Studie: Sport wirkt gegen Depressionen wie Therapie
12.02.2026 - 07:22:12Eine neue, umfassende Studie bestätigt: Sport lindert Depressionen und Ängste ähnlich gut wie eine Psychotherapie oder Medikamente. Die im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Analyse wertete Dutzende früherer Meta-Studien aus und liefert eine der bisher stärksten Evidenzen für die therapeutische Kraft von Bewegung. Diese Erkenntnisse könnten die Behandlung für Millionen Menschen verändern.
Die Studie kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Weltweit sind laut WHO über 280 Millionen Menschen von Depressionen betroffen, in Deutschland fast 9,5 Millionen. Viele Patienten suchen nach ergänzenden Ansätzen zu etablierten Therapien. Die neue Forschung zeigt: Bewegung ist eine wirksame und zugängliche Option.
Umbrella-Review fasst klare Beweislage zusammen
Die aktuelle Umbrella-Review aus Australien fasst die Ergebnisse von 57 Metaanalysen zu Depressionen und 24 zu Ängsten zusammen. Das zentrale Ergebnis: Körperliche Aktivität reduziert die Symptome moderat, aber signifikant. Die Wirksamkeit zeigte sich in allen untersuchten Gruppen – bei Erwachsenen, Jugendlichen, älteren Menschen und sowohl mit als auch ohne klinische Diagnose.
Diese Befunde werden durch einen weiteren wichtigen Review gestützt. Ein aktualisierter Cochrane-Review aus Januar 2026, basierend auf 73 Studien, kam zu einem ähnlichen Schluss: Die positive Wirkung von Sport auf depressive Symptome kann mit der von Psychotherapie oder Antidepressiva vergleichbar sein. Diese Übereinstimmung hochrangiger Reviews festigt die wissenschaftliche Basis.
Welche Sportart hilft am besten?
Für Betroffene und Therapeuten stellt sich die Frage nach der optimalen Aktivität. Die Studien zeigen: Verschiedene Sportarten wirken, aber es gibt Trends.
* Gehen/Joggen, Yoga und Krafttraining zählen zu den effektivsten Modalitäten.
* Interessanterweise scheint Krafttraining bei Frauen eine stärkere Wirkung zu entfalten, während Yoga und Qigong bei Männern effektiver waren.
* Kombinierte Programme aus Ausdauer- und Krafttraining könnten wirksamer sein als reines Aerobic.
Auch die Intensität spielt eine Rolle. Höhere Belastung geht oft mit einer stärkeren Symptomverbesserung einher. Leichte bis moderate Aktivität ist jedoch ebenfalls sehr hilfreich – und erhöht die Chance, langfristig dabeizubleiben. Letztlich ist die beste Sportart die, die man regelmäßig und gerne macht.
Krafttraining zeigte in den Studien besondere Vorteile – vor allem für ältere Erwachsene kann gezieltes Muskeltraining Stimmung, Schlaf und Alltagskraft deutlich verbessern. Ein kostenloses E‑Book stellt sechs einfache, zuhause durchführbare Kraftübungen vor, die ohne Studio auskommen und sich leicht in den Alltag integrieren lassen. Jetzt gratis Krafttrainings-E-Book sichern
So verändert Bewegung das Gehirn
Die antidepressive Wirkung ist kein reines Gefühl, sondern hat handfeste neurobiologische Ursachen. Sport kurbelt die Produktion von Stimmungs-Botenstoffen wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin an. Zudem wird der Wachstumsfaktor BDNF freigesetzt, der im Gehirn die Bildung neuer Nervenzellen anregt.
Darüber hinaus hilft Bewegung, negatives Grübeln zu durchbrechen, verbessert die Schlafqualität und bringt Struktur in den Tag. Bei Gruppensport fördert sie soziale Kontakte. Das Erreichen sportlicher Ziele stärkt zudem das Gefühl der Selbstwirksamkeit – ein wichtiger Gegenpol zur Hilflosigkeit bei Depressionen.
Warum Sport noch nicht auf Rezept steht
Die wissenschaftliche Beweislage ist klar, die Umsetzung in die Praxis jedoch harzig. Zwar empfehlen deutsche Leitlinien Bewegungstherapie bereits als unterstützende Maßnahme. Die flächendeckende Finanzierung durch die Krankenkassen steht aber noch aus.
Ein deutsches Pilotprojekt namens „STEP.De“ scheiterte vorerst an dieser Hürde. Nach positiven ersten Ergebnissen wurde eine Übernahme in die Regelversorgung im März 2024 zurückgenommen. Grund waren statistische Unsicherheiten, ob Sporttherapie einer alleinigen Psychotherapie ebenbürtig ist. Dieser Rückschlag zeigt die hohen Hürden für neue Versorgungsformen – trotz unbestrittener Wirksamkeit.
Die Zukunft: Personalisierte Bewegung als Therapie
Die Zukunft der Depressionsbehandlung liegt wahrscheinlich in integrierten, maßgeschneiderten Ansätzen. Die aktuellen Studien werden den Druck auf die Gesundheitssysteme erhöhen, bewegungsorientierte Therapien besser zugänglich zu machen. Nötig sind nun größere Studien, um die optimale „Dosis“ und Art der Bewegung für verschiedene Patientengruppen zu bestimmen.
Bis Bewegung offiziell „auf Rezept“ verschrieben wird, können die Erkenntnisse schon heute genutzt werden. Ärzte und Therapeuten sind angehalten, Patienten aktiv zu motivieren und sie bei der Überwindung des typischen Antriebsmangels zu unterstützen. Die Botschaft der Forschung ist eindeutig: Bewegung ist ein zentraler und wirksamer Baustein für die psychische Gesundheit.
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