Sivers, Semiconductors

Sivers Semiconductors Aktie: 9,75-Prozent-Sturz auf 4,82 Euro

02.07.2026 - 16:05:02 | boerse-global.de

Sivers Semiconductors verliert nach Kapitalerhöhung massiv an Börsenwert. Analysten kritisieren mangelnde Transparenz bei Lock-up-Vereinbarungen.

Sivers Semiconductors: Kapitalerhöhung erschüttert das Anlegervertrauen
Sivers - Dunkle und turbulente Szene einer Halbleiterfertigung mit Mikrochips und Leiterplatten, die einen Marktabschwung andeutet. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Zwei Tage, zwei zweistellige Verluste. Die Aktie von Sivers Semiconductors bricht am Donnerstag um weitere 9,75 Prozent auf 4,82 Euro ein. Bereits am Vortag war das Papier um mehr als zehn Prozent gefallen. Auslöser ist eine Kapitalerhöhung, die bei Marktbeobachtern Zweifel an der Kommunikationspolitik des schwedischen Halbleiterherstellers weckt.

Millionen-Finanzierung unter Beschuss

Am 1. Juli kündigte Sivers eine gezielte Aktienplatzierung an. Das Unternehmen sammelt rund 700 Millionen schwedische Kronen ein, umgerechnet etwa 71,8 Millionen Dollar. Dafür gibt Sivers 12.280.701 neue Stammaktien zu je 57 Kronen aus.

Das Geld soll in den Ausbau der Produktion von Indiumphosphid-Lasern und optischen Verstärkern fließen. Diese Bauteile sind zentral für KI-Rechenzentren und LiDAR-Systeme in Fahrzeugen. Zusätzlich will Sivers seine Vertriebsmannschaft vergrößern und mehr in Forschung investieren.

Die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri sprach von „Warnsignalen" bei der Emission. Kritisiert wird eine mögliche Abweichung von früheren Lock-up-Zusagen sowie mangelnde Transparenz. Konkret geht es um die Berechnung einer Sperrfrist aus einer Emission vom 16. April 2026. Sivers hatte einen Ablauf zum 16. Juli angegeben — aus Sicht der Zeitung ein erneuter Bruch bestehender Lock-up-Vereinbarungen.

Sivers selbst hatte bereits offengelegt, dass die Investmentbank Pareto Securities eine Ausnahme gewährte. Damit konnte das Unternehmen die neue Aktienplatzierung trotz einer eigentlich 180 Tage laufenden Sperrfrist aus dem April-Deal durchführen. Für die aktuelle 700-Millionen-Kronen-Emission hat sich Sivers nun zu einer neuen Sperrfrist von 120 Kalendertagen verpflichtet.

Strategie: KI-Photonik und US-Listing

Trotz der scharfen Kursreaktion bleibt die strategische Stoßrichtung klar. Sivers will seine Fertigungskapazitäten für optische Komponenten ausbauen, die für Co-Packaged Optics und Silizium-Photonik gebraucht werden. Beide Technologien gelten als Schlüsselbausteine für KI-Infrastruktur.

Parallel dazu treibt das Unternehmen ein Dual-Listing an der Nasdaq in den USA voran. Die Notierung soll in den kommenden Quartalen abgeschlossen werden. Ziel ist ein besserer Zugang zu US-Kapital — und eine engere Anbindung an die eigene Kundenbasis in den Bereichen KI und LiDAR.

Charttechnik zeigt tiefe Wunden

Der aktuelle Kurs von 4,82 Euro liegt fast 53 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro vom 3. Juni. Allein in den vergangenen 30 Tagen hat die Aktie fast 45 Prozent verloren. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 6,12 Euro — auch davon hat sich der Kurs mit gut 21 Prozent Abstand deutlich entfernt.

Die Schwankungsbreite bleibt extrem hoch. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 221 Prozent. Der RSI von 36,8 signalisiert eine überverkaufte Situation, ohne dass dies bislang eine Stabilisierung ausgelöst hätte.

Ein Blick auf die längere Frist relativiert das Bild allerdings. Vom 52-Wochen-Tief bei 0,27 Euro im März aus hat sich die Aktie mehr als verzwanzigfacht.

Analystenstimme bleibt bullish

Nicht alle Marktteilnehmer sehen die Entwicklung negativ. Der unter dem Namen Serenity bekannte Einzelanalyst, in Fachkreisen auch „weißhaariger Aktien-Gott" genannt, bezeichnet Sivers als eine „einmalige Generationen-Chance" im Bereich InP-Laser für CPO und Silizium-Photonik. Er verweist darauf, dass die jüngste Kapitalerhöhung überzeichnet war.

Als wichtige Katalysatoren nennt Serenity das geplante US-Listing sowie eine anstehende Qualifizierung bei WIN Semiconductors. Gleichzeitig räumt er Risiken bei Umsetzung, Verwässerung und Wettbewerb ein. Das US-Listing könnte die Aktie neu bewerten lassen — vorausgesetzt, Sivers erreicht seine Fertigungs- und Zertifizierungsziele im Bereich KI-Photonik.

Ob das gelingt, hängt maßgeblich von der Qualifizierung der eigenen Technologie bei Schlüsselkunden ab. Auch der Hochlauf der InP-Laser-Produktion muss reibungslos verlaufen. Die kommenden Monate bis zum geplanten Nasdaq-Listing dürften zeigen, ob die aktuelle Kritik an der Kapitalerhöhung ein vorübergehendes Störfeuer bleibt oder tiefere Vertrauensschäden hinterlässt.

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