Europäisches Parlament und Bayern fordern Bau-Revolution
13.03.2026 - 00:00:15 | boerse-global.deDer Druck auf den deutschen und europäischen Immobilienmarkt erreicht einen neuen Höhepunkt. Diese Woche formiert sich massiver Widerstand gegen die Baukrise: Sowohl das Europäische Parlament als auch ein breites bayerisches Wirtschaftsbündnis legen umfassende Forderungen vor. Ihre Botschaft ist eindeutig: Weniger Bürokratie und niedrigere Kosten müssen her.
Der Wohnraummangel hat sich längst zum Standortrisiko entwickelt. Fachkräfte finden keine bezahlbaren Wohnungen, Bauherren scheitern an hohen Kosten und Auflagen. Doch die Rufe nach Reformen werden lauter – und erste Lichtblicke sind erkennbar.
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EU-Parlament setzt auf Turbo-Genehmigungen
Auf europäischer Ebene sendet das Parlament ein deutliches Signal. Es hat einen Initiativbericht zur Wohnungskrise verabschiedet, der weitreichende Reformen anmahnt. Ein zentraler Punkt: Baugenehmigungen sollen künftig innerhalb von maximal 60 Tagen erteilt werden müssen.
Darüber hinaus fordert die Resolution steuerliche Anreize, etwa einen stark reduzierten Mehrwertsteuersatz für den Wohnungsbau. Auch die Regulierung von Kurzzeitvermietungen steht im Fokus. Die Abgeordneten weisen zudem auf das Problem im ländlichen Raum hin und fordern einen spezifischen Plan für bezahlbaren Wohnraum auch außerhalb der Metropolen.
Bayern: Historisches Bündnis übergibt Forderungen
Zeitgleich formiert sich in Bayern eine historische Allianz. Unter dem Titel „Impulse für den Wohnungsbau Bayern“ haben Vertreter von Bauindustrie, Rohstoffverbänden, Ingenieurekammer und Mieterbund ein gemeinsames Papier an Bauminister Christian Bernreiter übergeben.
Das Bündnis unterscheidet strikt zwischen den Herausforderungen bei Eigentum und Miete. Familien können sich Eigentum kaum noch leisten, Haushalte mit mittleren Einkommen finden keine bezahlbaren Mietwohnungen. Als Lösung fordert die Allianz die Einführung des „Gebäudetyps E“. Dieser Ansatz soll einfaches und experimentelles Bauen ermöglichen – ohne Abstriche bei Sicherheit oder Gesundheit.
„Unser primäres Ziel ist es, schneller zu bauen und die Kosten signifikant zu senken“, erklärt Dr. Bernhard Kling, Koordinator der Aktion. Staatliche Förderungen sollen künftig gezielt an kostengünstige Konzepte und bezahlbare Mieten gebunden werden.
Leichte Entspannung bei Genehmigungen und Krediten
Trotz der alarmierenden Appelle gibt es erste Anzeichen für eine Stabilisierung. Nach drei Jahren mit rückläufigen Zahlen ist die Zahl der Baugenehmigungen im Wohnungsbau 2025 erstmals wieder gestiegen – um knapp elf Prozent auf rund 238.500 Wohnungen. Branchenanalysten werten dies als wichtiges positives Signal.
Auch bei der Finanzierung zeigt sich eine Trendwende. Die Sparkassen verzeichneten 2025 neue Zusagen für Wohnungsbaukredite in Höhe von 55 Milliarden Euro. Das ist ein Anstieg von 20 Prozent. Allerdings fließt dieses Geld derzeit vor allem in den Erwerb und die Sanierung von Bestandsimmobilien, nicht in den Neubau. Der sichtbare Aufschwung bei neuen Projekten bleibt daher noch aus.
Die Kostenfalle im Neubau
Die Initiativen treffen auf einen Markt mit enormem Nachfrageüberhang. Eine aktuelle Studie beziffert das Defizit auf einen Rekordstand von bundesweit 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen. Die Folge: Die Nettokaltmieten stiegen 2025 im Durchschnitt um weitere vier Prozent.
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Die Ursachen sind vielschichtig. Hohe Materialpreise, gestiegene Zinsen und ein komplexes Geflecht aus Bauvorschriften und Energieeffizienzvorgaben haben den Neubau, insbesondere von geförderten Mietwohnungen, unrentabel gemacht. Experten warnen: Der Wohnungsmangel wird zur Wirtschaftsbremse, wenn Unternehmen Stellen nicht besetzen können.
Worauf warten Deutschland?
Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Die Branche blickt bereits gespannt auf den 17. Wohnungsbau-Tag Ende März in Berlin. Unter dem Motto „Worauf wartet Deutschland?“ debattieren dort Regierung und Wirtschaft über Auswege aus der Krise.
Marktbeobachter prognostizieren für 2026 eine zweigeteilte Entwicklung. Im Bereich der Eigentumswohnungen könnte sich eine moderate Erholung abzeichnen. Auf dem Markt für günstige Mietwohnungen bleibt die Lage dagegen äußerst angespannt. Ohne massive staatliche Eingriffe und eine radikale Entschlackung der Bauordnungen wird der Wohnraummangel die Debatte noch auf Jahre dominieren.
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