Exportkontrolle: USA verschärfen Druck, Deutschland lockert innereuropäisch
13.02.2026 - 10:01:12Die Regeln für den Technologietransfer spalten sich: Während die USA mit einer Rekordstrafe von 252 Millionen Euro gegen einen Chipausrüster ein Exempel statuieren, erleichtert Deutschland den Austausch innerhalb der EU. Für internationale Konzerne entsteht ein gefährlicher Spagat.
USA verhängen historische Strafe für Umgehung von China-Sanktionen
Die US-Behörden senden ein unmissverständliches Signal. Das Bureau of Industry and Security (BIS) verhängte am Donnerstag eine Strafe in Höhe von 252 Millionen Euro gegen den Halbleiterausrüster Applied Materials. Grund: Das Unternehmen soll über seine südkoreanische Tochtergesellschaft verbotene Ionentransplantationsanlagen an einen auf der US-Sperrliste stehenden chinesischen Empfänger geliefert haben.
Der Fall offenbart die neue Schärfe der US-Exportkontrollen. Nicht mehr nur der direkte Weg steht im Fokus, sondern auch die Umleitung über Drittländer. „Indirekte Technologietransfers stehen unter intensiver Beobachtung“, machte Under Secretary Jeffrey Kessler klar. Für Compliance-Verantwortliche globaler Konzerne bedeutet das: Die lückenlose Kenntnis des Endverbrauchers ist entscheidend, um dreistellige Millionenstrafen zu vermeiden.
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Deutschland lockert Bürokratie für EU-internen Austausch
Während Washington zudrückt, öffnet Berlin innereuropäische Schleusen. Seit 1. Februar 2026 gelten neue Vereinfachungen der Bundesstelle für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Sie erleichtern den Transfer sogenannter „intangibler“ Technologien – wie Blaupausen per E-Mail oder Zugang zu Cloud-Plattformen – innerhalb der EU.
Das Ziel ist klar: Die Innovationskraft Europas stärken und gemeinsame Projekte in Verteidigung und Industrie beschleunigen. Deutsche Tech-Unternehmen und Forschungseinrichtungen hatten lange über die innovationshemmende Bürokratie geklagt. Die Kehrseite der Medaille: Unternehmen müssen penible Nachweispflichten erfüllen, um zu verhindern, dass diese vereinfachten Kanäle nicht zum „Hintertürchen“ für den Abfluss sensibler Technologien außerhalb der EU werden.
Geopolitische Gegenreaktion: China zieht nach
Die geopolitischen Risse vertiefen sich. Als vermutete Vergeltung für europäische Beschränkungen bei grünen Technologien verhängte Peking am Freitag Strafzölle auf EU-Milchimporte. Bedeutsamer für die Tech-Branche ist jedoch eine andere Entwicklung: Seit dem 4. Februar untersuchen chinesische Behörden den Verkauf des KI-Startups „Manus“ an einen ausländischen Investor.
Beijing prüft mögliche Verstöße gegen eigene Exportkontrollen für „Schlüsseltechnologien“. Das zeigt: China entwickelt zunehmend eigene Schutzmechanismen, um heimische Innovation im Land zu halten – ein Spiegelbild der Politik von USA und EU.
Zersplitterte Compliance-Landschaft wird zur Falle für Konzerne
Die Ereignisse der letzten 72 Stunden skizzieren eine zersplitterte Regulierungswelt. Auf der einen Seite verschärft die US-Regierung unter Präsident Trump ihre „America First“-Politik. Auf der anderen versucht die EU, eine nach außen abgeschirmte, aber innen offene „Festung Europa“ zu errichten.
Für multinationale Unternehmen wird dies zum gefährlichen Balanceakt. Ein Konzern in München profitiert vielleicht von vereinfachtem Datenaustausch mit Paris, riskiert aber gleichzeitig eine existenzbedrohende Strafe, wenn dieselben Daten versehentlich von einer Tochterfirma in Shanghai eingesehen werden. Juristen warnen vor diesem Compliance-Minenfeld.
Ausblick: Der unsichtbare Datenstrom rückt in den Fokus
Die nächste Runde der Regulierungswelle ist bereits absehbar. Behörden auf beiden Seiten des Atlantiks richten ihren Blick verstärkt auf die unsichtbaren Datenströme. Die BAFA-Reform nennt Cloud Computing explizit, die USA fokussieren sich auf KI‑Chip‑Lieferketten.
Die Empfehlung an die Industrie ist eindeutig: Interne Compliance-Programme müssen sofort überprüft und angepasst werden. Dazu gehören wasserdichte IT-„Firewalls“ und tiefgreifende Audits der Lieferkette. Die 252-Millionen-Euro-Strafe gegen Applied Materials beweist: Die Kosten für Nachlässigkeit im Jahr 2026 sind höher denn je.
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