Arbeitnehmer, Sicherheit

Deutsche Arbeitnehmer setzen auf Sicherheit statt Jobwechsel

09.02.2026 - 23:43:12

Nur noch 34 Prozent der Beschäftigten denken über einen Jobwechsel nach. Jobsicherheit hat das Gehalt als wichtigsten Faktor für Arbeitnehmer abgelöst.

Die Wechselbereitschaft auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gefallen. In unsicheren wirtschaftlichen Zeiten rückt für viele Beschäftigte die Jobsicherheit in den Vordergrund – und zwingt Unternehmen zu neuen Strategien.

Nur noch 34 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ziehen einen Arbeitgeberwechsel in Betracht. Das zeigt eine aktuelle Langzeitstudie des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag des Karrierenetzwerks XING. In den Vorjahren lag dieser Wert noch stabil zwischen 37 und 39 Prozent. Die aktuelle Wirtschaftsflaute lässt die Prioritäten kippen: Stabilität schlägt das Abenteuer.

Sicherheit schlägt Gehalt: Die neue Priorität

Die Zahlen belegen einen fundamentalen Wertewandel. Für 70 Prozent der Befragten hat ein langfristig sicherer Arbeitsplatz höchste Priorität bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers. Damit übertrumpft die Jobsicherheit sogar das Gehalt, das für 63 Prozent wichtig ist.

Die Tendenz wird in direkten Abwägungsfragen noch deutlicher: 61 Prozent würden sich für mehr Sicherheit anstelle einer höheren Bezahlung entscheiden. Und 58 Prozent bevorzugen eine sichere, wenn auch potenziell weniger spannende Position gegenüber einem aufregenden Job mit höherem Risiko.

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Interessanterweise geht diese neue Vorsicht nicht mit Zukunftsangst einher. Das Gegenteil ist der Fall: 91 Prozent machen sich keine Sorgen, ihren aktuellen Job in diesem Jahr zu verlieren. Und 63 Prozent sind überzeugt, im Falle eines Wechsels binnen sechs Monaten eine adäquate neue Stelle zu finden. Die Entscheidung für den Verbleib ist also bewusst und nicht aus Alternativlosigkeit getroffen.

Generationen im Vergleich: Die Jungen bleiben mobil, die Älteren setzen auf Stabilität

Die Studie offenbart signifikante Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Die Generation Z (Jahrgänge 1997-2012) bleibt mit 44 Prozent Wechselbereitschaft die mobilste Gruppe. Allerdings ist auch hier ein Abwärtstrend zu erkennen – 2024 lag der Wert noch bei 50 Prozent.

Bei den Millennials (1981-1996) zeigen sich 40 Prozent offen für einen Wechsel. Noch ausgeprägter ist das Sicherheitsbedürfnis bei den älteren Generationen: In der Generation X (1965-1980) sind nur 29 Prozent wechselbereit, bei den Babyboomern (1946-1964) sind es lediglich 17 Prozent.

Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung der älteren, stabileren Arbeitnehmer für den deutschen Arbeitsmarkt. Ein Blick auf die Statistik des Bundesamtes vom 3. Februar 2026 bestätigt den Kontext: Deutschland hat die älteste Arbeitsbevölkerung in der gesamten EU.

Personalmanagement im Wandel: Neue Anreize sind gefragt

Für die Personalabteilungen der Unternehmen bedeutet diese Entwicklung eine klare Handlungsaufforderung. Traditionelle Lockrufe wie Gehalt und Karrierechancen allein verlieren an Überzeugungskraft. Recruiting-Strategien müssen jetzt verstärkt die Aspekte Sicherheit und Stabilität in den Vordergrund stellen.

Doch was erwarten die Beschäftigten konkret neben der Jobsicherheit? Die Studie nennt drei weitere zentrale Faktoren: Gutes Führungsverhalten (62 Prozent), flexible Arbeitszeitgestaltung (58 Prozent) und eine sinnstiftende Tätigkeit (57 Prozent).

Das Festhalten an bewährten Mitarbeitern – das Retention-Management – gewinnt damit strategische Bedeutung. In einem Geschäftsklima, das laut aktuellen ifo-Umfragen von Pessimismus geprägt ist, kann ein verlässliches Arbeitsumfeld zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.

Fachkräftemangel bleibt: Ein Markt mit neuen Spielregeln

Trotz sinkender Mobilität bedeutet dies keine Entlastung für die Personalabteilungen. Der Fachkräftemangel in Deutschland bleibt akut und wird durch den demografischen Wandel weiter verschärft. Die Spielregeln im Wettbewerb um Talente verschieben sich lediglich.

Arbeitnehmer befinden sich nach wie vor in einer starken Verhandlungsposition, doch ihre Forderungen haben sich gewandelt. Die erfolgreichen Arbeitgeber der Zukunft werden jene sein, die eine Kultur des Vertrauens, der Sicherheit und der Wertschätzung etablieren.

Investitionen in Mitarbeiterbindung, transparente Kommunikation und flexible, aber sichere Arbeitsmodelle werden entscheidend sein. Die aktuelle Entwicklung ist somit kein Zeichen von Stagnation, sondern Indikator für einen reifer werdenden Arbeitsmarkt, auf dem Beschäftigte ihre Prioritäten bewusst setzen.

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