BGH, Makler

BGH: Makler haften direkt für Diskriminierung bei Wohnungsvergabe

29.01.2026 - 23:33:12

Der Bundesgerichtshof verpflichtet Immobilienmakler zur direkten Haftung bei Diskriminierung und erkennt Testverfahren als Beweismittel an. Dies schließt eine Rechtslücke und stärkt die Position benachteiligter Wohnungssuchende.

Der Bundesgerichtshof hat Immobilienmakler in die Pflicht genommen: Sie haften künftig direkt für Diskriminierung bei der Wohnungsvermittlung und müssen Betroffenen Schadensersatz zahlen. Das Grundsatzurteil schließt eine umstrittene Rechtslücke und setzt neue Maßstäbe für die gesamte Branche.

Systematische Benachteiligung führt nach Karlsruhe

Ausgangspunkt war der Fall einer Lehrerin mit pakistanischen Wurzeln aus Groß-Gerau. Unter ihrem echten Namen erhielt sie 2022 auf eine Wohnungsbewerbung nur eine Absage – angeblich seien keine Besichtigungstermine mehr frei. Misstrauisch geworden, startete sie Testanfragen mit identischen Daten, aber deutschen Namen wie „Schneider“ oder „Schmidt“. Das Ergebnis war eindeutig: Nur diese führten zu sofortigen Terminangeboten.

Nach einem Rechtsstreit durch alle Instanzen landete der Fall schließlich beim BGH. Das Landgericht Darmstadt hatte der Klägerin bereits 3.000 Euro Entschädigung zugesprochen. Der beklagte Makler legte Revision ein – und löste damit die heutige Grundsatzentscheidung aus.

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Klare Haftung: Kein Verstecken hinter dem Vermieter

Der I. Zivilsenat bestätigte das Urteil und wies die Revision zurück. Die Richter sahen einen klaren Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) als erwiesen an. Entscheidend ist ihre Begründung: Makler sind nicht bloße Erfüllungsgehilfen der Vermieter.

Vielmehr gestalten sie den Zugang zu Wohnraum maßgeblich mit und unterliegen daher selbst den AGG-Pflichten. Das Argument, nur der Vermieter hafte, ließen die Richter nicht gelten. Sonst entstünde eine fatale Schutzlücke, da Wohnungssuchende meist nur mit Maklern verhandeln. Erstmals bestätigte der BGH zudem die Rechtmäßigkeit von Testverfahren als Beweismittel.

Branche unter Druck: Compliance wird Pflicht

Das Urteil hat unmittelbare Konsequenzen für Makler und Hausverwaltungen in ganz Deutschland. Diskriminierendes Verhalten ist nicht nur unethisch, sondern wird jetzt auch direkt und kostspielig sanktionierbar. Die Branche kann sich nicht länger hinter vermeintlichen Vermieterwünschen verstecken.

Vertreter von Mieter- und Antidiskriminierungsverbänden begrüßen die Entscheidung als Meilenstein. „Das Urteil macht deutlich, dass Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt keinen Platz hat“, so die Präsidentin des Deutschen Mieterbundes, Melanie Weber-Moritz. Auch die Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman spricht von einem „wichtigen Signal“, das Betroffenen ein wirksames Mittel gegen Ungleichbehandlung gebe.

Analyse: Stärkere Position für Wohnungssuchende

Die Entscheidung fällt in eine Zeit angespannter Wohnungsmärkte. Studien belegen seit langem, dass Menschen mit Migrationshintergrund bei der Suche strukturell benachteiligt werden. Karlsruhe setzt nun ein starkes Zeichen, indem es die Verantwortung bei einem zentralen Marktakteur verortet.

Durch die Anerkennung von Testverfahren als Beweismittel erleichtert das Gericht Betroffenen die Beweisführung. Das könnte die Hemmschwelle für Klagen senken. Für die Immobilienwirtschaft wird AGG-Compliance zur zentralen Pflicht. Transparente, dokumentierte Auswahlverfahren nach objektiven Kriterien werden unerlässlich.

Ausblick: Mehr Transparenz, neue Debatten

In Folge des Urteils dürften Makler ihre internen Prozesse und Schulungen intensivieren. Standardisierte, objektive Bewerbungsverfahren gewinnen an Bedeutung. Der Fall könnte zudem die politische Debatte befeuern: Antidiskriminierungsbeauftragte Ataman fordert bereits ein Verbot diskriminierender Formulierungen in Wohnungsanzeigen.

Für benachteiligte Wohnungssuchende bedeutet das Urteil eine erhebliche Stärkung. Sie haben nun eine klare Anlaufstelle für Beschwerden und Klagen. Die Karlsruher Entscheidung wird die Spielregeln auf dem Wohnungsmarkt nachhaltig verändern – hin zu mehr Fairness und Transparenz.

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