Zeiterfassung wird zum Stressfaktor für Beschäftigte
03.01.2026 - 20:00:12Seit Jahresbeginn verschärft sich die digitale Arbeitszeiterfassung in vielen Unternehmen. Was als rechtliche Notwendigkeit begann, entwickelt sich laut Experten zu einem massiven Stressfaktor. Arbeitspsychologen und Gewerkschaften warnen vor den psychischen Folgen der lückenlosen Überwachung.
Zum 1. Januar traten in zahlreichen Branchen neue Systeme in Kraft. Sie protokollieren Arbeitszeiten nun minutengenau. Ein prominentes Beispiel ist der Verkehrssektor: Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bestätigt ein vollständig überarbeitetes Erfassungssystem.
Hintergrund ist ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 2022. Es verpflichtet Arbeitgeber zur systematischen Zeiterfassung. Um Klagen zu entgehen, setzen Firmen nun auf digitale Lösungen. Diese gehen oft über reines Stempeln hinaus – sie tracken Aktivitäten und Standorte.
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Für viele Beschäftigte bedeutet das das Ende flexibler Modelle. Der „gläserne Mitarbeiter“ wird zur arbeitsrechtlichen Realität. Doch wie wirkt sich diese ständige Kontrolle auf die Psyche aus?
Burnout-Risiko steigt durch digitalen Druck
Aktuelle Daten zeigen ein alarmierendes Bild. Die „Workplace Insights“-Studie von Ende 2025 identifiziert die 31- bis 40-Jährigen als besonders gefährdet. Ihr Burnout-Risiko liegt bei rund 18 Prozent.
Als Haupttreiber nennen Forscher:
* Zeitdruck durch starre Erfassungssysteme
* Häufige Unterbrechungen im Arbeitsfluss
* Emotionale Anforderungen bei gleichzeitiger Kontrolle
Die ständige Vermessung der Arbeit erzeugt eigenen Stress. Experten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz sprechen von „Digitalem Stress“. Beschäftigte passen ihr Verhalten an, um Fleiß zu signalisieren – oft auf Kosten echter Produktivität.
Unternehmen agieren im rechtlichen Blindflug
Ein weiteres Problem ist die unklare Gesetzeslage. Zwar ist die Erfassungspflicht rechtlich gesetzt, doch ein modernes Arbeitszeitgesetz fehlt. Unternehmen müssen Systeme implementieren, ohne finale Standards zu kennen.
Diese Unsicherheit führt zu restriktiven Lösungen. Viele Firmen wählen vorsichtshalber strengere Systeme als nötig. Die Politik hat es versäumt, Flexibilität und Arbeitsschutz zu versöhnen.
Gleichzeitig zeigt eine Erhebung von Union Investment eine Lücke: Während 90 Prozent der Beschäftigten mentale Gesundheit als wichtig erachten, fühlt sich weniger als die Hälfte vom Arbeitgeber ernst genommen.
Betriebsräte fordern entschärfte Systeme
Für 2026 erwarten Branchenkenner mehr Auseinandersetzungen. Betriebsräte werden ihr Mitbestimmungsrecht nutzen, um Systeme durchzusetzen, die dokumentieren – aber nicht kontrollieren.
Der Druck auf den Gesetzgeber wächst. Sollte das Arbeitszeitgesetz reformiert werden, fordern Experten expliziten Schutz vor digitaler Überwachung. Bis dahin bleibt es eine Gratwanderung für Unternehmen: zwischen rechtlicher Compliance und einer gesunden Vertrauenskultur.
Die Frage ist: Wird die Zeiterfassung zum Instrument des Arbeitsschutzes – oder treibt sie die Burnout-Statistiken weiter in die Höhe? Die ersten Wochen des neuen Jahres geben bereits eine Ahnung.
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