Österreichs Gewerkschaften starten mit Streiks in die Lohnrunde
07.03.2026 - 06:00:57 | boerse-global.deWarnstreiks in der IT-Branche und stockende Verhandlungen in der Logistik markieren den heißen Start der österreichischen Frühjahrslohnrunde. Die Gewerkschaften fordern deutliche Reallohnerhöhungen und lehnen Nulllohnrunden kategorisch ab. Parallel mischt sich der ÖGB in die europäische Industriepolitik ein.
Auftakt mit klarer Ansage: Keine Nulllohnrunden
Am 5. März fiel der Startschuss für die industrielle Frühjahrsrunde, die 130.000 Beschäftigte betrifft. Den Anfang machte die Elektro- und Elektronikindustrie. Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA überreichten ihre Forderungen für knapp 60.000 Angestellte.
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Die Gewerkschaften begründen ihre Forderung nach nachhaltigen Lohnerhöhungen mit der wirtschaftlichen Erholung der Branche. Diese zeige sich in vollen Auftragsbüchern und hohen Auslastungen. Neben dem Geld fordern sie bessere Schichtzulagen, eine leichter erreichbare sechste Urlaubswoche und eine zusätzliche Pflegefreistellung für Eltern behinderter Kinder.
Fronten verhärten sich: IT streikt, Logistik verhandelt fest
Während die Industrie erst startet, eskalieren andere Sektoren bereits. In der IT-Branche legten am 3. und 4. März Beschäftigte in österreichweiten Warnstreiks die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft GPA sieht darin ein klares Signal an die Arbeitgeber. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 10. März angesetzt.
Auch in der Speditions- und Lagerbranche zeichnet sich ein harter Kampf ab. Die zweite Verhandlungsrunde endete ergebnislos. Die Wirtschaftskammer bot laut Gewerkschaft vida lediglich 2,2 Prozent mehr Lohn an – deutlich unter der Inflation des Vorjahres. Die Gewerkschaft lehnt zudem Verschlechterungen bei Urlaubsgeld und Ruhezeiten ab. Am 11. März beraten Betriebsräte über das weitere Vorgehen.
ÖGB stellt Bedingungen für EU-Industrieförderung
Die Gewerkschaften mischen auch auf europäischer Ebene mit. Anlass ist der „Industrial Accelerator Act“ der EU-Kommission, der Schlüsselindustrien stärken soll. ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian knüpft die Zustimmung an strikte Bedingungen.
Staatliche Beihilfen und Aufträge müssten zwingend an den Erhalt hochwertiger Arbeitsplätze gebunden werden. Der ÖGB fordert Standortgarantien, die Einhaltung von Arbeitsrechten und verpflichtende Investitionen in die Weiterbildung der Belegschaft. Zukunftsfähige Politik entstehe nicht durch Deregulierung, sondern durch kluge Investitionen.
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Analyse: Reaktion auf Teuerung und Forderung nach Gerechtigkeit
Experten sehen die Härte der Gewerkschaften als direkte Folge der vergangenen Teuerungswellen. Viele Haushalte, besonders mit niedrigen und mittleren Einkommen, sind weiter belastet. Die Stärkung der Kaufkraft hat für die Gewerkschaften oberste Priorität.
Sie argumentieren makroökonomisch: Höhere Löhne stärken den Konsum und stützen die heimische Konjunktur. Zudem rückt die Verteilungsgerechtigkeit in den Fokus. Der ÖGB betonte zuletzt die Notwendigkeit von mehr Lohntransparenz, um die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern zu schließen.
Dichter Verhandlungskalender entscheidet über Konfliktfrühjahr
Die kommenden Wochen bleiben dynamisch. Am 10. März geht es in der IT-Branche in die nächste Runde. Einen Tag später entscheiden Logistik-Betriebsräte über ihr Vorgehen. Weitere Verhandlungen folgen für Ordensspitäler und den Finanzsektor.
Wirtschaftsforscher erwarten eine starke Signalwirkung von den ersten Abschlüssen in der Industrie. Ob die Arbeitgeber auf die Forderungen nach Reallohnzuwächsen eingehen, wird entscheiden, ob das Frühjahr von Stabilität oder anhaltenden Konflikten geprägt sein wird.
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