Psychische Gesundheit: Belastung steigt, Priorität sinkt
20.03.2026 - 00:00:34 | boerse-global.deDie psychische Belastung in Deutschland erreicht neue Höhen – doch Arbeitnehmer stellen das Thema zurück. Das zeigen zwei aktuelle Studien. Während in Schulen und Betrieben die Stresssymptome zunehmen, verdrängen wirtschaftliche Sorgen das mentale Wohlbefinden auf der Prioritätenliste.
Wirtschaftsangst lässt mentale Gesundheit verblassen
Das Randstad Arbeitsbarometer 2026 liefert eine überraschende Trendwende. Nur noch 45 Prozent der Beschäftigten halten die Unterstützung ihrer mentalen Gesundheit durch den Arbeitgeber für wichtig. Vor einem Jahr waren es noch 61 Prozent, 2024 sogar 85 Prozent.
Experten sehen die Ursache in der angespannten Konjunkturlage. In unsicheren Zeiten rückt die reine Job-Sicherheit wieder in den Vordergrund. „Weiche“ Faktoren wie das psychische Wohlbefinden werden laut Personalverantwortlichen vorübergehend vernachlässigt.
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Doch diese Ruhe ist trügerisch. Verena Menne von Randstad Deutschland warnt: Arbeitnehmer würden zwar leiser, blieben aber konsequent. Sie kündigten, wenn das Arbeitsklima dauerhaft belastend sei. Ein verlässliches, überlastungsfreies Umfeld bleibe der Schlüssel, um Fachkräfte zu halten.
Krankenkassen schlagen Alarm: Psychische Diagnosen boomen
Während das Thema an Bedeutung verliert, steigen die Krankmeldungen aufgrund psychischer Leiden auf Rekordniveau. Die Gesundheitsreports der großen Kassen für 2025 zeichnen ein klares Bild.
Die DAK-Gesundheit meldet einen stabilen, aber historisch hohen Krankenstand von 5,4 Prozent. Besonders besorgniserregend: Die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen stiegen um 6,9 Prozent. Damit lösen Depressionen und Angststörungen Muskel-Skelett-Probleme als zweithäufigsten Grund für Krankschreibungen ab.
Auch bei der Techniker Krankenkasse (TK) nahmen diese Diagnosen trotz eines leicht gesunkenen Gesamtkrankenstands zu. DAK-Chef Andreas Storm fordert angesichts der massiven Ausfälle bereits einen nationalen Krankenstands-Gipfel im Kanzleramt. Die reine Behandlung von Symptomen reiche nicht mehr aus.
Schulbarometer: Belastung der Jugend steigt wieder
Die Krise beginnt nicht im Job, sondern schon an der Schulbank. Das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung zeigt: Erstmals seit Corona steigt die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen wieder.
Ein Viertel der Schüler fühlt sich psychisch belastet. 2024 waren es noch 21 Prozent. Die Studie offenbart eine soziale Schieflage: Kinder aus einkommensschwachen Familien sind mit 31 Prozent überdurchschnittlich betroffen.
Als Hauptursachen identifizieren Forscher enormen Leistungsdruck, Zukunftsängste und mangelnde Mitbestimmung. „Der erneute Anstieg ist überraschend und höchst besorgniserregend“, sagt Kinderpsychologe Julian Schmitz von der Universität Leipzig. Seine Forderung: Mehr Hilfsangebote in Schulen und höhere Therapiekapazitäten.
Was tun gegen den Dauerstress?
Experten fordern systematische Prävention statt kurzfristigen Aktionismus. Reine Kontrollmechanismen zur Senkung des Krankenstands gelten als kontraproduktiv.
Im Fokus stehen evidenzbasierte Strategien: eine offene Kommunikationskultur ohne Stigmatisierung, eine echte Work-Life-Balance mit planbaren Erholungsphasen und realistische Zielvorgaben. Entscheidend ist die Sensibilisierung der Führungskräfte. Sie müssen Überlastung früh erkennen und individuelle Unterstützung anbieten können.
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