OpenAI, Mission

OpenAI streicht „Sicherheit“ aus seiner Mission

17.02.2026 - 03:03:12 | boerse-global.de

OpenAI hat den Bezug zu sicherer KI aus seiner rechtlich bindenden Mission gestrichen. Die Änderung folgt auf eine tiefgreifende Restrukturierung hin zu einem kommerzielleren Modell.

OpenAI hat seine Kernmission stillschweigend geändert und den zentralen Bezug zu „sicherer“ KI gestrichen. Die Änderung in den Unternehmensstatuten markiert einen Wendepunkt für den einstigen Non-Profit-Pionier.

Der aktualisierte Leitsatz lautet nun nur noch, „dass künstliche allgemeine Intelligenz der gesamten Menschheit zugutekommt“. In der bisherigen, bei US-Behörden hinterlegten Fassung verpflichtete sich das Unternehmen, „allgemeine künstliche Intelligenz (KI) zu entwickeln, die der Menschheit sicher zugutekommt, unbeschränkt durch die Notwendigkeit, finanzielle Erträge zu erzielen“. Diese beiden zentralen Passagen – zur Sicherheit und zur Gewinnorientierung – sind nun gestrichen. Die Änderung wurde in den Steuerunterlagen für 2024 entdeckt, die Ende 2025 eingereicht wurden.

Strukturwandel spiegelt sich in der Sprache

Die Mission-Änderung ist kein Einzelfall, sondern folgt auf eine tiefgreifende Restrukturierung. Im Oktober 2025 spaltete sich OpenAI in zwei Einheiten auf: eine Non-Profit-„OpenAI Foundation“ und eine gewinnorientierte Public Benefit Corporation (PBC), die „OpenAI Group“. Diese Neuordnung war nötig, um das immense Kapital für die KI-Entwicklung zu beschaffen, bedeutete aber den Abschied vom reinen Non-Profit-Modell von 2015.

Die Stiftung hält nun 26 Prozent an der gewinnorientierten Sparte. Der Großinvestor Microsoft besitzt mit 27 Prozent eine knappe Mehrheitsbeteiligung. Das alte „gedeckelte Gewinn“-Modell für Investoren wurde unter der neuen PBC-Struktur abgeschafft. Analysten sehen in der überarbeiteten Mission die logische Anpassung der Unternehmensverfassung an die neue, kommerziell getriebene Realität.

Das Gewicht eines Wortes: Sicherheit vs. Geschäftsinteressen

Die Streichung des Wortes „sicher“ fällt in eine Zeit intensiver Debatten über KI-Risiken. OpenAI sieht sich mehreren Klagen gegenüber, die unter anderem psychologische Manipulation und Fahrlässigkeit vorwerfen. Dass der explizite Sicherheitsbezug nun aus dem höchsten Leitprinzip getilgt wurde, sorgt bei Ethikern und Governance-Experten für Besorgnis.

Bedenken schüren auch Berichte, wonach OpenAI sein „Mission Alignment“-Team aufgelöst hat. Diese Gruppe war dafür zuständig, die Arbeit am ursprünglichen Gründungsziel auszurichten. Zwar betont das Unternehmen auf seiner Website weiterhin die Priorität von Sicherheit. Dass der Verweis jedoch aus der rechtlich verbindlichen Mission bei Aufsichtsbehörden entfernt wurde, werten Kritiker als klares Signal: Kommerzielle Ziele könnten nun Vorrang vor Vorsorgeprinzipien haben.

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Der schwierige Spagat zwischen Ideal und Kommerz

Die Entwicklung bei OpenAI spiegelt den Grundkonflikt der KI-Branche wider: den Spagat zwischen idealistischen, gesellschaftlichen Zielen und der kapitalintensiven Realität der Spitzentechnologie. Die Gründung einer gewinnorientierten Tochtergesellschaft 2019 war der erste Schritt zum heutigen Hybridmodell. Es ermöglichte Milliardensummen von Investoren wie Microsoft, die die Entwicklung von ChatGPT, Sora und der GPT-Reihe finanzierten.

Die jüngste Restrukturierung und Missionsänderung sind der vorläufige Höhepunkt dieser Transformation. Als Public Benefit Corporation ist das Unternehmen zwar rechtlich seiner Menschheitsmission verpflichtet, verfolgt diese aber nun im Rahmen eines konventionellen Gewinnmodells. Die Stiftung soll als governance-technisches Sicherheitsnetz dienen. Mit ihrer Minderheitsbeteiligung bleibt jedoch offen, wie viel Autorität sie gegenüber den Interessen großer Investoren im Boardroom tatsächlich behält.

Der Weg zur KI-Allgemeinintelligenz

OpenAI treibt seine Ambitionen für eine Künstliche Allgemeine Intelligenz (AGI) voran. Die neue Mission dient dabei als offizielle Charta für die kostspieligen Vorhaben. Das Unternehmen expandiert auch in den Hardware-Markt und plant die Vorstellung eines Consumer-Geräts für die zweite Hälfte 2026.

Die Streichung von „sicher“ und die Loslösung von non-profit-Finanzierungsbeschränkungen markieren einen Wendepunkt. Es ist eine pragmatische Anpassung an Marktrealitäten, aber auch eine Abkehr von der vorsichtigen, sicherheitsorientierten Sprache, die einst die Unternehmensidentität prägte. Die KI-Welt wird genau beobachten, wie OpenAI seinen Dualismus zwischen idealistischem Auftrag und kommerziellem Giganten meistert.

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