Österreich erhöht Überstunden-Freibetrag auf 170 Euro
07.02.2026 - 15:22:12Die österreichische Regierung hat die steuerliche Begünstigung für Überstunden dauerhaft erhöht. Ab diesem Jahr bleiben Zuschläge für die ersten 15 Überstunden im Monat bis zu 170 Euro steuerfrei. Die Neuregelung soll Leistung belohnen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken – stößt aber auch auf scharfe Kritik.
So profitieren Arbeitnehmer jetzt
Die neue Regelung ersetzt eine befristete Sonderregelung aus den Jahren 2024 und 2025. Damals waren bis zu 200 Euro für 18 Überstunden steuerfrei. Ohne die Einigung wäre die Begünstigung auf das alte Niveau von 120 Euro für zehn Stunden zurückgefallen.
- Steuerfrei sind nur die gesetzlichen oder kollektivvertraglichen Zuschläge, die meist 50 Prozent des Grundlohns betragen.
- Weiter voll versteuert wird der Grundlohn für die geleisteten Überstunden selbst.
- Ausgenommen von der Begünstigung sind Mehrarbeitszuschläge für Teilzeitbeschäftigte – ein Punkt, der in der Debatte immer wieder kritisiert wurde.
Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) begrüßt den Schritt als wichtiges Signal für mehr Arbeitsbereitschaft. Doch der Kompromiss hat seinen Preis: Der parlamentarische Budgetdienst beziffert die Mindereinnahmen für 2026 auf rund 105 Millionen Euro.
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Wer profitiert – und wer nicht?
Die Verteilungswirkung der Maßnahme sorgt für politischen Zündstoff. Eine Analyse des Budgetdienstes zeigt ein klares Bild:
- Rund 90 Prozent des gesamten Entlastungsvolumens fließen an Haushalte der oberen Einkommenshälfte.
- Fast 40 Prozent kommen sogar dem obersten Einkommenszehntel zugute.
- Etwa 80 Prozent der Steuervorteile gehen an Männer, da diese statistisch mehr und besser bezahlte Überstunden leisten.
Diese Zahlen waren für die Koalitionspartner der Grünen Grund genug, gegen das Paket zu stimmen. Sie kritisieren, dass die Regelung die Lebensrealität vieler Frauen ignoriere. Auch die Arbeiterkammer warnt vor Mitnahmeeffekten für Besserverdienende, ohne dass das gesamte Arbeitsvolumen signifikant steige.
Ein klassischer Koalitionskompromiss
Die Einigung auf 15 Stunden und 170 Euro ist typisch für die österreichische Regierung: Sie liegt genau zwischen der großzügigen Übergangslösung und dem alten, niedrigeren Niveau. Während wirtschaftsnahe Kräfte auf Leistungsanreize pochen, drängen sozial ausgerichtete Partner auf mehr Gerechtigkeit.
Die Debatte ist Teil eines größeren Ringens um die Zukunft der Arbeit. Soll das Arbeitsvolumen steigen, wie die Wirtschaftskammer fordert? Oder braucht es kürzere Arbeitszeiten und mehr Work-Life-Balance? Die Opposition, insbesondere die FPÖ, kritisiert die Neuregelung ohnehin als Verschlechterung gegenüber den Vorjahren.
Die Regelung ist nun für 2026 und darüber hinaus festgeschrieben. Wirtschaftsverbände fordern bereits eine weitere Ausweitung bis hin zur völligen Steuerfreiheit. Ob das kommt, hängt auch davon ab, ob die aktuellen Anreize wirklich zu mehr Arbeitsstunden führen – oder nur die befürchteten Mitnahmeeffekte eintreten.


