Comeback, Rakete

Comeback einer Rakete: Europas Vega C soll zurĂŒck ins All

04.12.2024 - 06:43:23

Fast zwei Jahre ist es her, dass der erste kommerzielle Flug der europĂ€ischen Rakete Vega C missglĂŒckte.

Seitdem waren die europĂ€ische Raumfahrtbehörde Esa und ihre Partner mit Fehleranalyse und Tests beschĂ€ftigt. Nun soll die Rakete zurĂŒck auf die Startrampe und damit Europas Zugang zum All stĂ€rken. Geplant ist der Start fĂŒr 22.20 Uhr deutscher Zeit am europĂ€ischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana.

Ein folgenschwerer Fehlstart

Die Vega C ist eine Weiterentwicklung der Vega-Rakete, die von 2012 bis zu diesem Herbst leichte Satelliten ins All brachte. Laut Esa kann die neue Rakete etwa 800 Kilogramm mehr Last transportieren, ist billiger und kann Satelliten auf Umlaufbahnen in unterschiedlichen Höhen bringen.

Erstmals gestartet war die neue Rakete im Juli 2022. Dabei ging noch alles gut. Doch im Dezember 2022 folgte ein schwerer Schlag: Wenige Minuten nach dem Start kam die Rakete von ihrem Kurs ab, weil es beim Triebwerk Zefiro-40 ein technisches Problem gab. Daraufhin wurde das Flugobjekt zerstört und fiel ins Meer. Alle weiteren geplanten Starts bis jetzt wurden abgesagt.

Eine Untersuchungskommission erklĂ€rte spĂ€ter, es habe an der Auskleidung des SchubdĂŒsenhalses in dem Triebwerk eine unerwartete Erosion gegeben. Das verwendete Material sei wohl nicht homogen genug gewesen.

Vega C als SĂ€ule von Europas Zugang zum All

"Wir haben jetzt zwei Jahre lang intensiv gearbeitet", sagt Marino Fragnito vom italienischen Hauptauftragsnehmer Avio kurz vor dem Start der Rakete. Das Problem mit der DĂŒse sei schwer zu verstehen gewesen. Bei dem in der Ukraine gefertigten Teil habe es nur wenige QualitĂ€tskontrollen gegeben.

Mittlerweile werde die DĂŒse in Frankreich gefertigt und mehrfach getestet, erklĂ€rt Fragnito. "Wir sind jetzt sicher, dass dieser Start und der nĂ€chste Start erfolgreich sein werden."

Mit der RĂŒckkehr der Vega C will die Esa endlich wieder mehr Möglichkeiten haben, um kleinere Satelliten eigenstĂ€ndig ins All zu befördern. Stefano Bianchi, Leiter der Flugprogramme bei der Esa, betont, die Rakete sei fĂŒr Europa sehr wichtig. "Vega C und Ariane 6 sind die beiden SĂ€ulen des europĂ€ischen Zugangs zum All."

Krise im TrÀgerraketensektor

Die Ariane 6 startete nach Jahren der Verzögerung erstmals in diesem Sommer ins Weltall. Sie kann große Satelliten transportieren. Der Erststart wurde als Erfolg gewertet, auch wenn am Ende die erneute ZĂŒndung eines Triebwerks nicht wie geplant funktionierte.

Die Verzögerung bei der Ariane 6 und der Ausfall der Vega C hatten Europas TrĂ€gerraketensektor in eine Krise gestĂŒrzt. Teilweise wich die Esa fĂŒr Satellitenstarts auf Falcon-9-Raketen des US-Unternehmens SpaceX von Elon Musk aus.

WettbewerbsfÀhig oder Auslaufmodell?

Fragt man die Esa, wird die Vega C Europas Raumfahrt wettbewerbsfÀhiger machen. Martin Tajmar, Raumfahrtexperte von der TU Dresden, hingegen meint: "Die Vega ist ein Auslaufmodell."

Kommerziell sei die Rakete wegen der hohen Startkosten praktisch nicht vermarktbar, erlĂ€utert Tajmar. Dennoch erfĂŒlle sie fĂŒr Europa den Zweck der UnabhĂ€ngigkeit und des Kompetenzerhalts in der Raumfahrtindustrie. "Vor allem ist sie natĂŒrlich interessant als Alternative zur Ariane 6, wenn es um kleine Nutzlasten geht."

AuftrÀge hat die Vega C schon mehr als ein Dutzend. Passagier beim Comeback ist der Satellit Sentinel-1C des europÀischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus.

Esa und Avio sind optimistisch, dass die RĂŒckkehr der Rakete ein Erfolg wird. "Wir haben getan, was wir können", sagt Bianchi.

@ dpa.de