Hausärzte, Neurologie-Stress

Hausärzte im Neurologie-Stress: Neue Regeln und Therapien ab April 2026

02.04.2026 - 14:01:01 | boerse-global.de

Eine neue Leitlinie empfiehlt aufwendige Alzheimer-Antikörper, während Hausärzte den Nutzen bezweifeln. Parallel sollen neue Abrechnungsregeln und Delegation die Praxen entlasten.

Hausärzte im Neurologie-Stress: Neue Regeln und Therapien ab April 2026 - Foto: über boerse-global.de

Ab heute gelten neue Regeln für die neurologische Versorgung in Hausarztpraxen. Gleichzeitig entzündet sich an einer aktualisierten Demenz-Leitlinie ein Streit zwischen Fachgesellschaften. Im Kern geht es um die Frage: Wie viel High-Tech-Medizin muss der Hausarzt stemmen?

Neue Demenz-Leitlinie spaltet die Ärzteschaft

Die S3-Leitlinie Demenz empfiehlt erstmals den Einsatz neuer Alzheimer-Antikörper wie Lecanemab. Diese sollen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn reduzieren und den kognitiven Verfall bremsen. Voraussetzung ist eine frühe Diagnose mittels Biomarker-Tests.

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Doch die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) geht auf die Barrikaden. Sie kritisiert die Empfehlungen scharf und spricht von "Disease Mongering" – einer künstlichen Ausweitung des Krankheitsbegriffs. Hausärzte fürchten den enormen Aufwand: Die Therapie erfordert regelmäßige MRT-Kontrollen, um gefährliche Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen zu erkennen. Ist der klinische Nutzen den logistischen Stress überhaupt wert?

EBM-Reform: So sollen Praxen entlastet werden

Parallel zur fachlichen Debatte hat der Bewertungsausschuss die Abrechnungsregeln angepasst. Seit dem 1. April gibt es neue Gebührenordnungspositionen (GOP) für die hausärztliche Begleitung der Alzheimer-Antikörpertherapie. Auch das Spektrum erstattungsfähiger Digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) wurde erweitert.

Neu dabei ist etwa eine App zur neuropsychologischen Unterstützung bei kognitiven Störungen. Zusätzlich können Praxen jetzt die Verlaufskontrolle digitaler Therapien bei Harninkontinenz abrechnen – ein häufiges Problem neurologischer Patienten. Die Botschaft ist klar: Digitalisierung soll die Belastung durch den Fachkräftemangel mildern.

Delegation wird zum Schlüssel gegen den Zeitdruck

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt das Potenzial: Hausärzte könnten bis zu 65 Prozent ihrer Zeit sparen, wenn sie Aufgaben delegieren. Routinekontrollen bei Parkinson oder die Schlaganfall-Nachsorge könnten spezialisierte Fachkräfte wie Versorgungsassistenten (VERAH) übernehmen.

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Unterstützung kommt von der Telematikinfrastruktur. Seit Anfang des Jahres fördern neue EBM-Ziffern die Aktualisierung von Notfalldatensätzen auf der Gesundheitskarte. Für Patienten mit komplexen Medikamentenplänen – etwa einer Kombination aus Antidepressiva und neuen Biologika – ist das ein wichtiger Sicherheitsgewinn.

Migräne und Schmerz: Hausarzt als erster Ansprechpartner

Bei der häufigen Migräne hat sich das Feld radikal gewandelt. CGRP-Antikörper und neue Wirkstoffe (Gepante) stehen heute breit zur Verfügung. Immer öfter entscheidet der Hausarzt direkt über den Einsatz dieser hochwirksamen, aber teuren Therapien.

Auch in der Schmerzmedizin wachsen die Anforderungen. Neue Leitlinien fordern eine frühe Differenzierung zwischen neuropathischen und muskuloskelettalen Schmerzen. Der Hausarzt muss Patienten durch ein Dickicht aus Medikamenten, Physio- und Psychotherapie lotsen. Diese Koordinationsaufgabe wird zur Kernkompetenz – und wird seit Jahresbeginn durch eine neu geregelte Vorhaltepauschale honoriert.

Der permanente Balanceakt

Die Entwicklung zeigt ein Paradox: Der Hausarzt soll immer spezialisiertere Neurologie leisten, während tausende Praxissitze leerstehen. Bis 2030 könnten über 8.000 Vollzeitstellen fehlen.

Der Leitlinien-Streit offenbart einen grundsätzlichen Konflikt. Die klinische Neurologie setzt auf frühe biologische Diagnosen. Die Allgemeinmedizin pocht auf Lebensqualität und warnt vor Überdiagnostik bei älteren, multimorbiden Patienten. Der Hausarzt muss hier die Balance finden – zwischen medizinischem Fortschritt und der sozialen Realität seiner Patienten. Die neuen EBM-Regeln sind ein Versuch, diese Lotsenfunktion finanziell abzubilden. Ob sie in der überlasteten Praxis ankommen, ist jedoch eine andere Frage.

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