Wende, Sanieren

Az W fordert radikale Wende: Sanieren statt neu bauen

07.01.2026 - 16:44:12

Eine Wiener Ausstellung kritisiert die europäische Wohnungspolitik und fordert gesetzliche Vorrangregeln für Gebäudesanierungen, um spekulationsgetriebene Abrisse zu stoppen und Klimaziele zu erreichen.

Das Architekturzentrum Wien (Az W) stellt die europäische Wohnungspolitik an den Pranger. Die aktuelle Ausstellung „Countdown House Europe!“ fordert einen gesetzlichen Vorrang für Sanierungen und ein Ende des spekulationsgetriebenen Abrisses.

Gelbe Karte für die Abrissbirne

Ein riesiges gelbes Banner mit der Aufschrift „Renovate Don’t Speculate“ dominiert den Museumshof. Es ist das visuelle Megaphon der gleichnamigen Europäischen Bürgerinitiative. Die Botschaft ist klar: Der Abriss funktionstüchtiger Gebäude muss gestoppt werden.

Die Initiatoren argumentieren, dass jedes abgerissene Haus nicht nur kulturelle Identität, sondern auch gewaltige Mengen an „grauer Energie“ vernichtet – also die Energie, die bereits in seinem Bau steckt. Ihr Ziel ist ein EU-Gesetz, das Sanierung gegenüber Neubau finanziell und rechtlich bevorzugt.

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Ein Prozent reicht nicht für die Klimaziele

Die Dringlichkeit untermauern alarmierende Zahlen: Die Sanierungsquote in Europa liegt bei nur einem Prozent pro Jahr. Experten sind sich einig: Diese Rate muss sich mindestens verdreifachen, um die Klimaziele für 2050 zu erreichen.

Der Bausektor ist einer der größten CO2- und Abfallverursacher. Die Ausstellung macht deutlich: Ohne eine massive Wende hin zur Bestandssanierung wird die Dekarbonisierung dieses Sektors scheitern. Die Technik für hochwertige Sanierungen sei da, klagen Branchenvertreter – es fehlten aber die politischen Anreize.

Doppelter Angriff auf die Bauwirtschaft

Parallel läuft im Az W die Schau „Reichtum statt Kapital“. Beide Ausstellungen attackieren die aktuelle Praxis von zwei Seiten:
* „Countdown House Europe!“ fordert konkrete Gesetzesänderungen.
* „Reichtum statt Kapital“ hinterfragt Architektur als reines Finanzinstrument und zeigt soziale Alternativen.

Diese Doppelstrategie verleiht der Forderung Nachdruck. In Wien, wo der Wohnungsdruck besonders hoch ist, wird die Frage nach dem Umgang mit bestehenden Gebäuden immer lauter.

Österreichs Problem mit dem Boden

Die Initiative trifft in Österreich auf einen wunden Punkt: Die Alpenrepublik hat einen der höchsten Bodenverbräuche Europas. Täglich werden neue Flächen versiegelt, während Ortskerne veröden.

Befürworter sehen in der Sanierungswende eine Chance für das lokale Handwerk und mehr regionale Wertschöpfung. Kritiker aus der Immobilienwirtschaft warnen hingegen vor Kostenexplosionen und Bürokratie, sollte ein Abriss erschwert werden.

Demo zum Abschluss – Dann entscheidet Brüssel

Die Ausstellung läuft noch bis Ende Januar. Für den 25. Januar ist eine Abschlussdemonstration angekündigt, die die Forderungen auf die Straße tragen soll.

Der finale Druckpunkt liegt in Brüssel. Erreicht die Bürgerinitiative genug Unterschriften, muss sich die EU-Kommission mit dem Anliegen befassen. Erste Entwürfe für eine verschärfte EU-Gebäuderichtlinie könnten noch dieses Jahr diskutiert werden. Für die Bauwirtschaft würde das eine fundamentale Neuausrichtung bedeuten.

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