Tarifverhandlungen, Versicherungs-Außendienst

Tarifverhandlungen für Versicherungs-Außendienst starten zäh

20.03.2026 - 00:00:34 | boerse-global.de

Die erste Tarifrunde für den Versicherungsaußendienst endete ergebnislos. Hauptstreitpunkte sind die dreijährige Laufzeit des Angebots und die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Beruf.

Tarifverhandlungen für Versicherungs-Außendienst starten zäh - Foto: über boerse-global.de
Tarifverhandlungen für Versicherungs-Außendienst starten zäh - Foto: über boerse-global.de

Die erste Verhandlungsrunde für den angestellten Außendienst der Versicherungsbranche ist ergebnislos zu Ende gegangen. Die Fronten zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern sind vor allem in der Laufzeit des neuen Tarifvertrags verhärtet. Die Digitalisierung der Branche verschärft den Konflikt zusätzlich.

Am 16. März 2026 trafen sich die Verhandlungsparteien in Wuppertal, um einen neuen Manteltarifvertrag für rund 32.000 Außendienstmitarbeiter auszuhandeln. Der alte Vertrag lief bereits am 28. Februar aus. Die erste Runde offenbarte jedoch tiefe Gräben. Im Zentrum des Streits stehen die Vertragslaufzeit und die Höhe der Gehaltsanpassungen. Der Branchenwandel durch digitale Vertriebsmodelle und künstliche Intelligenz (KI) heizt die Debatte weiter an.

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Arbeitgeber bieten 9,5 Prozent über drei Jahre

Der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen (AGV) legte in Wuppertal sein erstes Angebot vor. Es sieht eine Laufzeit von 36 Monaten vor. Die Gehälter sollen in drei Stufen um insgesamt knapp 9,5 Prozent steigen.

Die erste Erhöhung wäre allerdings erst für November 2026 vorgesehen. Weitere folgen im November 2027 und 2028. Die prozentualen Steigerungen variieren leicht je nach Erfahrungsstufe der Mitarbeiter im akquirierenden Außendienst. Für erfahrenes Personal sind Steigerungen von 4,49, 2,98 und 2,01 Prozent geplant. Der AGV begründet die lange Laufzeit mit der notwendigen Planungssicherheit für die Versicherer in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten.

Gewerkschaften fordern kurze Laufzeit von zwölf Monaten

Die Gewerkschaften Verdi und Deutscher Bankangestellten-Verband (DBV) lehnten das Angebot umgehend ab. Hauptkritikpunkt ist die dreijährige Laufzeit. Sie fordern eine Vertragsdauer von nur zwölf Monaten.

Aus Sicht der Gewerkschaften bindet ein Dreijahresvertrag die Beschäftigten zu lange und schützt nicht ausreichend vor möglicher Inflation. Die erste reale Gehaltserhöhung im November 2026 komme zudem zu spät, um aktuelle Kaufkraftverluste auszugleichen. Der Außendienst sei besonders anfällig für Konjunkturschwankungen, da das Einkommen stark von Provisionen abhänge.

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Neben der Entlohnung stehen auch strukturelle Veränderungen auf der Agenda. Die Gewerkschaften verweisen auf den wachsenden Verwaltungsaufwand durch strenge Compliance-Vorgaben. Der Beruf wandele sich vom Verkäufer zum regulierten Berater – das müsse sich im Festgehalt niederschlagen.

Vorbild Innendienst und der Druck der Digitalisierung

Die Gewerkschaften orientieren sich am Tarifabschluss für den Versicherungs-Innendienst vom Juli 2025. Damals erhielten etwa 180.000 Beschäftigte 8,3 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von 26 Monaten. Entscheidend war eine Vereinbarung, einen separaten Transformationstarifvertrag zu verhandeln.

Dieser soll die Folgen der Digitalisierung regeln – von Arbeitsbelastung bis zum Einsatz von KI. Genau diesen Schutz fordern Verdi und DBV nun auch für den Außendienst. KI-gestützte Tools verändern die Arbeitswelt der Versicherungsvertreter grundlegend, etwa bei der Lead-Generierung oder der Leistungsüberwachung. Die Gewerkschaften fürchten eine intensivierte Kontrolle und sich ständig verschärfende Zielvorgaben.

Droht ein Arbeitskampf?

Nach der gescheiterten ersten Runde bereiten sich beide Seiten auf die nächsten Verhandlungen Ende April 2026 vor. Die mehrwöchige Pause nutzen die Gewerkschaften, um ihre Mitglieder zu mobilisieren.

Branchenbeobachter halten Warnstreiks für wahrscheinlich, sollte sich die AGV nicht deutlich bewegen. Solche Aktionen könnten den Betrieb großer Versicherer spürbar treffen, vor allem bei der Neukundengewinnung. Für die Branche geht es um mehr als Lohnerhöhungen. Sie muss den Außendienstberuf in einem digitalisierten Arbeitsmarkt attraktiv halten.

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