Geisterzug, Wende

Geisterzug fordert radikale Wende in Kölns Wohnungspolitik

07.02.2026 - 02:15:12

Der traditionelle Protestzug in Köln-Nippes fordert eine radikale Wende der Wohnungspolitik. Die Demonstranten machen mit kreativen Aktionen auf die akute Wohnungskrise aufmerksam.

Tausende demonstrieren heute in Köln-Nippes gegen steigende Mieten und Wohnungsnot. Der traditionelle Geisterzug steht unter dem Motto „Allerhöchste Zeit für eine andere Wohnungspolitik – wir können nicht alle im Dom schlafen!“. Die als Demonstration angemeldete Veranstaltung startet um 19 Uhr in der Josefine-Clouth-Straße.

Ein düsteres Symbol für die Misere

Der Zug feiert sein 35-jähriges Bestehen und nutzt die Bühne des alternativen Karnevals für klare politische Botschaften. Teilnehmer verkleiden sich als Geister und Vampire, um die prekäre Lage auf dem Kölner Wohnungsmarkt sichtbar zu machen. Im Fokus stehen selbstgemachte Kostüme, Trommelgruppen und Transparente – auf Wurfmaterial und motorisierte Wagen wird verzichtet.

Die Organisatoren vom Verein Ähzebär un Ko e.V. kritisieren, dass Wohnen zum Luxusgut verkommt. Bezahlbarer Raum ist für Studierende, Familien und Geringverdienende kaum noch zu finden.

Die harten Fakten der Krise

Die Forderungen des Protests sind durch den Markt untermauert. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:
* Eigentum unerreichbar: Quadratmeterpreise liegen bei rund 4.869 Euro für Wohnungen und 5.117 Euro für Häuser.
* Mieten im Höhenflug: Ein extremes Ungleichgewicht von knappem Angebot und hoher Nachfrage treibt die Preise.
* Leerstand fehlt: Die Quote liegt unter einem Prozent. Ein funktionierender Markt bräuchte drei Prozent.
* Zukunft düster: Bis 2040 werden schätzungsweise 70.000 zusätzliche Wohnungen benötigt. Der Neubau hinkt diesem Bedarf hinterher.

Was fordern die Demonstranten?

Im Zentrum stehen konkrete politische Forderungen nach einer radikalen Kehrtwende. Initiativen wie das Aktionsbündnis Gegen Wohnungsnot verlangen:
* Wirksamere Maßnahmen gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum
* Eine massive Stärkung des sozialen Wohnungsbaus
* Eine Bodenpolitik, die dem Gemeinwohl dient

Die Stadt Köln hat die Problematik erkannt. Ein „Kölner Konzept zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit“ ist in Arbeit. Zudem plant die Stadt, jährlich bis zu 6.000 neue Wohnungen zu schaffen – 30 Prozent davon gefördert. Kritiker halten diese Schritte für zu zögerlich. Der Geisterzug will den Druck erhöhen, schneller und entschlossener zu handeln.

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Karneval als politisches Ventil

Der Geisterzug hat eine lange Tradition als politische Bühne. Er entstand 1991 als spontane Friedensdemo, nachdem der Rosenmontagszug wegen des Golfkriegs abgesagt wurde. Seitdem greift der Zug jedes Jahr ein gesellschaftspolitisches Top-Thema auf. Die Durchführung eine Woche vor dem Straßenkarneval unterstreicht bewusst den Protestcharakter.

Was folgt auf die heutige Demonstration? Die Organisatoren werden ihre Forderungen voraussichtlich an die Stadtverwaltung übergeben. Die erwartete hohe Teilnehmerzahl und mediale Aufmerksamkeit dürften die Debatte weiter anheizen. Ob die Stadt ihre Anstrengungen angesichts hoher Baukosten und langwieriger Genehmigungsverfahren intensivieren kann, bleibt offen. Der Geisterzug macht klar: Die Geduld vieler Bürger ist am Ende.

@ boerse-global.de