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Studie: Junge Menschen kommen mit Wunschdiagnose in die Praxis

11.02.2026 - 19:53:12

Eine österreichische Untersuchung zeigt, dass immer mehr Patienten mit vorgefertigten Diagnosen in Praxen kommen, häufig beeinflusst durch Social Media und Online-Tests.

Eine neue Studie aus Österreich zeigt: Immer mehr junge Menschen suchen psychologische Hilfe mit einer festen Selbstdiagnose auf. Diese basiert oft auf Online-Tests und Social-Media-Inhalten. Experten sehen darin Chancen, aber auch erhebliche Risiken.

Social Media befeuert den Trend zur Selbstdiagnose

Die Untersuchung der Karl Landsteiner Universität in Krems liefert alarmierende Zahlen. 73 Prozent der befragten 93 klinischen Psychologen berichten, dass Patienten heute häufiger mit einer vorgefertigten Diagnose in die Praxis kommen. Besonders betroffen sind neurologische Entwicklungsstörungen wie ADHS und Autismus.

Die Forscher um Studienleiter Matthias Neumann sehen einen klaren Zusammenhang mit sozialen Medien. Kurze, zugespitzte Videos können den Eindruck erwecken, alltägliche Probleme ließen sich eindeutig einer spezifischen Diagnose zuordnen. Das befeuert die Suche nach einer „Wunschdiagnose“.

Online-Tests: Orientierungshilfe oder gefährlicher Irrweg?

Zahlreiche Plattformen bieten kostenlose Fragebögen zu Depression, Angst oder Burnout an. Viele basieren auf wissenschaftlich validierten Tests, oft aber in verkürzter Form. Ihr Zweck: eine erste Einschätzung geben und die Selbstreflexion anregen.

Doch Experten betonen einen entscheidenden Punkt: Ein Online-Test kann niemals eine ärztliche Diagnose ersetzen. Er ist höchstens ein Ausgangspunkt. Die unkritische Nutzung führt jedoch zu einer problematischen Erwartungshaltung gegenüber Fachpersonal.

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Der rasante Markt der Mental-Health-Apps

Selbsttests sind Teil eines größeren Booms. Der globale Markt für Mental-Health-Apps soll bis 2030 auf über 17,5 Milliarden US-Dollar wachsen. Diese Apps bieten Stimmungstracking, Meditation oder KI-Chatbots. Sie machen Hilfe zugänglicher, doch die wissenschaftliche Fundierung ist oft unklar.

Die große Herausforderung: Aufklärung

Die gestiegene Auseinandersetzung mit psychischer Gesundheit ist grundsätzlich positiv. Sie zeigt, dass das Thema an Stigmatisierung verliert. Die Kehrseite: Psychologen müssen nun nicht nur diagnostizieren, sondern auch festgefahrene Überzeugungen ihrer Patienten moderieren.

Die Zukunft der Selbsteinschätzung wird digital bleiben. KI wird die Tools noch ausgefeilter machen. Die Verantwortung der Anbieter für Transparenz wächst. Gleichzeitig muss die Gesundheitskompetenz der Nutzer gestärkt werden. Nur so können digitale Werkzeuge den Weg zur professionellen Hilfe ebnen – statt ihn zu verbauen.

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