Scottish Mortgage: Anthropic-IPO ab Oktober 2026
18.06.2026 - 04:13:33 | boerse-global.de
Scottish Mortgage steckt in einem Dilemma. Das Portfolio des britischen Investmenttrusts ist durch den SpaceX-Börsengang mächtiger geworden — und gleichzeitig unhandlicher. Jetzt wartet die nächste große Wette auf ihre Einlösung.
SpaceX hat das Portfolio umgebaut
Am 12. Juni debütierte SpaceX an der Nasdaq. Der Raketenkonzern platzierte 556 Millionen Aktien zu je 135 Dollar. Am ersten Handelstag kletterte der Kurs auf rund 161 Dollar. Für Scottish Mortgage war das ein Segen — und ein strukturelles Problem.
SpaceX macht mittlerweile rund 21 Prozent der gesamten Portfoliowerte aus. Der Anteil nicht börsennotierter Beteiligungen stieg dadurch auf 41,4 Prozent — von 27,5 Prozent vor einem Jahr. Das selbst auferlegte Limit des Trusts liegt bei 30 Prozent. Es ist längst überschritten.
AGM in Edinburgh entscheidet über den Kurs
Am 2. Juli stimmen die Aktionäre in Edinburgh über eine entscheidende Frage ab: Soll das Limit für nicht börsennotierte Beteiligungen dauerhaft angehoben werden? Der Vorstand beantragt eine Erhöhung des Rahmens um 250 Millionen Pfund — jährlich erneuerbar.
Lehnen die Aktionäre ab, könnte das Management gezwungen sein, Beteiligungen zu verkaufen. Ausgerechnet jene, auf deren Börsengänge der Trust seit Jahren wartet. Neben SpaceX hält Scottish Mortgage Anteile an ByteDance, Databricks und Stripe.
Anthropic: Fast eine Billion Dollar wert
Der nächste potenzielle Katalysator ist Anthropic. Der Entwickler des KI-Assistenten Claude reichte am 1. Juni vertraulich einen Börsenprospekt bei der SEC ein. Nach einer Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Dollar bewertet der Markt Anthropic mit rund 965 Milliarden Dollar. Analysten rechnen mit einem formellen Listing ab Oktober 2026.
Scottish Mortgage hält die Anthropic-Beteiligung mit rund 400 Millionen Pfund in den Büchern — etwa 2,6 Prozent des Portfolios. Ein erfolgreicher Börsengang würde den Buchwert neu setzen und eine weitere Neubewertung erzwingen. Nach oben oder unten, je nach Marktaufnahme.
Rückkäufe, Dividende, Makrogegenwind
Parallel läuft ein aggressives Aktienrückkaufprogramm. Allein am 16. Juni kaufte der Trust 2,325 Millionen eigene Aktien zurück — zum Durchschnittspreis von 1.486,19 Pence. Das war doppelt so viel wie am Vortag. Im Geschäftsjahr bis März 2026 erwarb Scottish Mortgage insgesamt rund 122,9 Millionen Aktien für 1,31 Milliarden Pfund. Künftig greift das Programm nur noch, wenn die Aktie unter dem Nettoinventarwert notiert.
Die Dividende stieg um 4,3 Prozent auf 4,57 Pence je Aktie — das 43. Jahr in Folge mit Wachstum. Allerdings überstieg die Gesamtausschüttung von 49,6 Millionen Pfund den Nettogewinn von 25,6 Millionen Pfund.
Das makroökonomische Umfeld bleibt belastend. Ein starker US-Arbeitsmarktbericht hat die implizite Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Dezember 2026 auf über 80 Prozent getrieben. Wachstumsorientierte Portfolios spüren das. Hinzu kommen laut einer Bain-Analyse sinkende Software-Bewertungen und ein Einbruch des Technologie-Dealvolumens um 70 Prozent zwischen dem vierten Quartal 2025 und Anfang 2026.
Starke Langfristbilanz, aber Gegenwind im Kurzfristchart
Über das Geschäftsjahr bis März 2026 erzielte der Nettoinventarwert eine Gesamtrendite von 27,4 Prozent — deutlich besser als die 18,0 Prozent des FTSE All-World. Über zehn Jahre summiert sich die NAV-Rendite auf 435 Prozent, der Vergleichsindex kam auf 234 Prozent.
Die Aktie schloss zuletzt bei 16,91 Euro und liegt damit 13 Prozent unter dem Jahreshoch vom Mai. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 21,7 Prozent. Institutionelles Vertrauen zeigt sich bei Mitsubishi UFJ Asset Management: Der japanische Vermögensverwalter überschritt Anfang Juni die Drei-Prozent-Schwelle und hält nun rund 33,6 Millionen Anteile.
Der AGM am 2. Juli ist damit mehr als eine Formsache. Stimmen die Aktionäre gegen die Anhebung des Limits, könnte Scottish Mortgage gezwungen sein, Beteiligungen abzugeben — kurz bevor Anthropic an die Börse geht.
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