APA Nationalbank: Nahost-Krieg trübt Konjunkturausblick
24.03.2026 - 11:08:39 | dpa.deInterimsprognose für Österreich 2026 bis 2028 vom März 2026 sowie Jahresabschluss und Geschäftsbericht der OeNB für 2025
Wien (APA-ots) - Die heute präsentierte Prognose der Oesterreichischen Nationalbank ( OeNB) für den Zeitraum 2026 bis 2028 zeichnet einen unsicheren konjunkturellen Ausblick angesichts des gegenwärtigen Kriegs im Nahen und Mittleren Osten. Für 2026 wird aktuell ein gedämpftes Wachstum von 0,5 % erwartet. In den Jahren 2027 und 2028 beschleunigt sich das Wachstum laut Prognose auf 1,0 % bzw. 1,1 %. Die Inflation beläuft sich für das Gesamtjahr 2026 aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise auf 2,7 %. Gemäß Markterwartungen werden die Rohstoffpreise im Jahresverlauf wieder deutlich sinken, sodass sich die Inflation in den Jahren 2027 und 2028 auf 2,3 % und 2,1 % zurückbilden soll. Die Arbeitslosenquote wird im laufenden Jahr bei 7,5 % verharren. Der heute ebenfalls präsentierte Jahresabschluss und Geschäftsbericht der OeNB für das Jahr 2025 zeigt wieder einen Aufwärtstrend beim Geschäftsergebnis.
Konjunkturelle Erholung durch Nahost-Krieg nur temporär unterbrochen
"Nach einer zweijährigen Rezession verzeichnete Österreich im vergangenen Jahr wieder ein moderates Wirtschaftswachstum von 0,7 %. Auch der Start in das Jahr 2026 verlief positiv. Bereits verfügbare Monatsdaten zeigen eine robuste Entwicklung im Jänner und Februar. Der am 28. Februar ausgebrochene Krieg im Nahen und Mittleren Osten und die in der Folge deutlich gestiegenen Energiepreise bringen jedoch erneut große Unsicherheit mit sich und trüben die weiteren wirtschaftlichen Aussichten signifikant", bewertet OeNB-Gouverneur Martin Kocher die aktuelle Lage. Die OeNB erwartet daher für das heurige Jahr aus aktueller Sicht ein Wirtschaftswachstum von 0,5 %. Gegenüber der letzten Prognose vom Dezember mussten die Wachstumserwartungen für 2026 um -0,3 Prozentpunkte angepasst werden. Der Prognose liegen die aktuellen Markterwartungen für die globalen Energierohstoffpreise zugrunde, die in der zweiten Jahreshälfte 2026, gemäß der Markterwartungen, relativ rasch vom aktuell hohen Niveau sinken sollen. Die positive Konjunkturdynamik zu Jahresbeginn wird daher nach aktuellem Stand nur temporär gedämpft. Die OeNB erwartet für 2027 und 2028 bereits wieder ein Wachstum von rund 1 %.
HVPI-Inflation 2026 bei 2,7 % - Einfluss des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten +0,6 Prozentpunkte
Die aktuelle Inflationsprognose wird wesentlich von den zugrundeliegenden Markterwartungen für die globalen Rohstoffpreise geleitet. Die OeNB erwartet, dass die österreichische Inflation bis Mai 2026 auf knapp über 3,0 % ansteigt, bevor sie bis Ende des Jahres auf rund 2 œ % zurückgeht. Für das Gesamtjahr 2026 wird nach aktuellem Stand eine Inflationsrate von 2,7 % prognostiziert, gefolgt von einem graduellen Rückgang auf 2,3 % im Jahr 2027 und 2,1 % im Jahr 2028. Die Unsicherheit hat sich seit Beginn des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten deutlich erhöht, weshalb für die Inflationsprognose in Österreich deutliche Aufwärtsrisiken bestehen.
Zusätzliche Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung notwendig
Für die Fiskalprognose ergeben sich aktuell keine substanziellen Änderungen gegenüber der letzten Prognose. Im Dezember 2025 prognostizierte die OeNB einen Budgetsaldo in Prozent des nominellen BIP von -4,5 % für 2025, jeweils -4,2 % für 2026 und 2027 sowie -4,4 % für 2028. Nach derzeitigem Stand werden die Zahlen für 2025 etwas besser, was auch die Ausgangslage für 2026 verbessert. Gleichzeitig haben sich die Aussichten für das BIP-Wachstum verschlechtert. Zudem wurden seit der letzten Prognose die Absenkung der Elektrizitätsabgabe sowie der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel beschlossen. Die Aufwärtsrevision der Inflationsprognosen hat keinen nennenswerten Effekt auf den Budgetsaldo. Insgesamt schätzt die OeNB dadurch die Entwicklung des Budgetsaldos für 2026 bis 2028 ähnlich ein wie im Dezember. Erst nach der Budgeterstellung des Bundes wird eine revidierte Prognose für 2027 und 2028 möglich sein.
Prognoseunsicherheit aktuell ungewöhnlich hoch
"Die weitere Entwicklung des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten und seine Auswirkungen auf die Energiepreise, die Finanzmärkte und das Vertrauen der Wirtschaftsakteure sind aktuell höchst unsicher", führt Gouverneur Kocher weiter aus. Um dieser Unsicherheit Rechnung zu tragen, berechnet die OeNB alternative Szenarien, die von einer weiteren Verschärfung bzw. von einer Verlängerung des Kriegs ausgehen. So stellt besonders ein länger andauernder und stärkerer Anstieg der Öl- und Gaspreise ein Risiko für die weitere konjunkturelle Entwicklung dar. In einem Szenario mit einem Ölpreis von 100 USD pro Barrel und einem Erdgaspreis von 70 EUR/MWh im Jahresschnitt würde das Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 nur mehr 0,2 % betragen. Die HVPI-Inflation würde auf 3,8 % ansteigen. Sollte sich die Lage besonders ungünstig entwickeln - etwa durch zusätzlich höhere Risikoprämien, anhaltend hohe geopolitische Unsicherheit, schwächere Exportnachfrage und steigende Düngemittelpreise - könnte die österreichische Wirtschaft 2026 in eine leichte Rezession kommen. Die Wirtschaftsleistung würde um 0,2 % zurückgehen und die HVPI- Inflation 2026 auf 4,2 % ansteigen.
Die für Österreich skizzierten ungewöhnlich hohen Risiken gelten auch für den Euroraum. Vor diesem Hintergrund hat der EZB-Rat in seiner jüngsten Sitzung am 19. März 2026 betont, weiterhin entschlossen dafür zu sorgen, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von 2 % stabilisieren wird. Mit einer aktuellen Inflationsrate von knapp 2 %, langfristig verankerten Inflationserwartungen bei 2 % und einem nominellen kurzfristigen Zinsniveau von 2 %, das als weitgehend neutral einzustufen ist, ist das Eurosystem in einer guten Position, auf sämtliche Herausforderungen nötigenfalls rasch und entschlossen zu reagieren. Die in nächster Zeit eingehenden Daten werden mehr Aufschluss über so genannte Zweitrunden-Effekte der Energiepreisanstiege geben. Diese sind entscheidend für die passende geldpolitische Reaktion. Bei der Festlegung des angemessenen geldpolitischen Kurses wird der EZB-Rat weiterhin seinen datengestützten Ansatz verfolgen und von Sitzung zu Sitzung entscheiden.
Wieder Aufwärtstrend bei OeNB-Geschäftsergebnis
"Die geldpolitischen Maßnahmen, mit welchen den aufeinanderfolgenden Krisen der vergangenen Jahre entgegengewirkt und die Preisstabilität wieder hergestellt wurde, haben ihre Spuren im Geschäftsergebnis der OeNB hinterlassen", erklärt Vize-Gouverneurin Edeltraud Stiftinger. Demnach verzeichnet die OeNB, ebenso wie die EZB und viele Zentralbanken im Eurosystem, im Jahr 2025 erneut ein negatives geschäftliches Jahresergebnis als Folge der Geldpolitik. Doch, so Stiftinger: "Im Jahr 2025 sehen wir erstmals wieder einen Aufwärtstrend. Der Jahresfehlbetrag für das Geschäftsjahr 2025 beträgt mit -1.023 Mio EUR halb so viel wie im Jahr zuvor, und die geldpolitischen Belastungen aus der expansiven Geldpolitik bis 2022 werden sich für die OeNB auch in Zukunft weiter verringern. Danach sind wieder Gewinne zu erwarten, mit denen die entstandenen Verluste kompensiert werden. Die Finanzkraft der OeNB bleibt weiterhin unbeeinflusst. Die OeNB ist in keiner Weise in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt." Unter Berücksichtigung des Verlustvortrags aus den Vorjahren resultiert ein Bilanzverlust für das Geschäftsjahr 2025 von insgesamt -5.207 Mio EUR. Dieser wird zur Gänze in das Geschäftsjahr 2026 vorgetragen.
Das negative Ergebnis resultiert aus der unterschiedlichen Verzinsung der geldpolitischen Aktiva und Passiva. Konkret hat die OeNB während der vergangenen Krisen bis 2022 als geldpolitische Maßnahme zahlreiche Wertpapiere und Staatsanleihen mit niedrigen oder negativen Zinsen erworben. Das hat zwar wesentlich dazu beigetragen, eine Deflation zu verhindern sowie den Finanzplatz stabil und die Wirtschaft am Laufen zu halten, brachte und bringt der OeNB allerdings nur wenig Geld ein. Umgekehrt stiegen durch den zur Inflationsbekämpfung angehobenen Leitzins jene Zinsen, welche die OeNB an Banken zahlt, die bei ihr Geld einlegen. Dieser Betrag machte in den vergangenen Jahren ein Vielfaches dessen aus, was die OeNB durch die geldpolitischen Ankaufprogramme an Zinsen einnahm. "Im Jahr 2025 hat sich der Zinsaufwand an die Kommerzbanken jedoch bereits halbiert", berichtet Stiftinger.
Zum 31. Dezember 2025 betrug die Bilanzsumme der OeNB 256 Mrd EUR. Sie stieg damit gegenüber dem Vorjahr wieder um 19 Mrd EUR bzw. 8 % an. Ihren Höchststand erreichte die Bilanzsumme der OeNB im Jahr 2021 mit 275 Mrd EUR. Insbesondere das Abreifen der bereits erwähnten Wertpapiere für geldpolitische Zwecke ließ die Bilanzsumme bis 2024 kontinuierlich sinken. Der erneute Anstieg der Bilanzsumme im Jahr 2025 ist zu einem wesentlichen Teil auf den hohen Goldpreis zurückzuführen, der Auswirkungen auf die Bewertung des seit Jahrzehnten unveränderten Goldbestands der OeNB von 280 Tonnen hat. Die Gewinne durch den Preisanstieg des vergangenen Jahres werden, wie im Eurosystem üblich, nicht in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung vereinnahmt, sondern bleiben als Bewertungsreserven in der Bilanz der OeNB.
Über 60 Mio EUR für Forschung in Österreich
Die OeNB freut sich über eine positive Performance ihrer Eigenveranlagung sowie der für die Forschung gewidmeten Veranlagung im Jahr 2025. Letztere ermöglicht eine Ausschüttung an die Nationalstiftung Forschung, Technologie und Entwicklung (FTE- Nationalstiftung) in der Höhe von 50 Mio EUR. Insgesamt förderte die OeNB im Jahr 2025 als Teil ihres gesellschaftspolitischen Auftrags Forschung in Österreich mit über 60 Mio EUR - u. a. über eine Unterstützung der heimischen Wirtschaftsforschungsinstitute sowie den Jubiläumsfonds für Forschungsprojekte, wobei besonderer Fokus auf die wissenschaftliche Nachwuchsentwicklung und Grundlagenforschung gelegt wurde.
Rückfragehinweis: Oesterreichische Nationalbank Mag. Marlies Schroeder, MiM Telefon: +43-1-404 20-6900 E-Mail: marlies.schroeder@oenb.at Website: https://www.oenb.at
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/156/aom
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