Psychotherapeuten fordern Social-Media-Altersgrenze
20.02.2026 - 23:01:12 | boerse-global.deEine überwältigende Mehrheit der Psychotherapeuten verlangt gesetzliche Altersgrenzen für Social Media. Eine neue Umfrage zeigt: 92 Prozent der Fachkräfte sehen dringenden Handlungsbedarf für den Schutz von Jugendlichen.
Alarm aus den Praxen
Das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk (DPNW) befragte 1.000 Fachkräfte. Das Ergebnis ist ein klares Votum für strengere Regeln. Die Therapeuten beobachten täglich die Folgen: Depressionen, Angststörungen und ein sinkendes Selbstwertgefühl bei jungen Patienten. Der ständige soziale Vergleich auf Plattformen wie Instagram und TikTok treibe diese Entwicklung voran.
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„Soziale Medien sind oft eine toxische Umgebung für die Psyche Jugendlicher“, sagt Dieter Adler, Vorsitzender des DPNW. Die Umfrage sei ein unmissverständliches Alarmsignal.
Konkrete Forderungen: Ab 16 oder sogar 18?
Die Mehrheit der Befürworter will klare Grenzen. 65 Prozent plädieren für ein Mindestalter von 16 Jahren für den uneingeschränkten Zugang. Fast jede fünfte befragte Fachkraft hält sogar 18 Jahre für angemessen. Sie kritisieren das süchtig machende Design der Apps, das reale soziale Kompetenzen hemme.
Die Sorgen der Praktiker decken sich mit Studien. Laut einer DAK-Untersuchung verbringen Jugendliche werktags im Schnitt über zweieinhalb Stunden in sozialen Medien. Jedes vierte Kind zeigt bereits problematische Nutzungsmuster.
Politik unter Druck
Die Forderungen treffen auf eine bereits laufende Debatte. Die SPD brachte kürzlich ein Verbot für unter 14-Jährige ins Spiel. Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich offen für die Diskussion. Die Umfrage entstand nach einem Treffen des DPNW mit dem CDU-Gesundheitsexperten Pascal Reddig – ein Zeichen für den direkten Draht in die Politik.
Deutschland ist nicht allein. Australien führte bereits Altersbeschränkungen ein, und auch das EU-Parlament befürwortet schärfere Maßnahmen. Die Rufe nach Regulierung werden international lauter.
Die Suche nach der Balance
Experten warnen vor einfachen Verboten. Jugendliche umgingen technische Hürden oft mühelos. Zukünftige Lösungen müssen daher mehrere Ansätze vereinen: gesetzliche Altersgrenzen, bessere technische Schutzvorkehrungen und vor allem eine Stärkung der Medienkompetenz.
Die Herausforderung ist komplex. Es geht nicht um eine pauschale Verteufelung der Digitalisierung, sondern um einen Schutzrahmen. Das Ziel ist eine Generation, die sich selbstbewusst und gesund in der digitalen Welt bewegen kann. Die klare Botschaft der Therapeuten wird diese Debatte weiter anheizen.
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