AfD, Hackerangriff

AfD: Hacker veröffentlichen angeblich 421.000 E-Mails

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 18:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Unbekannte stellen angeblich Hunderttausende Nachrichten aus AfD-Postfächern ins Netz. Die Partei erklärt, aktuelle Mailkonten des Bundesverbands seien nicht betroffen, und lässt die Daten prüfen.

Betroffene Postfächer und nächste Prüfung

  • Die AfD macht einen Angriff auf ihren Hosting-Dienstleister im September 2026 für den Datendiebstahl verantwortlich.
  • Die Unbekannten sprechen von zehn Postfächern, darunter eines auf den Namen Alexander Gaulands.
  • Das BSI steht nach eigenen Angaben mit der AfD im Kontakt.
  • Unbekannte haben E-Mail-Konten der AfD angegriffen - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Parteien werden immer wieder zum Ziel von Cyber-Kriminellen - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
Unbekannte haben E-Mail-Konten der AfD angegriffen - Bild: Christoph Reichwein/dpa Parteien werden immer wieder zum Ziel von Cyber-Kriminellen - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

AfD prüft Veröffentlichung angeblicher E-Mails

Bei einem Hackerangriff auf die AfD sind nach Angaben der Partei vermutlich Daten aus einigen E-Mail-Konten kopiert worden. Unbekannte veröffentlichten im Internet nach eigenen Angaben rund 421.000 Nachrichten, deren Echtheit zunächst offen ist.

Angriff auf Hosting-Dienstleister

Die AfD teilte mit, im September 2026 sei ein Hosting-Dienstleister der Partei angegriffen worden. Dabei seien offenbar Teile einiger weniger Postfächer widerrechtlich kopiert worden, von denen die meisten seit Jahren nicht mehr genutzt worden seien.

Aktuelle E-Mail-Postfächer des AfD-Bundesverbands seien nicht betroffen gewesen. Die Unbekannten behaupteten, die Daten stammten aus zehn Konten, darunter ein Account auf den Namen des früheren AfD-Parteichefs Alexander Gauland sowie ein früher genutztes Kontaktkonto der Bundesgeschäftsstelle.

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Veröffentlichungsseite ohne Mailinhalte

Im Internet kursiert der Link zu einer anonymen Webseite, die eine Übersicht der angeblichen AfD-Mails zeigt. Die Seite wurde nach dpa-Recherchen erst Mitte Oktober registriert, nennt keine Herkunft der Daten und veröffentlicht selbst keine Mailinhalte.

Die angeblichen Inhalte sollen auf einem weiteren Download-Server liegen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik teilte mit, mit der AfD in Kontakt zu stehen; eine unabhängige Prüfung der Echtheit lag zunächst nicht vor.

AfD beendet Angriff nach eigenen Angaben rasch

Die Partei erklärte, der Angriff sei schnell erkannt und beendet worden. Alle Nutzer seien informiert worden; die Onlineveröffentlichung eines vermuteten Teils der Daten werde geprüft.

Die AfD bezeichnete den digitalen Angriff als illegal und strafrechtlich relevant. Sie kritisierte zudem, dass eine rudimentäre Künstliche Intelligenz Inhalte anhand von Schlagworten statt ihres Zusammenhangs analysiert habe.

Auch Landesverbände offenbar betroffen

Betroffen sei offenbar das zur AfD gehörende Unternehmen Alternita. Nach Angaben der Partei hätten die Hacker unter anderem Zugriff auf Mails der Landesverbände Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern gehabt.

Es gehe dem Anschein nach um ältere Postfächer, während einzelne darin enthaltene Nachrichten vergleichsweise aktuell seien. Einige AfD-Mailkonten hätten bereits vor einigen Wochen nicht funktioniert und seien damals wegen eines Angriffs abgeschaltet worden.

Parteien bleiben Ziele von Cyberangriffen

Cyberangriffe auf Parteien und staatliche Stellen treten wiederholt auf. Zuletzt drangen Hacker in das E-Mail-Konto der Heilbronner CDU ein und verschickten von dort Phishing-Nachrichten an politische Kontakte.

Die Bundes-CDU war im Mai 2024 Ziel einer großen Cyberattacke, bei der Teile der IT-Infrastruktur vorsorglich vom Netz genommen wurden. Ende 2022 und Anfang 2023 waren außerdem E-Mail-Konten der SPD-Parteizentrale betroffen; Sicherheitsbehörden ordneten den Angriff später einer vom russischen Militärgeheimdienst GRU gesteuerten Gruppierung zu.

Der Angriff auf die AfD reiht sich in eine Serie digitaler Attacken auf politische Parteien und staatliche Einrichtungen ein. Betroffen sind dabei nicht nur zentrale IT-Systeme, sondern auch einzelne Postfächer, Dienstleister und veraltete Konten. Gerade solche Altbestände können ein Sicherheitsrisiko darstellen, wenn Zugänge nicht konsequent abgeschaltet, archiviert oder mit aktuellen Schutzmaßnahmen abgesichert werden.

Für die Bewertung des Vorfalls sind zwei Ebenen zu unterscheiden: der mutmaßliche Diebstahl von Daten und die anschließende Veröffentlichung im Internet. Selbst wenn ein Teil der Dateien echt sein sollte, sagt die bloße Zahl von rund 421.000 E-Mails zunächst wenig über deren Inhalt, Aktualität oder politische Bedeutung aus. Entscheidend sind die forensische Prüfung, die Sicherung möglicher Beweise und der Schutz betroffener Personen vor einer weiteren Verbreitung persönlicher Daten.

Politische Kommunikation als Angriffsfläche

Parteien verwalten sensible Informationen über Mitglieder, interne Abläufe und politische Kontakte. Angriffe können deshalb neben Datenschutzproblemen auch die öffentliche Meinungsbildung beeinflussen, wenn Inhalte aus dem Zusammenhang gerissen oder automatisiert bewertet werden. Die Mitteilung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik über den Kontakt zur AfD zeigt zugleich, dass der Vorgang in die allgemeine Zusammenarbeit zwischen Parteien und staatlichen Cybersicherheitsstellen fällt.

Für Bürgerinnen und Bürger bleibt vor allem relevant, ob aktuelle Konten betroffen waren, ob persönliche Daten veröffentlicht wurden und ob aus dem Vorfall Konsequenzen für den Schutz politischer Organisationen entstehen. Die AfD kündigte eine Prüfung an; belastbare Aussagen über Umfang und Echtheit der Daten hängen daher von deren Abschluss ab.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „AfD bestätigt Hackerangriff auf E-Mail-Konten“ (20.10.2026)

Der Beitrag bestätige den Angriff auf wenige, überwiegend nicht mehr genutzte Postfächer und nenne ebenfalls rund 421.000 angebliche E-Mails. Einen Schwerpunkt setze er auf die anonyme Veröffentlichungsseite, mögliche betroffene Inhalte und die weiterhin offene Echtheit der Daten.

ZDFheute: „Hackerangriff auf E-Mail-Konten der AfD: Daten online aufgetaucht“ (20.10.2026)

Der Beitrag bestätige den Angriff im September und die Angaben zu den mutmaßlich erbeuteten E-Mails. Anders als die ausführlichere Darstellung der technischen und möglichen persönlichen Inhalte konzentriere er sich stärker auf die Erklärung der Partei und die Prüfung der Veröffentlichung.

Beide Beiträge stimmten beim Angriff, der Zahl der angeblichen E-Mails und der fehlenden abschließenden Bewertung ihrer Echtheit überein. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung möglicher Inhalte und beim Umfang der Hintergrundinformationen.

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