Eterna-Liquidation, Krise

Eterna-Liquidation markiert Krise der deutschen Modebranche

10.03.2026 - 00:00:24 | boerse-global.de

Der Traditionshersteller Eterna schließt nach 163 Jahren und entlässt 400 Mitarbeiter. Die Insolvenzwelle erfasst weitere etablierte Marken, getrieben durch verändertes Konsumverhalten und hohe Kosten.

Eterna-Liquidation markiert Krise der deutschen Modebranche - Foto: über boerse-global.de
Eterna-Liquidation markiert Krise der deutschen Modebranche - Foto: über boerse-global.de

Der deutsche Mode- und Einzelhandel steckt in einer beispiellosen Strukturkrise. Das zeigt das jüngste Scheitern des Traditionsherstellers Eterna besonders deutlich. Das Unternehmen gibt seinen Stammsitz in Passau auf – nach 163 Jahren Firmengeschichte. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Insolvenzwelle, die etablierte Namen erfasst hat.

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Ende einer Ära: Eternas Liquidation bis Sommer 2026

Der Hemden- und Blusenhersteller Eterna gilt als jüngstes prominentes Opfer der Branchenkrise. Nach der Insolvenzantragstellung im Dezember 2025 zogen jetzt alle Interessenten ihre Kaufangebote zurück. Die Geschäftsleitung sieht keine Zukunft mehr für den Standort Passau.

Das bedeutet das Aus für rund 400 Arbeitsplätze. Der Gläubigerausschuss hat der geplanten Schließung bereits zugestimmt. Nur der Markenname Eterna wird separat verkauft – losgelöst von der historischen Produktion. Das 1863 in Wien gegründete Unternehmen verliert damit seine Wurzeln.

Insolvenzwelle erfasst etablierte Marken

Eterna ist kein Einzelfall. Seit Ende 2025 meldeten mehrere bekannte Modeunternehmen Insolvenz an oder wurden zerschlagen.

Die nachhaltige Damenmodemarke Les Lunes wurde zwar vom Onlinehändler Snocks übernommen. Doch von der Belegschaft blieben nur acht Mitarbeiter übrig. Der Herrenausstatter Wormland musste im November 2025 bereits zum zweiten Mal innerhalb von 18 Monaten Insolvenz anmelden. Trotz Top-Lagen in München und Hamburg drückten hohe Mieten und schwache Nachfrage das Unternehmen in die Knie.

Ebenfalls betroffen: die Premium-Denim-Marke Closed aus Hamburg und der Outdoor-Spezialist Sympatex. Die Krise erfasst damit sowohl Einzelhändler als auch Zulieferer.

Konsumverhalten verändert sich dramatisch

Daten zeigen, wie tiefgreifend sich das Kaufverhalten gewandelt hat. Das Analyseunternehmen Hase & Igel beobachtet über KI-gestützte Trendauswertungen einen drastischen Einbruch der Nachfrage.

Das Interesse an Damenbekleidung in Deutschland ist seit 2022 um etwa 60 Prozent eingebrochen. Für das erste Halbjahr 2026 prognostizieren die Modelle einen weiteren Rückgang um 34 Prozent. Bei Herrenmode sieht es ähnlich düster aus: minus 50 Prozent.

Die Beratungsfirma Alvarez & Marsal bestätigt diese Entwicklung. Schwache Lieferketten, sinkende Margen und misstrauische Investoren verschärfen den Druck. Mittelständische Marken können gestiegene Produktions- und Energiekosten kaum an Kunden weitergeben – ohne Marktanteile an Fast-Fashion-Konkurrenten zu verlieren.

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Homeoffice und Inflation als Krisentreiber

Was steckt hinter diesem Umbruch? Experten sehen mehrere Faktoren, die eine perfekte Sturmwetterlage erzeugen.

Die verbreitung von Homeoffice und hybriden Arbeitsmodellen hat den Bedarf an formeller Businesskleidung nachhaltig reduziert. Gleichzeitig macht die hohe Inflation den Konsumenten das Shoppen schwer. Dazu kommen explodierende Ladenmieten in Innenstädten und gestiegene Personalkosten.

Das traditionelle Einzelhandelsmodell bricht unter diesem Druck zusammen. Marken ohne starke digitale Präsenz oder einzigartiges Wertversprechen verlieren rapide an Boden. Die Zurückhaltung von Investoren – wie bei Eterna deutlich sichtbar – zeigt das schwindende Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit klassischer Modehändler.

Weitere Konsolidierung erwartet

Was kommt auf die Branche zu? Beobachter rechnen mit weiteren schmerzhaften Anpassungen. Die geplante Liquidation von Eterna bis Sommer 2026 könnte nur der Anfang sein.

Die Markenrechte insolventer Traditionsunternehmen werden zunehmend von ihren Produktionsstätten getrennt. Onlinehändler und Finanzinvestoren kaufen die Namen günstig ein – für reine E-Commerce-Modelle.

Überlebende Unternehmen stehen vor einer schwierigen Balanceakt: Sie müssen ihr Ladengeschäft optimieren und gleichzeitig massiv in digitale Kanäle und agile Lieferketten investieren. Bis die Konsumlaune sich wieder erholt, bleibt der deutsche Modemarkt ein hart umkämpftes Feld. Nur die finanziell robustesten und strategisch flexibelsten Player werden sich behaupten können.

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