Studie, Impostor-Syndrom

Studie: Impostor-Syndrom treibt Onkologen in den Burnout

12.03.2026 - 00:00:19 | boerse-global.de

Eine globale Studie zeigt, dass über ein Drittel der befragten Onkologen unter dem Hochstapler-Phänomen leidet, was ein signifikanter Treiber für die hohe Burnout-Rate von 56 Prozent ist.

Studie: Impostor-Syndrom treibt Onkologen in den Burnout - Foto: über boerse-global.de
Studie: Impostor-Syndrom treibt Onkologen in den Burnout - Foto: über boerse-global.de

Eine neue globale Studie schlägt Alarm: Das Impostor-Syndrom ist ein massiver Treiber für Burnout unter Onkologen. Über ein Drittel der befragten Fachkräfte leidet unter dem Gefühl, ihre Erfolge nicht zu verdienen – mit dramatischen Folgen für die psychische Gesundheit und das Versorgungssystem.

Jeder Zweite zeigt Burnout-Symptome

Ein Forschungsteam um Dr. Enes Erul von der Universität Ankara befragte 542 Onkologen aus 55 Ländern. Die Ergebnisse sind erschütternd: 56,1 Prozent der Teilnehmer erfüllen die Kriterien für einen Burnout. Noch deutlicher wird das Bild beim Blick auf die psychologischen Ursachen.

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34,1 Prozent litten unter stark ausgeprägten Hochstapler-Gefühlen. Bei 38 Prozent fanden die Forscher zudem einen schädlichen Perfektionismus. Beide Faktoren identifiziert die Studie als signifikante Risikotreiber für die totale Erschöpfung. Besonders betroffen sind Berufsanfänger und Ärzte in frühen Karrierephasen.

Die zerstörerische Kraft des Selbstzweifels

Das Impostor-Syndrom ist keine offizielle Diagnose, aber eine mächtige kognitive Verzerrung. Betroffene schreiben ihre Erfolge stets externen Faktoren wie Glück zu und fürchten ständig, als Betrüger entlarvt zu werden. Diese innere Anspannung führt zu chronischem Stress.

Die Studie zeigt: Selbst objektiv hochqualifizierte und erfolgreiche Menschen wie Studienleiter Dr. Erul können betroffen sein. Er initiierte die Forschung, nachdem er das Phänomen bei sich selbst erkannt hatte. Ihm fiel es schwer, Anerkennung für eigene Publikationen anzunehmen.

Wenn Perfektionismus krank macht

Die Studie unterscheidet zwei Formen des Perfektionismus. Der schädliche, "maladaptive" Typ treibt in die Erschöpfung. Betroffene setzen sich extrem hohe Ziele, sind aber nie mit ihrer Leistung zufrieden. Beim Impostor-Syndrom blockiert diese Unzufriedenheit jede positive Selbstwahrnehmung.

Die Folge ist eine Spirale aus Überarbeitung und Überkompensation. Arbeitspsychologen warnen: Dieser Mechanismus beschert Kliniken zwar kurzfristig hochproduktive Mitarbeiter, brennt sie aber langfristig aus. Ein gesunder, "adaptiver" Perfektionismus kann dagegen sogar vor Burnout schützen.

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Fachwelt fordert kulturellen Wandel

Die Ergebnisse stoßen in der Medizin auf große Resonanz. Sie bestätigen frühere regionale Befunde, etwa einer US-Studie von 2023. Experten kritisieren, dass das Thema in Kliniken oft nur hinter vorgehaltener Hand besprochen wird. Die Angst vor Stigmatisierung ist groß.

Organisationen wie die European Society for Medical Oncology (ESMO) haben reagiert. Eine eigens eingerichtete Task Force arbeitet daran, Strategien zur Resilienzförderung im Klinikalltag zu verankern. Doch individuelle Widerstandsfähigkeit allein reicht nicht aus.

Die Autoren fordern einen umfassenden kulturellen Wandel. Neben der Reduzierung der Arbeitslast braucht es evidenzbasierte psychologische Interventionen. Mentoring-Programme, in denen erfahrene Kollegen helfen, Selbstzweifel einzuordnen, werden als Schlüssel gesehen. Die Zukunft der Patientenversorgung hängt auch davon ab, ob es gelingt, diese fatale Spirale zu durchbrechen.

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