OpenAI treibt Wandel: Sicherheitsziel fällt
15.02.2026 - 09:22:12OpenAI kippt Sicherheitsziel, verschiebt Fokus aufs Wachstum.
Wandel in der Mission: Sicherheitsklausel gelöscht
OpenAI hat das Wort „safely“ aus der Leitmission gestrichen. Die bisher formulierte Mission, künstliche Allgemeine Intelligenz sicher der Menschheit zu nützen, wurde entsprechend angepasst. Die neue Mission lautet nun: „Künstliche Allgemeine Intelligenz soll allen Menschen zugutekommen.“ Die Änderung wurde im Kontext schnelllebiger Entwicklungen publik, während das Unternehmen zugleich seine Sicherheitsstrukturen neu ordnet. Aus Sicht Deutschlands und der EU wirft der Schritt Fragen zur Haftung und zu künftigen Sicherheitsstandards auf.
Strukturreform: Foundation vs. Group
Bereits im Oktober 2025 spaltete sich OpenAI in zwei Seiten: die gemeinnützige OpenAI Foundation und die gewinnorientierte OpenAI Group, letztere operiert als Public-Benefit-Corporation. Die Foundation behält formal Aufsichtsfunktionen, die operative Führung liegt jedoch bei der OpenAI Group. Für die europäische Regulierung bedeutet dies: Wer trägt künftig die Verantwortung, wenn Risiken auftreten?
Mission Alignment: Abteilung aufgelöst
Am 11. Februar wurde bestätigt, dass die Abteilung „Mission Alignment“ aufgelöst wurde. Die Mitarbeitenden wurden auf verschiedene Produktbereiche verteilt, wodurch Sicherheitsaufsicht dezentralisiert und potenziell geschwächt wird. Der frühere Teamleiter erhielt eine neu geschaffene Rolle als „Chief Futurist“. Kritiker sehen darin ein Signal, Sicherheitsprüfungen stärker als Hindernis statt als Schutzmechanismus zu betrachten.
Produkt- und Sicherheitsdynamik: GPT-5.2, Codex-Spark und mehr
Bereits am 12. Februar kündigte OpenAI die Einführung von GPT-5.3-Codex-Spark an, eine spezialisierte Version für schnelle Softwareentwicklung. Einen Tag später, am 13. Februar, setzte das Unternehmen eine umfassende Modellkonsolidierung durch: Alle Nutzer wurden verpflichtet, auf GPT-5.2 umzusteigen; sechs ältere Modelle – darunter GPT-5 (Original), GPT-4o und GPT-4.1 – wurden gestrichen. Die neue Generation soll deutlich leistungsfähiger sein und anspruchsvolle Aufgaben besser bewältigen.
Zur Sicherheitssteuerung wurden zudem Funktionen wie „Lockdown Mode“ und „Elevated Risk“ für ChatGPT eingeführt, speziell in Unternehmenskundenumgebungen. Vertreter der Sicherheitsseite warnen jedoch, dass diese Instrumente vor allem auf Administratoren ausgerichtet seien und die Verantwortung weitgehend auf den Endnutzer verlagern.
Finanzen und Größe: Billionenwechsel
Die radikale Umbau- und Produktstrategie treibt auch die Kapitalmärkte an. Offenbar liegt die Bewertung von OpenAI mittlerweile deutlich über 500 Milliarden US-Dollar. SoftBank steuert eine weitere Investitionsrunde in Höhe von rund 30 Milliarden US-Dollar bei, während Microsoft eine rund 27-prozentige Beteiligung an der OpenAI Group hält. Das Engagement der Investoren untermauert die Erwartung, dass OpenAI seine Rechenkapazitäten weiter ausbauen und die nächste Modellgeneration schneller zur Marktreife bringen will.
Rechtlicher Druck und Regulierung
OpenAI sieht sich einer Vielzahl von Klagen konfrontiert, die Fahrlässigkeit, unrechtmäßige Todesfolgen und psychologische Beeinflussung betreffen. Gleichzeitig bleibt eine Vereinbarung mit den Generalstaatsanwälten von Kalifornien und Delaware bestehen, die eine Sicherheits- und Sicherheitskommission innerhalb der Foundation vorsieht. Ob diese Kommission künftig ausreichend unabhängige technische Daten erhält, um Produktfreigaben zu stoppen, ist unklar. Aus europäischer Sicht stärkt dies den Druck auf eine klare Regulierung von KI-Sicherheit und Haftung.
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Ausblick: Weg zu AGI und möglicher Börsengang
Für die Zukunft scheint OpenAI auf die Erreichung von Artificial General Intelligence (AGI) bis zum Jahrzehntende abzuzielen. Die forcierte Migration zu GPT-5.2 und der Aufbau autonomer Coding-Funktionen wie GPT-5.3-Codex-Spark deuten darauf hin, dass Geschwindigkeit vor Gründlichkeit geht. Analysten rechnen mit einem IPO in den nächsten 12 bis 18 Monaten, zugleich steigt der Druck auf Transparenz und Aufsicht. Bleibt die Frage: Kann die OpenAI Foundation die Macht der OpenAI Group wirksam bindend kontrollieren, oder markiert dieser Wandel den Beginn einer Ära, in der Wachstumsdrang über Sicherheitsstandards gestellt wird?
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