisch aufarbeiten lassen. Der Vorstoß knüpft an die bisherige Kritik der Partei an den Corona-Politiken von Bund und Land an und dürfte im neuen Landtag zu kontroversen Debatten führen.

Wahlergebnis bringt klare Mehrheiten

Bei der Wahl am Sonntag war die AfD mit 38,2 Prozent der Stimmen stärkste Kraft geworden, vor der SPD mit 35,5 Prozent. Zusammen mit weiteren linken Stimmen reicht es für eine rot-rot-grüne Koalition. Die CDU verpasste mit 4,9 Prozent erstmals in ihrer Geschichte den Einzug in ein Landesparlament. Auch das BSW blieb mit 4,8 Prozent unter der Fünf-Prozent-Hürde und ist im Landtag nicht vertreten.

Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern markiert einen Einschnitt in der politischen Landschaft des Bundeslandes. Mit 38,2 Prozent der Stimmen liegt die AfD zwar klar vor der SPD, kann aber mangels Koalitionspartner keine Regierung bilden. Rot-Rot-Grün bleibt damit rechnerisch möglich und dürfte den Kurs der bisherigen Landespolitik im Kern fortsetzen.

Politische Verschiebungen im Nordosten

Bemerkenswert ist der gleichzeitige Bedeutungsverlust der traditionellen Kräfte: Die CDU verpasst mit 4,9 Prozent erstmals den Einzug in den Landtag, das BSW bleibt mit 4,8 Prozent ebenfalls unter der Fünf-Prozent-Hürde. Damit reduziert sich das Parteienspektrum im Parlament deutlich, was die Mehrheitsverhältnisse klarer, aber den politischen Wettbewerb schmaler macht. Die AfD kann ihre Rolle als stärkste Oppositionskraft ausbauen und versucht daraus einen direkten Regierungsanspruch abzuleiten.

Konfliktlinien im neuen Landtag

Der Anspruch auf das Amt des Landtagspräsidenten und die Ankündigung eines Corona-Untersuchungsausschusses zeigen, in welche Richtung die AfD ihre Parlamentsarbeit profilieren will. Beide Vorstöße dürften auf erheblichen Widerstand der anderen Fraktionen stoßen, die bisher eine Zusammenarbeit mit der AfD weitgehend ausschließen. Für die Bürger bedeutet dies absehbar eine Legislaturperiode mit klaren Frontlinien: einer rot-rot-grünen Landesregierung auf der einen Seite und einer sehr starken, aber isolierten Oppositionspartei auf der anderen.

Folgen für Landes- und Bundespolitik

Über Mecklenburg-Vorpommern hinaus wird die Wahl als weiteres Beispiel dafür gesehen werden, dass die AfD in einzelnen Regionen zur stärksten Kraft werden kann, ohne daraus unmittelbare Regierungsbeteiligung abzuleiten. Dies verschärft bundesweit die Debatten über den Umgang mit der Partei und über Stabilität klassischer Koalitionsmodelle. Zugleich zwingt das schlechte Abschneiden der CDU und das Scheitern neuer Formationen wie BSW die übrigen Parteien, ihre Strategien im Osten Deutschlands zu überdenken.

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