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OpenAI testet Werbung in ChatGPT – Forscherin kündigt aus Protest

12.02.2026 - 05:41:12

OpenAI testet Werbeinblendungen in ChatGPT, was zur Kündigung einer KI-Forscherin führte und eine Debatte über Datenschutz und Kommerzialisierung auslöste.

OpenAI führt Werbung in ChatGPT ein und stößt damit auf scharfe interne Kritik. Die KI-Forscherin Zoë Hitzig trat aus Protest zurück und warnt vor den Risiken für die Privatsphäre von Millionen Nutzern.

Die Tests für Nutzer der kostenlosen und günstigen Tarife in den USA begannen diese Woche. Sie markieren einen strategischen Wendepunkt für das Unternehmen, das seine enormen Betriebskosten mit dem Anspruch auf breite Zugänglichkeit in Einklang bringen muss. Der Schritt löst eine grundsätzliche Debatte über die Kommerzialisierung von KI aus.

Werbung trifft auf Widerstand im eigenen Haus

Die Ankündigung der Werbetests war kaum erfolgt, da verließ eine prominente Mitarbeiterin das Unternehmen. Die Forscherin Zoë Hitzig, die an KI-Modellen und Sicherheit arbeitete, kündigte öffentlich. Sie begründete ihren Schritt mit tiefen Vorbehalten gegen die neue strategische Ausrichtung von OpenAI.

In einer Stellungnahme äußerte sie Misstrauen in die Fähigkeit des Unternehmens, das von ihr beschriebene „detaillierteste Archiv privater menschlicher Gedanken“ vor den Zwängen eines werbebasierten Geschäftsmodells zu schützen. Ihr Protest unterstreicht die wachsenden Spannungen in der KI-Branche, in der führende Unternehmen nach nachhaltigen Einnahmequellen für ihre ressourcenintensiven Technologien suchen.

So funktioniert das neue Werbemodell

Angesichts immenser Infrastruktur- und Investitionskosten testet OpenAI Werbung als zusätzliche Einnahmequelle neben Abonnements. Der Pilot beschränkt sich derzeit auf angemeldete erwachsene Nutzer in den USA, die den kostenlosen Tarif oder den günstigen „Go“-Plan für 8 Euro monatlich nutzen. Premium-Kunden sehen keine Anzeigen.

Laut OpenAI werden die Werbeinhalte klar als „Gesponsert“ gekennzeichnet und visuell von den Antworten des Chatbots getrennt, typischerweise am Ende einer Antwort. Das Unternehmen betont, dass die Werbung die Antworten von ChatGPT nicht beeinflusst und Konversationen vor Werbetreibenden privat bleiben.

Die Ausspielung basiert auf dem Thema des aktuellen Chats, der bisherigen Verlaufshistorie und früheren Interaktionen mit Werbung. Ein Nutzer, der über Rezepte spricht, könnte so eine Anzeige für einen Lebensmittel-Lieferservice sehen. Die Nutzer haben Kontrollmöglichkeiten: Sie können Werbung ausblenden, die Personalisierung deaktivieren und werbebezogene Daten löschen. Sensible Themen wie Gesundheit, Politik oder psychisches Wohlbefinden sind von Werbung ausgeschlossen.

Ein Prinzipienstreit mit Signalwirkung

Der Zeitpunkt von Hitzigs Kündigung verknüpft die Werbestrategie direkt mit internem Dissens über den ethischen Kurs des Unternehmens. In einem Gastbeitrag für die New York Times argumentierte sie, Werbung sei nicht per se unmoralisch. Sie fürchte jedoch, OpenAI baue eine wirtschaftliche Maschinerie auf, die starke Anreize biete, die eigenen Datenschutzregeln irgendwann zu umgehen.

Sie zog Parallelen zu Unternehmen wie Facebook, die anfangs strenge Datenschutzversprechen machten, diese später aber unter dem Druck ihrer Werbemodelle aufweichten. Nutzer hätten ChatGPT intimste persönliche Informationen anvertraut – von Gesundheitsängsten bis zu Beziehungsproblemen – im Glauben, mit einem Werkzeug ohne Hintergedanken zu interagieren. Dieses beispiellose Archiv menschlicher Offenheit in ein Werbeinstrument zu verwandeln, berge ein ernsthaftes Manipulationsrisiko. Ihr Austritt signalisiert wachsende Bedenken unter KI-Experten vor der Kommerzialisierung von Technologien, die intime Nutzerinteraktionen fördern.

Wettbewerber wittern ihre Chance

OpenAIs Schritt stellt das Unternehmen in einen deutlichen Kontrast zu wichtigen Konkurrenten und spiegelt den immensen finanziellen Druck wider, seine massive Nutzerbasis zu monetarisieren. Die Betriebskosten für große Sprachmodelle sind gewaltig. Das werbefinanzierte Modell soll diese Kosten subventionieren und die kostenlose Version von ChatGPT erhalten.

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Der Wettbewerb reagiert bereits. Anthropic, ein wichtiger Konkurrent, der von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet wurde, positioniert seinen Chatbot Claude als werbefreie Alternative. Das Unternehmen strahlte kürzlich einen Werbespot während des Super Bowl aus, der die Idee von Werbung in KI-Chatbots lächerlich machte und auf das Potenzial für störende Anzeigen anspielte. Dieses öffentliche Scharmützel unterstreicht einen grundlegenden Graben in der Branche darüber, wie KI-Assistenten kommerzialisiert werden können, ohne das Nutzervertrauen zu verspielen. Der Schritt erfolgt zudem zu einem Zeitpunkt, an dem OpenAI Berichten zufolge auf einen Börsengang (IPO) noch 2026 hinarbeitet – was den Druck erhöht, stabile und diversifizierte Einnahmequellen vorzuweisen.

Ein Wendepunkt für generative KI

Die Einführung von Werbung in ChatGPT markiert einen potenziellen Wendepunkt für die gesamte Branche der generativen KI. Während OpenAI es als notwendigen Schritt für breiten Zugang darstellt, sehen Kritiker wie Hitzig darinen eine gefährliche Schieflage, die Nutzervertrauen und Datenschutz gefährden könnte.

Der Erfolg des Pilotprogramms wird genau beobachtet. Akzeptieren Nutzer die Werbung als fairen Preis für den kostenlosen Zugang, könnte sich ein dominantes Geschämodell für KI-Dienste etablieren – ähnlich wie bei Suchmaschinen und sozialen Medien. Gibt es jedoch massive Nutzerproteste oder setzen sich Konkurrenten mit einer werbefreien Haltung durch, könnte sich der Markt in verschiedene Stufen aufspalten: Bezahlte, private KI auf der einen und kostenlose, werbefinanzierte Alternativen auf der anderen Seite.

OpenAI betont, Werbung behutsam und im Gleichgewicht zwischen finanzieller Notwendigkeit und Nutzervertrauen einführen zu wollen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese Balance gelingt – oder ob der ökonomische Druck des Werbemodells die Art unserer Interaktion mit künstlicher Intelligenz grundlegend verändern wird.

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