Aufs Gymnasium? Studie sieht weiter keine Bildungsgleichheit
03.03.2026 - 11:59:41 | dpa.deKinder aus Familien mit höherem sozioökonomischem Status bekommen nach wie vor häufiger eine Gymnasialempfehlung als Jungen und Mädchen mit weniger privilegierter Herkunft, wie eine Untersuchung des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der Uni Dortmund zeigt.
Für die Untersuchung waren Daten von 4.188 Viertklässlern an 230 Schulen aus der jüngsten Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) analysiert worden.
Familiäre Herkunft bleibt nach wie vor ein Faktor
Die Auswertung des IFS von 2025 ergab: Die Wahrscheinlichkeit, eine Gymnasialempfehlung zu erhalten, beträgt im Mittel rund 43 Prozent. Bei einem Kind mit mindestens einem Elternteil mit einem hoch qualifizierten akademischen Beruf liege die Wahrscheinlichkeit bei fast 65 Prozent. Aber sie liege nur bei knapp 23 Prozent für Kinder, deren Eltern einer einfachen Facharbeit wie Verkäufer oder Reinigungskraft nachgehen, schilderte Forscher Ruben Kleinkorres.
Die Noten in Deutsch und Mathematik seien wesentliche Kriterien für eine Übergangsempfehlung der Lehrkräfte, darüber hinaus auch Aspekte wie Arbeitsverhalten, Lesekompetenz und kognitive Fähigkeiten. Diese Leistungsmerkmale allein könnten den Unterschied zwischen privilegierten und benachteiligten Kindern aber nicht vollständig erklären, betonte Kleinkorres. "Auch bei vergleichbaren Leistungen erhalten Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien seltener eine Gymnasialempfehlung."
Chancengleichheit trotz vieler Anstrengungen nicht erreicht
Schulleistungsstudien wie Iglu oder Pisa hatten schon vor rund 25 Jahren starke Unterschiede im deutschen Bildungssystem nach familiärem Hintergrund offengelegt. Seitdem wurden laut IFS zwar viele Maßnahmen ergriffen, um das Bildungssystem leistungsfähiger und auch fairer zu machen. Es zeige sich nun aber erneut am Beispiel der Gymnasialempfehlungen, dass Chancengleichheit nicht erreicht sei.
"Gerade bei Schülerinnen und Schülern, deren Leistungen nicht eindeutig für oder gegen eine Gymnasialempfehlung sprechen, spielt der sozioökonomische Hintergrund der Kinder eine entscheidende Rolle", erläuterte Kleinkorres. Lehrkräfte sollten für mögliche Benachteiligungen bei der Übergangsempfehlung sensibilisiert werden.
Leistungen in der Grundschule seien von zentraler Bedeutung für die spätere Bildungsbiografie, unterstrich IFS-Direktorin Nele McElvany. Kinder aus benachteiligten Familien müssten dort mit Sprachförderung, differenzierten Unterrichtsangeboten und kostenloser Nachhilfe gezielt unterstützt werden.
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