Indien, Offensive

Indien startet Offensive für souveräne KI

20.02.2026 - 08:31:12 | boerse-global.de

Indien baut seine öffentliche KI-Infrastruktur massiv aus und präsentiert heimische Sprachmodelle, um technologische Souveränität zu erreichen und die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu verringern.

Indien treibt seine Strategie für unabhängige Künstliche Intelligenz mit Hochdruck voran. Auf dem India AI Impact Summit 2026 in Neu-Delhi kündigte die Regierung eine massive Ausweitung der nationalen Rechenkapazitäten an und präsentierte eine neue Generation heimischer KI-Modelle. Die Ankündigungen markieren den Übergang von der Planung zur Umsetzung.

20.000 neue GPUs für die nationale KI-Infrastruktur

Der indische Elektronik- und IT-Minister Ashwini Vaishnaw verkündete am 17. Februar den Ausbau der öffentlichen KI-Recheninfrastruktur um 20.000 leistungsstarke Grafikprozessoren (GPUs). Innerhalb der nächsten sechs Monate soll die öffentlich verfügbare Rechenleistung damit auf über 58.000 GPUs steigen. Diese Ressourcen stehen Start-ups, Forschern und Hochschulen zu subventionierten Konditionen zur Verfügung – ein entscheidender Schritt, um die hohen Einstiegshürden für heimische Talente zu senken.

„Wir schaffen eine faire Ausgangsposition für unsere Innovatoren“, so Vaishnaw. Der Ansatz kontrastiert bewusst mit anderen Nationen, wo KI-Infrastruktur oft in den Händen weniger Großkonzerne liegt. Indien verfolgt damit eine ganzheitliche Strategie: Von der Halbleiterproduktion über die Rechenleistung bis zur Anwendungsebene will das Land seine technologische Souveränität sichern.

Heimische KI-Modelle für 22 Landessprachen

Parallel zur Infrastruktur präsentierte der Gipfel eine neue Generation indischer Großer Sprachmodelle (LLMs). Das Bengaluruer Start-up Sarvam AI stellte mit Sarvam-105B sein bislang leistungsfähigstes Modell vor. Mit 105 Milliarden Parametern wurde es komplett auf indischer Infrastruktur trainiert und soll insbesondere in den 22 offiziellen Landessprachen sowie bei komplexen Denkaufgaben überzeugen.

Weitere Modelle wie die Sprach-KI von Gnani.ai oder das Param2-Modell des BharatGen-Konsortiums unterstreichen den Aufbau eines eigenständigen Ökosystems. Diese Modelle sind kulturell und kontextuell auf Indien zugeschnitten – ein Kernziel der souveränen KI-Strategie. Damit reagiert die Regierung auch auf Kritik an der bisherigen Abhängigkeit von ausländischer Technologie.

Mission 2.0: Von der Forschung zur flächendeckenden Anwendung

Die Maßnahmen sind Teil der neu aufgelegten IndiaAI Mission 2.0. Das Programm, 2024 mit umgerechnet über 1,1 Milliarden Euro beschlossen, verschärft den Fokus auf flächendeckende Nutzung und vertiefte Forschung. Ein zentrales Vorhaben ist eine digitale Plattform nach dem Vorbild des Bezahlsystems UPI, die fertige KI-Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen bereitstellen soll.

Die Strategie reicht bis in die Halbleiterindustrie: Die „Semicon 2.0“-Initiative zielt auf den Aufbau von mindestens 50 Deep-Tech-Start-ups in diesem Bereich. Indien will so die Abhängigkeit von ausländischer Hardware reduzieren und langfristige technologische Souveränität erreichen.

Indiens entschlossener Vorstoß ist von strategischem Autonomiestreben, Datensicherheit und wirtschaftlicher Unabhängigkeit geprägt. In einem von US- und chinesischen Firmen dominierten Sektor setzt das Land damit ein Zeichen. Der erste große KI-Gipfel im Globalen Süden positioniert Indien als Führungsnation für Schwellenländer und lenkt die globale Debatte von KI-Sicherheit hin zu KI für Entwicklung.

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Die wirtschaftlichen Erwartungen sind enorm: Regierungsvertreter prognostizieren Investitionen von über 180 Milliarden Euro in den kommenden zwei Jahren. Dieses Kapital soll sowohl in Infrastruktur als auch in die Entwicklung anwendungsorientierter KI-Lösungen fließen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Indien den Brückenschlag von der Grundlageninfrastruktur zu wettbewerbsfähigen Weltmarktprodukten schafft.

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