Microsoft, Analysten

Microsoft: Analysten zweifeln an der KI-Strategie

10.02.2026 - 10:45:12

Zwei Analysten stufen Microsoft nach hohen KI-Ausgaben herab. Die Aktie verliert an Wert, da die Profitabilität der Investitionen in Frage steht.

Die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz bringen Microsoft in eine Zwickmühle und kosten das Unternehmen das Vertrauen an der Wall Street. Nach einer zweiten Herabstufung rutschte der Börsenwert unter die Drei-Billionen-Dollar-Marke.

Doppelte Herabstufung erschüttert Anleger

Die Stimmung kippt deutlich. Zuerst zog die Investmentbank Stifel Ende letzter Woche die Notbremse und stufte die Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ herab. Das Kursziel wurde von 540 auf 392 Dollar gesenkt. Am Montag folgte Melius Research mit einem weiteren Downgrade auf „Halten“ und einem Ziel von 430 Dollar.

Hinter den drastischen Maßnahmen steht eine einfache Erkenntnis: Die Ära des „KI-Umbaus um jeden Preis“ ist vorbei. Die Analysten fordern jetzt klare Profitabilität. Ben Reitzes von Melius Research beschreibt ein gefährliches Dilemma für Microsoft. Hält der Konzern am hohen Investitionstempo fest, um mit Rivalen wie Google und Amazon Schritt zu halten, leidet der freie Cashflow. Bremst er die Ausgaben, riskiert er technologische Rückständigkeit.

Das 200-Milliarden-Dollar-Risiko

Das Kernproblem sind die explodierenden Infrastrukturkosten. Im zweiten Quartal 2026 gab Microsoft bereits rund 37,5 Milliarden Dollar für Investitionen aus. Der Großteil fließt in kurzlebige Assets wie GPUs und spezielle Server-Hardware, die schnell an Wert verlieren und die Margen belasten.

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Die Prognose der Analysten ist alarmierend: Die jährlichen Investitionsausgaben könnten bis 2027 auf fast 200 Milliarden Dollar ansteigen. Zum Vergleich: Das wäre einer der größten Infrastrukturausbauten der Unternehmensgeschichte. CEO Satya Nadella verteidigt die Ausgaben als notwendig, um die technologische Vorreiterrolle zu sichern. Doch die Geduld der Anleger schwindet. Sie wollen Ergebnisse sehen – und zwar schnell.

Copilot unter Profitabilitäts-Druck

Die Skepsis betrifft auch das Flaggschiff-Produkt Microsoft Copilot. Melius Research zweifelt, ob der Konzern die hohen Abogebühren langfristig durchsetzen kann. Der Druck durch Konkurrenten wie Google und Anthropic könnte Microsoft zwingen, KI-Funktionen zu subventionieren oder im Paket anzubieten, um Marktanteile zu halten.

Eine solche Entwicklung würde das gefürchtete Szenario der „gewinnlosen Prosperität“ wahr werden lassen: Die Umsätze wachsen zwar durch Cloud-Dienste, aber die Gewinnmargen schrumpfen, weil die Kosten für die KI-Bereitstellung die Einnahmen übersteigen.

Bewertung im Sinkflug – IBM überholt Microsoft

Die Reaktion des Marktes ließ nicht lange auf sich warten. Die Aktie verlor zuletzt etwa 12 Prozent seit Jahresbeginn und pendelte zwischen 403 und 414 Dollar. Ein bemerkenswerter Effekt: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Microsoft liegt Schätzungen zufolge bei rund 23,0 und damit erstmals unter dem des Legacy-Konzerns IBM (ca. 23,7).

Diese „Bewertungsinversion“ zeigt, wie sich die Einschätzung der Anleger wandelt. Microsoft wird weniger als Wachstumswert, sondern zunehmend als kapitalintensiver Infrastrukturdienstleister in einem schwierigen Investitionszyklus gesehen.

Die „Zeig-her“-Phase beginnt

Für Microsoft beginnt nun die entscheidende Phase. Leere Versprechen von der KI-Zukunft genügen den Märkten nicht mehr. Sie verlangen konkrete Beweise, dass die Milliarden in Rechenzentren auch proportional höhere Gewinne bringen.

Die kommenden Quartale werden alles entscheiden. Im Fokus steht die Entwicklung der Wachstumsraten im Cloud-Geschäft Azure im Verhältnis zu den Investitionsausgaben. Weitet sich die Schere weiter, drohen weitere Herabstufungen. Kann Microsoft dagegen zeigen, dass Produkte wie Copilot zahlende Nutzer in großem Maßstab binden, könnte der aktuelle Kurseinbruch eine Einstiegsgelegenheit sein. Die Beweislast liegt bei Redmond.

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