Smartbrille, Gericht

Smartbrille vor Gericht: Richterin verwirft ganze Zeugenaussage

22.03.2026 - 00:00:37 | boerse-global.de

Ein Kläger nutzte eine Smartbrille, um sich Antworten vorsagen zu lassen. Das Londoner Gericht erklärte seine gesamte Aussage für ungültig und setzt damit einen Präzedenzfall.

Smartbrille vor Gericht: Richterin verwirft ganze Zeugenaussage - Foto: über boerse-global.de
Smartbrille vor Gericht: Richterin verwirft ganze Zeugenaussage - Foto: über boerse-global.de

Ein Kläger hat sich vor dem Londoner High Court per Smartbrille Antworten einflüstern lassen. Die Entdeckung dieses Betrugsversuchs führte zu einem beispiellosen Urteil: Die Richterin erklärte die gesamte Aussage des Mannes für ungültig.

Ein langer Blick auf die Brille

Der Vorfall ereignete sich während eines neuntägigen Zivilprozesses um eine Immobilienfirma. Beim Kreuzverhör fiel Richterin Raquel Agnello KC auf, dass der klagende Geschäftsmann Laimonas Jakstys vor seinen Antworten ungewöhnlich lange pausierte. Gleichzeitig meldeten Verteidigung und Dolmetscherin seltsame Störgeräusche.

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Auf Anordnung der Richterin nahm der Kläger seine Brille ab – es handelte sich um ein smartes Modell. Sekunden später begann sein Handy lautstark, die Stimme einer anderen Person zu übertragen. Die Ermittlungen ergaben: Die Brille war per Bluetooth mit dem Telefon verbunden gewesen. So hörte nur der Träger die heimlichen Eingaben.

Von ChatGPT bis zum Taxifahrer

Nach der Enttarnung lieferte der Geschäftsmann kuriose Erklärungen. Zunächst behauptete er, die Sprachausgabe stamme vom KI-Tool ChatGPT. Die Richterin wies das als unglaubwürdig zurück.

Die Verbindungsdaten seines Handys verrieten stattdessen wiederholte Anrufe bei einem Kontakt namens „abra kadabra“. Einer davon lag genau drei Minuten vor seiner Zeugenaussage. Die Verteidigung vermutete einen litauischen Anwalt am anderen Ende der Leitung. Der Kläger bestritt das: Es sei nur ein Taxifahrer gewesen, den er über den Zeitplan informieren wollte.

Die Glaubwürdigkeit des Mannes sank weiter, als er Tage später einen Raubüberfall meldete. Dabei seien seine Handys und sein Pass gestohlen worden. Einen Polizeibericht konnte er dem Gericht nicht vorlegen. Die Richterin zog Konsequenzen: Sie verwarf seine gesamte mündliche Aussage. Selbst seine schriftlichen Erklärungen seien offenbar von Dritten verfasst worden.

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Justiz im Kampf mit unsichtbarer Technik

Der Londoner Fall ist kein Einzelfall. Intelligente Brillen werden zur wachsenden Herausforderung für Gerichte weltweit. Erst kürzlich warnte eine Richterin in Los Angeles während einer Verhandlung mit Meta-CEO Mark Zuckerberg ausdrücklich vor deren Nutzung. Jede Aufzeichnung oder Übertragung gelte als Missachtung des Gerichts.

Gleichzeitig geraten die Geräte auch abseits der Justiz in die Kritik. Anfang März reichten Verbraucher in San Francisco eine Sammelklage gegen Meta und Brillenpartner Luxottica ein. Whistleblower hatten behauptet, private Videoaufnahmen seien zur KI-Schulung an externe Dienstleveler weitergeleitet worden.

Brauchen Gerichte neue Sicherheitskonzepte?

Der Betrugsversuch in London könnte ein Weckruf sein. Bisherige Sicherheitskontrollen an Gerichtseingängen suchen oft nach Waffen oder klassischen Aufnahmegeräten. Unauffällige Smartbrillen entgehen dieser Prüfung leicht.

Rechtsexperten erwarten nun schärfere Richtlinien. Künftig könnten spezielle Überprüfungen für alle Sehhilfen im Zeugenstand eingeführt werden. Die größere Frage bleibt: Wie schützt man die mündliche Wahrheitsfindung, wenn KI-Assistenten in Echtzeit Antworten vorsagen können? Der Fall des litauischen Geschäftsmanns markiert einen ersten Präzedenzfall in diesem technologischen Wettlauf.

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